Lehrstelle in Straelen gefunden: Junger Flüchtling wird Handwerker

Lehrstelle in Straelen gefunden : Junger Flüchtling wird Handwerker

Festim Korumi ist im Team von Heinz Goumans in Straelen. Es geht um Heizungs-, Bewässerungs- und Agrartechnik.

Festim Korumi ist ein Beispiel für gelungene Integration. Der 19-jährige Albaner lebt mit Unterbrechung seit 2015 am Niederrhein, spricht gut Deutsch und hat soeben seine Lehre als Metallbauer in der Fachrichtung Konstruktionstechnik begonnen. Dennoch waren die letzten vier Jahre für Festim Korumi anstrengend bis an die Grenze der Belastbarkeit. Das liegt nicht nur an den komplizierten Verhältnissen zwischen den Welten Balkan und Deutschland. „Wir mussten den Eindruck gewinnen, dass Festim in Deutschland unerwünscht ist“, sagt Claudia Burghans von der DRK Jugendhilfe Westfalen-Lippe.

Die Geschäftsführerin und ihr Team begleiteten den „alleinreisenden jungen Flüchtling“ und sind stolz, dass er nun eine Ausbildungsduldung und einen Arbeitgeber hat, der auf seine Fähigkeiten setzt. „Festim ist zuverlässig, handwerklich geschickt und bringt sich prima ein in unsere betrieblichen Abläufe“, sagt Heinz Goumans. Der Familienbetrieb aus Straelen steht für innovative Heizungstechnik, Bewässerungs- und Agrartechnik. In Zeiten von Fachkräftemangel kann Goumans junge Leute wie Festim Korumi gut gebrauchen. Der 1890 gegründete und in vierter Generation geführte Betrieb hat 35 Mitarbeiter, darunter sieben Auszubildende. Und braucht Nachwuchs, der sowohl technisch beschlagen ist, sich aber auch sozial einbringt und ein aufgeschlossenes Wesen hat. Heinz Goumans: „All das bringt Festim mit. Deshalb haben wir mit dem DRK dafür gekämpft, dass er bei uns eine Lehre beginnt.“

Beim Wort „kämpfen“ zuckt Claudia Burghans zusammen. Der behördliche Marathon hat bei ihr Spuren hinterlassen. Festim ist vor vier Jahren mit der großen Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen. Als er 18 wurde, sollte er zurück in seine Heimat. Albanien gilt als „sicheres Herkunftsland“. Dass Festim, der mittlerweile in Geldern lebt, damals in der internationalen Förderklasse am Berufskolleg aufgrund seiner Auffassungsgabe und seines Ehrgeizes seine Lehrer begeisterte, den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 mit Bravour schaffte und bei beruflichen Praktika im Betrieb Goumans seinen Mann stand, „interessierte scheinbar nicht“, so Claudia Burghans. „Festim war mega engagiert“, bestätigt Arne Fleuren, Lehrer am Berufskolleg in Geldern und Praktikumsbetreuer des Albaners.

Die Behörden schickten Festim 2018 aufgrund der Gesetzeslage zurück nach Tirana, von wo aus er ein Visum beantragen musste. „Und das, obwohl er integriert war und einen Ausbildungsvertrag hatte. Warum griff hier keine Einzelfalllösung?“, fragt Claudia Burghans. Parallel stand das DRK als Sozialverband in der Jugendhilfe mit der Ausländerbehörde im Kontakt, um alle Voraussetzungen zu schaffen. Festim hatte einen Miet- und einen Ausbildungsvertrag vorzulegen sowie auf einem Sperrkonto 3000 Euro zu hinterlegen. „Das alles gilt als Nachweis, dass er sich aus eigener Kraft finanzieren kann“, berichtet Claudia Burghans. Von staatlicher Unterstützung also keine Rede. So saß Festim ein Jahr in Tirana fest und wäre schier verzweifelt, hätte er nicht die ständige Unterstützung von DRK und Goumans verspürt.

Nach der erlösenden Botschaft vor einigen Tagen wird jetzt das zweite Kapitel im Flüchtlings-Stammbuch der Familie Korumi geschrieben: Festims Bruder Fation ist 2015 mit dem Bruder nach Deutschland eingereist. Der 17-Jährige lebt zurzeit in Kempen in einer Wohngruppe für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ am Buttermarkt. Das Haus in der Altstadt ist vom DRK Westfalen-Lippe als Jugendhilfeträger angemietet für Jugendliche wie Fation. Auch bei ihm ist das Ziel, den jungen Mann in eine Ausbildung zu bringen und den Umweg über Tirana, den sein Bruder gehen musste, zu vermeiden. „Ihm droht der gleiche nervenaufreibende Prozess“, sagt Claudia Burghans. „Hier ist die Politik gefordert, die Eingliederung in unsere Gesellschaft von integrationswilligen Menschen zu erleichtern, die sich in Deutschland aufhalten.“