Nitrat in Gelderner Privatbrunnen: Jeder dritte Brunnen mit Nitrat belastet

Nitrat in Gelderner Privatbrunnen: Jeder dritte Brunnen mit Nitrat belastet

Der Walbecker Jürgen Seewöster hat seinen privaten Brunnen testen lassen. Das Ergebnis: Zum Trinken, Duschen und Waschen ist das Wasser wegen zu hoher Nitratwerte nicht geeignet. In der Umgebung sind viele Quellen betroffen.

Jürgen Seewöster macht sich Sorgen um seine Blaubeeren. Denn die Sträucher gießt er mit Wasser aus seinem eigenen Gartenbrunnen in Walbeck. Und den hat er kürzlich testen lassen. Das Ergebnis: Der Nitratgehalt liegt deutlich über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Statt der erlaubten 50 Milligramm pro Liter enthält das Wasser fast 134 Milligramm Nitrat. „Das Wasser ist zum Duschen im Garten und zum Wäschewaschen nicht geeignet“, heißt es vom Verein VSR Gewässerschutz aus Geldern, der es getestet hat. Das Wasser sieht klar und frisch aus, doch trinkbar ist es nicht – auch nicht für Tiere. „Haustiere, sonstige Jungtiere und trächtige Muttertiere sollten mit dem Wasser nicht versorgt werden.“

Der Grund für die hohe Belastung liegt wahrscheinlich in der Landwirtschaft, in der Viehaltung und im Ackerbau, heißt es von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Kleve. Wenn die Pflanzen beim Düngen nicht alle Nährstoffe aufnehmen, gelangen sie in den Boden und somit auch ins Grundwasser. So düngt Jürgen Seewöster seine Pflanzen beim Gießen mit. Weitere Düngemittel sollte er also nicht mehr nutzen. Ansonsten hätten Brunnenbesitzer kaum Möglichkeiten, die Wasserqualität zu verbessern. „Je nach Lage, Umfeld und Tiefe des Brunnens können eine Verschiebung oder eine Vertiefung des Brunnens einen positiven Effekt bewirken“, so die Behörde.

Wie viele private Brunnen von erhöhten Nitratwerten betroffen sind, ist nicht bekannt. Da Gartenbrunnen keiner Pflicht für die Wasseruntersuchung unterliegen, hat Kreis Kleve keine offiziellen Zahlen. Der VSR-Gewässerschutz untersuchte bei einer Informationsveranstaltung in Geldern kürzlich 170 private Brunnen – auch in Kevelaer, Sonsbeck, Issum, Kerken und Wachtendonk. Das Ergebnis: In jeder dritten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes. In einem anderen Brunnen in Walbeck waren es sogar 207 Milligramm Nitrat pro Liter.

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Um die Nitrateinträge in Boden und Grundwasser zu minimieren, greifen seit den 1980er Jahren auf Bundesebene verschiedene gesetzliche Regelungen wie die Gülleverordnung, die Düngeverordnung und das Düngegesetz, die über die Jahre wiederholt verschärft wurden. Speziell in den Wasserschutzgebieten der öffentlichen Trinkwasserversorgung wurden zudem Kooperationen zwischen Wasserwerken, Landwirten und Gärtnern geschlossen. Mit Düngeberatung, Umstellung auf grundwasserschonende Arbeitsweisen und Ausgleichszahlungen durch die Stadtwerke habe man schon Erfolge erreicht, heißt es vom Kreis Kleve.

Der Verein VSR Gewässerschutz und die Untere Wasserbehörde des Kreises sind sich einig: Um seine Obststräucher muss sich Jürgen Seewöster keine Sorgen machen. Zum Gießen seiner Pflanzen könne der Walbecker das Wasser weiterhin nutzen. Auch Harald Gülzog vom VSR Gewässerschutz meint: „Für Obststräucher und Bäume ist das Wasser kein Problem.“

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