Johannes-Bruderschaft Straelen gewinnt Mitglieder.

Schützenwesen: Bierdeckel bringt mehr Mitglieder

Dank ungewöhnlicher Kampagne: Die St.-Johannes-Jungbruderschaft Straelen mit ihrem Präsidenten Kevin Peter blickt auf einen bemerkenswerten Zuwachs aus dem Jahr 2017 zurück. Tradition ist und bleibt wichtig.

Ein 500 Jahre altes Zitat des englischen Staatsmannes Thomas Morus lautet „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“. Kaum eine andere Metapher könnte die Philosophie des 27-jährigen Präsidenten der St.-Johannes-Jungbruderschaft, Kevin Peter, widerspiegeln. Vor sechs Jahren ist er der Jungschützen-Bruderschaft beigetreten, und vier Jahre später, am 27. Dezember 2016, wurde er zu ihrem Präsidenten gewählt. „Über die Bedeutung des Amtes war ich mir vor der Wahl bewusst“, erinnert sich der Präsident. „Mir war es in erster Linie wichtig, den Verein am Leben zu halten und wachsen zu lassen und dabei die drei Grundpfeiler der Bruderschaft ,Glauben, Sitte und Heimat’ nie aus den Augen zu lassen.“

Wie sehr der Präsident für die Sache und für die Bruderschaft brennt, macht ein Blick auf die gestiegenen Mitgliederzahlen deutlich. Wurden in den Jahren vor seinem Amtsantritt drei bis sieben neue Mitglieder pro Jahr in der Bruderschaft aufgenommen, so schraubte Peter mit seiner Mannschaft die Mitgliederzahl mit 36 Neuanmeldungen auf eine Zahl von 143 hoch. „Wenn man ein Amt übernimmt, will man auch was bewegen“, fasste Peter zusammen, „und neue Mitglieder zu gewinnen, gehörte zu meinen Plänen. Da haben meine Jungs gut mitgearbeitet.“

Eine Bierdeckel-Kampagne, eine nie umgesetzte Idee des alten Vorstandes, habe maßgeblich dazu beigetragen. Auf der Rückseite von Bierdeckeln wurden Aufnahmeanträge mit dem Logo der Bruderschaft gedruckt und bei entsprechenden Veranstaltungen verteilt. Die auf diesem Deckel unterschriebenen Anträge habe der Vorstand, wie Peter versicherte, später seriös und ordnungsgemäß abgearbeitet.

Weiter betonte er, dass der Wahlspruch „Glaube, Sitte, Heimat“ auf jeden Fall absolute Priorität habe. Der Pfeiler Glauben stehe heutzutage für die Beteiligung an allen kirchlichen Festen, Sitte für die Bewahrung der Tradition und Pflege der Gemeinschaft und Heimat dafür, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen und freiwillige soziale Arbeit zu leisten.

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Dass die Jungschützen auch tatsächlich das sportliche Schießen ausüben, bestätigte der als Schießmeister geprüfte Andreas Klümpen. „Bei uns ist es so, dass jeder schießen darf, aber keiner muss. Im Moment haben wir vier aktive Schützen.“ Das hört sich im ersten Moment nicht berauschend an, aber Klümpen führte dazu aus, dass seine Bruderschaft eine der wenigen sei, bei der noch geschossen werde, und das solle auch so bleiben und nicht aussterben.

An jedem 27. Dezember – dem Gedenktag des Namensgebers, des Apostels Johannes – feiern die Schützenbrüder unweit des Kirchplatzes ihren „dritten Weihnachtstag“ beim traditionellen „Johannes-Stein-Küssen“. Der im Boden verarbeitete Gedenkstein, unter dem die Satzung der Bruderschaft vergraben liegt, wird zunächst aus hygienischen Gründe mit Korn desinfiziert und von allen Junggesellen ehrfürchtig geküsst; Verheiratete knien lediglich vor dem Stein nieder.

„Meine Amtszeit geht noch bis Ende 2019“, so Peter, „danach würde ich mich gerne wiederwählen lassen, denn 2021 sind wir als Teil des Stadtbundes an der Reihe, das Schützenfest zu organisieren. Das würde genau in meine Amtszeit fallen, und ein Präsident, der kein Schützenfest auf die Beine gestellt hat, ist kein richtiger Präsident gewesen. Danach hoffe ich, das Amt des Präsidenten mit gutem Gewissen übergeben zu können und die Tradition nicht aussterben zu lassen.“