Issum: Issum war Treffpunkt für Mühlen-Aktive

Issum : Issum war Treffpunkt für Mühlen-Aktive

Die Herrlichkeitsmühle im Altbierdorf feiert in diesem Jahr am Pfingstmontag ihr 250-jähriges Bestehen.

In Issum fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Mühlenbesitzer und Mühlenfreunde statt. Der Rheinische Mühlenverband wurde 1993 in der Donsbrügger Mühle gegründet und setzt sich seither für den Erhalt und die Erforschung der Wind- und Wassermühlen in der Region ein. Bislang hatte der Verband seinen Sitz in Kleve. Jetzt wurde er formell nach Wegberg verlegt. Darauf einigten sich die Mühlenbesitzer und Mühlenfreunde bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Issum. Wegberg im Kreis Heinsberg trägt seit einem Jahr offiziell den Beinamen "Mühlenstadt" und erinnert damit an seine ehemals 44 Wassermühlen, von denen auch heute noch viele existieren. Ferner wohnen Reinhold Pillich, Vorsitzender des Rheinischen Mühlenverbandes, und Geschäftsführer Lothar Esser in Wegberg.

Freddy Voortmann, Vorsitzender vom Förderverein der Herrlichkeitsmühle, hatte den Verband nach Issum eingeladen, weil die schmucke Achtkantmühle ihr 250-jähriges Bestehen feiert. Auch der Rheinische Mühlenverband hat Grund zum Feiern: Zum 25-jährigen Bestehen will er am Samstag, 15. September, ein Fest in der Donsbrügger Mühle ausrichten. Derzeit hat der Verband 142 Mitglieder. Jüngster Neuzugang ist der Verein Pro Obere Mühle Meckenheim, der die 1972 stillgelegte Wassermühle aufwändig instandgesetzt hat.

Der Verbandsvorsitzende Reinhold Pillich bat alle Mitglieder, einen neuen Standort des verbandseigenen Mühlenarchivs vorzuschlagen. Weil die bislang genutzten Räume in Geldern nicht mehr zur Verfügung stehen, fehlt dem Verband ein 20 bis 30 Quadratmeter großer Raum, der "kostenneutral oder kostenschonend" als Archiv und Anlaufstelle genutzt werden kann. Der Verband wählte einstimmig Ralf Hewig aus Krefeld und Hartwig Hören von der Dülkener Narrenmühle zu neuen Regionalvertretern. Sie unterstützen die Regionalvertreter Hermann Baumeister (Oberhausen), Josef Jörissen (Bedburg-Hau) und Anne Meyer zu Düttingdorf (Ratingen), die im Block wiedergewählt wurden. Auch der stellvertretende Vorsitzende Theo Nilgen (Kaarst), Geschäftsführer Lothar Esser (Wegberg), dessen Stellvertreterin Änne Drießen (Nettetal) und Schatzmeister Rudolf Büschges (Viersen) wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Als Gastreferent stellte Ralf Kreiner die Arbeit des Rheinischen Mühlen-Dokumentationszentrums (RMDZ) mit Sitz in Duisburg vor, das die Mühlen in Nordrhein-Westfalen erforscht. Das geschah in den vergangenen drei Jahren insbesondere in der Kalkarer Mühle am Hanselaer Tor. Die Ergebnisse sollen im Mai als Buch veröffentlicht werden. Es enthält Grundrisszeichnungen von Rüdiger Hagen, die den Einrichtungsstand der Mühle um 1910 zeigen.

Dank intensiver Aktenforschung konnte Kreiner ein gern erzähltes Gerücht aus der Welt schaffen: Der Lederfabrikant Francois Frederic Guerin, der die Kalkarer Mühle im Jahr 1770 erbauen ließ, floh nicht um 1800 wegen französischer Steuerschulden vor dem heranrückenden französischen Heer aus Kalkar, wie man sich immer wieder erzählt. Vielmehr verließ er Kalkar schon 1787 oder 1788 samt Frau und Kind, weil er Geschäftsschulden in Frankfurt am Main hatte. "Da haben viele Autoren immer wieder falsch voneinander abgeschrieben", betonte der Referent. Die nächste Mitgliederversammlung des Rheinischen Mühlenverbandes findet am Samstag, 2. März 2019, statt. Als Ausrichter hat sich die Reeser Scholten-Mühle beworben.

(RP)