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Issum: Wegen Corona gibt es keinen St. Martinszug

Tradition in Corona-Zeiten : So feiern die Issumer das Martinsfest ohne Zug

Auch wenn coronabedingt der Heilige Mann nicht durch den Ort reitet, wurden fleißig Laternen gebastelt. Der Gedanke des Teilens lebt weiter, wenn man ihn vorlebt, sagt Kindergarten-Leiterin Anneke Meredig.

Dank der kleinen Lichterkette im Inneren leuchtet der Apfel wunderschön. Außen schlängelt sich eine kleine Raupe entlang, aber keine echte, wie Lias und Fiona betonen. Mit dem Basteln ihrer Laterne haben sie sich viel Mühe gegeben. In diesem Jahr werden die beiden ihre Laternen aber nicht singend durch die Straßen Issums tragen. Der St. Martinszug fällt coronabedingt aus. Eigentlich wäre Donnerstag der Tag gewesen, an dem alle Issumer Kinder sich auf dem Vogt-von-Belle-Platz versammeln, um dem Martinsspiel zuzuschauen. Aber der dreijährige Lias weiß noch aus dem Vorjahr genau, was passiert. „Der arme Bettler hat Lumpen an“, sagt er. „Und dann hat St. Martin seinen Mantel durchgeschnitten“, erklärt seine Kindergartenfreundin Fiona, wie es weitergeht. „Der arme Mann wollte noch Danke sagen, aber dann ist St. Martin schon weiter geritten.“ Und eigentlich vorneweg, einmal durch das Altbierdorf und die Kinder singend hinterher. „Das ist schon immer sehr aufregend“, sagt Lias Mutter, Miriam Bruns. Der Martinsabend ist für alle etwas Besonderes. Wenn die Kinder den Heiligen Martin auf seinem großen Pferd sitzen sehen, dass sei schon sehr beeindruckend. In diesem Jahr werden die Laternen ins Fenster gehängt. Die Geschwisterkinder haben Waschbärenlaternen in der Schule gebastelt. Mit einer befreundeten Familie, ihrer Kontaktfamilie, die sich aus der Corona-Zeit ergeben hat, habe man gemeinsam um ein Lagerfeuer gesessen und ein Weckmann-Essen gehabt. Das sei dann die kleine St. Martinsfeier gewesen, die in der aktuellen Situation möglich ist. Anders, aber trotzdem schön.

Anders als sonst, bleibt auch Martina Leukel-Stümpel am Martinsabend zu Hause. Normalerweise würde die Issumerin ihre Querflöte einpacken und sich mit dem Trommlercorps Rheinklänge auf den Weg machen. „Der November ist der spielstärkste Monat“, sagt sie. Da ist nicht nur St. Martin und Sessionsauftakt für den Karneval, sondern noch manch andere Veranstaltung. In diesem Jahr bleiben die Instrumente stumm. Auch die Proben können so nicht mehr stattfinden. „Wir haben Angst, durch Corona die Musiker zu verlieren“, sagt die Issumerin. Alles fehlt. Die Treffen, das Proben, die Auftritte. „Wir werden die Musik laufen lassen“, sagt sie mit Blick auf einen Martinsabend mit ihrem Mann Rainer. Im Fenster hängen bereits die Laternen, mit dem Logo des Trommlercorps und einer Fußballmannschaft.

Martina Leukel-Stümpel ist sehr traurig, dass das Martinsfest ausfällt. Foto: Bianca Mokwa

Normalerweise hat Karl Hans am Martinstag alle Hände voll zu tun. Für das Foto zum Gespräch mit der Redaktion hat er sich eine Schäfchenlaterne aus der Klasse 2a ausgeliehen. Hans ist Hausmeister an der St. Nikolausschule und Gemeindebrandinspektor. Ohne die Freiwillige Feuerwehr läuft am Martinstag nichts. Sie bewachen das Feuer, das den armen Mann beim Martinsspiel warm hält und auch auf dem Schulhof gibt es ein Martinsfeuer. „Für die Feuerwehr ist St. Martin eigentlich eine Tagesbeschäftigung“, sagt Hans. Vor allem, wenn es auch noch ein Feuerwerk gibt. Die ganze Einheit, 30 Leute, plus die Jugendfeuerwehr ist dann auf den Beinen, um den Issumer Kindern ein schönes und sicheres Fest zu gestalten. Seit 1974, mit Eintritt in die Jugendfeuerwehr, ist auch Karl Hans dabei. Nicht nur für die Kinder sei es schade, dass St. Martin in diesem Jahr nicht stattfindet, betont er.

Für das Foto hat sich Karl Hans eine Schäfchenlaterne ausgeliehen. Foto: Bianca Mokwa

Sang- und klanglos geht das Martinsfest an den Issumern aber nicht vorbei. Im Krütpasch-Kindergarten, den Lias und Fiona besuchen, wurden nicht nur Laternen gebastelt, sondern auch die Martinsgeschichte erzählt. „Kinder brauchen Vorbilder“, sagt Kindergarten-Leiterin Anneke Meredig. Ihr persönlich sei die Strophe des Martinsliedes wichtig, in der sich St. Martin entscheidet, nicht länger Soldat zu sein, sondern armen Menschen zu helfen. Es dürfe aber nicht bei Geschichten bleiben. „Es braucht die Erwachsenen, die es vorleben und zeigen, immer wieder“, sagt Meredig. Das ist in diesem Jahr vielleicht aktueller denn je.

(bimo)