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Issum und Sevelen präsentieren voll Stolz ihre historischen Mühlen

Bundesweiter Mühlentag in Issum : Issum und Sevelen präsentieren voll Stolz ihre historischen Mühlen

Zu besonderen Aktionen luden die Herrlichkeitsmühle Issum und die Dahlen-Mühle Sevelen ein. Der bundesweite Mühlentag ging gestern in die 25. Auflage. Künstler Wilhelm Bollwerk zeigte seine Werke.

Feste werden gefeiert, wie sie fallen. In diesem Fall in Issum und Sevelen mit zusammengerechnet 400 Jahren Mühlentradition. 250 stolze Jahre dreht sich die Herrlichkeitsmühle mit dem Wind, der aus ganz unterschiedlichen Richtungen kam. 150 Jahre feiert die Dahlen-Mühle, die im Winter 1868 den Betrieb aufnahm. Die Mühlen nur als ein schnödes Baudenkmal zu bezeichnen, wäre verkehrt. Sie sind Wirtschafts- und Heimatgeschichte, gehören in die niederrheinische Landschaft, so der Tenor an beiden Orten. Issum und Sevelen ohne ihre Mühlen, das geht gar nicht. "Ein Traum", schwärmen Klaus Cox und Ernst Brinkmann vom Vorstand des Fördervereins Herrlichkeitsmühle. Zusammen mit anderen Mitgliedern haben sie jede Menge dafür getan, dass ihre Mühle heute in dem Glanz erstrahlt, der andere ins Staunen versetzt. "Wir haben das Wohnzimmer", sagt Cox.

 An der Dahlen-Mühle gab es auch eine Kunstausstellung.
An der Dahlen-Mühle gab es auch eine Kunstausstellung. Foto: Evers Gottfried

Ein Kompliment, das von fachlicher Seite über den Erhaltungszustand ausgesprochen wurde. Kleinigkeiten machen das Baudenkmal aus, "wie im Eingangsbereich die Narben im Mauerwerk, die von den Pferdefuhrwerken stammen, wenn sie durch diese Einfahrt kamen", so Brinkmann. Auf Inspektionsreise gingen die Besucher, um sich das Zauberwerk Turmwindmühle anzusehen und von alter Handwerksarbeit zu hören. "Unsere Gäste sind fasziniert von der Technik", sagt Cox. Schließlich zählt das Phänomen Mühle zu der ältesten von Naturkraft betriebenen Maschine. Die Turmwindmühle an sich beschäftigte später noch Leonardo da Vinci. Voll aufgesegelt und mit Wimpeln geschmückt, präsentierte sich die Herrlichkeitsmühle im sonnigen niederrheinischen Blau. An ihre Geschichte erinnerte Vereinsvorsitzender Heinz-Friedrich Voortmann. "Unser Baudenkmal sieht gar nicht nach 250 Jahren aus, sondern wirkt frisch und voller Tatendrang." Er zeichnete das Mühlenleben der Eigentümerfamilie Ziegenhorn bis in die 50er Jahre nach. Dann gab sie auf. Fledermäusen und Tauben diente dann die Mühle als Unterschlupf. 1997 sorgte die Gründung des Fördervereins für Aufbruchstimmung. An deren Ende stand 2005 "eine neue alte Attraktion", so Voortmann. Issums stellvertretende Bürgermeisterin Margret Keusen knüpfte an die Mühlengeschichte an. Dass die Mühle seit 1930 denkmalgeschützt ist, hinderte nicht daran, einen Abrissantrag zu stellen, der nicht genehmigt wurde. "Zum Glück für Issum", so Keusen. Die Gäste erlebten ein buntes Unterhaltungsprogramm. Mancher ließ sich das Mühlenmotiv auf die Wange malen.

Nur wenige Kilometer entfernt feierte die Turmwindmühle in Sevelen das 150-jährige Bestehen. Mühlenbesitzer Hans-Josef Dahlen geriet mit Gästen ins Schwärmen. "Mein Urgroßvater eröffnete sie im Winter 1868", erzählte er. Das Datum sorge häufig für Irritation. "Denn erst im Winter kam damals das Korn zu den Mühlen", so Dahlen. 300.000 Backsteine können Geschichten erzählen. "Ich erlebe Gäste, die mir von früher erzählen, so dass sich Geschichten zusammenfügen." Damals stand auf dem Gelände eine Scheune, in der der Leichenwagen untergebracht war. Die Mühle stellt zugleich örtliche Verbundenheit und Identität her. "Früher hatten wir drei Mühlen am Ort", so Dahlen.

Gestern schauten sich die Besucher die Mühle mit Stahlflügeln an, aber auch die darin befindliche Kunst. Dahlen sammelt Bilder der eigenen wie anderer Mühlen. Eine Wand hat er der Fotografie gewidmet, die die Mühle, ihre Zeit und Menschen dokumentiert. Der Bocholter Künstler Wilhelm Bollwerk präsentierte 30 Exponate gegenständlicher und abstrakter Malerei wie auch kunstvolle Drahtgeflechte.

(sabi)