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Issum: Wegekreuz im Hochwald mit geschichtlicher Bedeutung

Historisches Vermächtnis einer Issumer Familie : Wegekreuz im Hochwald als Mahnmal

Wer sich gegen das Regime der Nazis auflehnte, dem sind Unrecht und Gräueltaten widerfahren. Sybille Schratter erzählte ihre Familiengeschichte bei der Kreuz-Segnung. Das Kreuz in Issum steht für Zivilcourage.

„Mein Großvater hat bereits zur Zeit des Krieges gegen die Nazis gewettert“, berichtete Sybille Schratter, geborene Hermanns, über die Zivilcourage ihres mutigen Großvaters. „Er hat die Taten des Regimes immer für Unrecht gehalten.“ Als Reaktion auf seine rebellische Stimme gegen den Nationalsozialismus sollen Anhänger des NS-Regimes den Hof ihres Großvaters angesteckt und in Brand gesetzt haben, berichtete die Issumerin vor dem neu errichteten Wegkreuz am Hochwald. Bei einem Fluchtversuch in die Niederlande, gemeinsam mit den Kindern, die nicht im Kriegsgeschehen involviert waren, wurde ihr Großvater damals verraten und von Nazis festgenommen und in ein Konzentrationslager gebracht. Auch auf ihren Vater Andreas Hermanns (1915 - 1989) und seine insgesamt acht Geschwister färbte sich das antifaschistische Gedankengut ab. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges war ihr Vater jedoch im Kriegsgeschehen eingebunden und kam gegen Ende zunächst in russische und später in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Als er nach Kriegsende freigelassen wurde und den Weg zum Hofe seiner Familie in Broichhoven, einem Ortsteil der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg, aufsuchte, lag sein Zuhause in Schutt und Asche.

Vier Geschwister, zwei Schwestern und zwei Brüder, seien in den Kriegsjahren in Konzentrationslagern untergebracht worden: „Die Mädchen waren im KZ Ravensbrück und die Brüder im KZ Buchenwald“, berichtete Sybille Schratter. Zwei weitere Brüder sind im Krieg gefallen. Nur drei, darunter Sybilles Vater Andreas, der insgesamt neun Geschwister haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. „Nicht nur jüdische Mitmenschen haben unter den Gräueltaten der Nazis gelitten, auch einige Deutsche“, zeigte Sybille Schratter am Beispiel ihrer Familiengeschichte auf. Da es keine Gräber gibt, die an den Mut der Familie Hermanns und die Schreckensherrschaft der Nazis erinnern, wurde das in die Jahre gekommene Weg- und Gedenkkreuz am Issumer Hochwald neu errichtet und durch Diakon Helmut van den Berg eingeweiht. Auch am Ort des Geschehens in Broichhoven steht noch heute ein Holzkreuz zur Erinnerung. „Meine Mutter Mechthild ist leider diesen März verstorben“, bedauerte Schratter. „Sie hätte sich sehr gefreut, dass das Kreuz hier in Issum nun neu errichtet und eingeweiht wurde.“ Mechthild Hermanns ist im Alter von 96 Jahren am 5. März verstorben. Im Jahr 1960 ist sie gemeinsam mit ihrem Mann nach Issum gezogen, wo sie ihre neue Heimat fanden.

Unweit von ihrem neuen Wohnsitz wurde im gleichen Jahr das Wegkreuz am Hochwald errichtet, dass über die vergangenen Jahrzehnte mehrmals restauriert wurde, berichtete Bernhard Greitemeier vom Issumer Heimat- und Verkehrsverein. Er hat gemeinsam mit Helene Oestrich, geborene Hermanns, und der Familie Schratter die umfassende Restauration auf den Weg gebracht.