Johannes Tichelbeckers hilft im LVR-Wohnverbund Straelen.

Helfer in Straelen : Wenn Johannes zum Quatschen kommt

Für seine Zeit als Rentner suchte Johannes Tichelbeckers eine ehrenamtliche Tätigkeit. Jetzt organisiert er manche Aktionen im LVR-Wohnverbund an der Karl-Leisner-Straße in Straelen. Das reicht von Gesprächen über Spaziergänge bis zum Fußballspielen.

Johannes Tichelbeckers ist ein zufriedener Mensch. Und ein dankbarer. Er habe viel Glück im Leben gehabt, viele wunderbare Dinge erlebt, kurz: „Mir ist viel Gutes widerfahren.“ Deshalb möchte er etwas zurückgeben, „so bin ich auch erzogen worden“. Seit seinem Abschied von der Sparkasse Straelen hat der frühere Abteilungsleiter und Vorstandsvertreter Zeit, um genau dies zu tun. Er engagiert sich freiwillig – zum Beispiel im LVR-HPH-Wohnverbund Karl-Leisner-Straße.

Alle 14 Tage sonntags heißt es dort: „Da kommt Johannes.“ Manchmal nur zum Quatschen, aber oft genug, um etwas mit den Frauen und Männern aus dem Wohnverbund zu unternehmen. Spaziergänge, Minigolf, Gesellschaftsspiele, Ausflüge, gemeinsame Feste, Karneval und vieles mehr gehören zum Programm.

Da sich der heute 65-jährige Tichelbeckers als Betreuer und Torwarttrainer bei der Jugendspielgemeinschaft Sportfreunde Broekhuysen-Herongen engagiert, lag es nahe, auch an der Karl-Leisner-Straße den Ball rollen zu lassen. „Zwei Mal im Jahr gibt’s mit den Männern im Haus einen Fußballsonntag.“

Der Kontakt zum LVR-HPH-Wohnverbund entstand bei einem Koch­abend. Den organisiert Iris Birken, im Haus zuständig für das Betreute Wohnen, vier Mal im Jahr. Menschen mit und ohne Behinderung kochen und essen gemeinsam. Die Sparkasse unterstützte das Projekt, und Johannes Tichelbeckers war von Aktion und Atmosphäre so begeistert, dass schnell klar war: Hier wollte er sich als Rentner engagieren.

Und Teamleiterin Elke Hinkelmann fackelte nicht lange, kurze Zeit später schon setzten sie und Tichelbeckers sich zusammen und besprachen, was denn alles möglich wäre.

Kontakt zu Menschen mit Behinderung hat der Straelener zuvor nicht gehabt. Aber auch keine Berührungsängste. Und anfängliche Schwierigkeiten legten sich schnell. Natürlich habe er manches lernen müssen. Ein Beispiel: Bei einem Spaziergang meinte er irgendwann, „dass wir jetzt heimgehen“. Den empörten Blick seiner Begleitung und den Ausruf „Wir wohnen in keinem Heim, wir wohnen Zuhause“ hat er nicht vergessen – und daraus gelernt. Heute ist Tichelbeckers längst Teil der großen Familie an der Karl-Leisner-Straße. „Das macht einfach einen Riesenspaß hier. Das Lächeln und die Dankbarkeit der Menschen sind wunderbar.“

Johannes Tichelbeckers, sagen Iris Birken und Teamleiterin Elke Hinkelmann, sei nicht der einzig freiwillig Engagierte im Haus. Aber der einzige, der so regelmäßig mit von der Partie sei. Sie würden sich freuen, wenn sich mehr jüngere Menschen für ein solches Ehrenamt begeistern könnten. Um mit den Frauen und Männern aus dem Haus vielleicht mal in die Disco zu gehen oder Dinge zu unternehmen, die Jüngere eben gerne machen. „Wir haben viele jüngere Bewohner hier an der Karl-Leisner-Straße.“ Die suchten sich zwar häufig ihre Kontakte selbst, aber etwas mehr Unterstützung wäre nicht verkehrt.

Wer sich im LVR-HPH-Wohnverbund engagiert, der trifft auf ein tolles Team. Das betont Johannes Tichelbeckers immer wieder. „Ich fühle mich hier pudelwohl. Es ist eine tolle Truppe, die mich super aufgenommen hat. Es macht Spaß, mit euch zusammenzuarbeiten. Ich finde, dass muss auch mal gesagt werden.“