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Issum: NRWs trockenster Ort kämpft gegen die Dürre

Trauriger Rekord für Issum : NRWs trockenster Ort kämpft gegen die Dürre

Das Altbierdorf Issum ist der trockenste Ort in NRW. Die Landwirte erwarten schlechte Ernten, fürs Viehfutter sieht es düster aus. Bürgermeister Brüx appelliert an die Bürger, Bäume am Straßenrand zu gießen.

Es gibt Titel, auf die ist man nicht besonders stolz. Issum ist trockenster Ort in NRW. Man versuche, das Beste aus der Situation zu machen, erklärt Bürgermeister Clemens Brüx.

Der Bauhof sei seit Mai damit beschäftigt, die frisch gepflanzten Bäume zu bewässern. Mit kleinem Trecker und Wassertank sind die Mitarbeiter des Bauhofs unterwegs. „Politik und Verwaltung haben die Problematik erkannt und versuchen, Bäume zu pflanzen, die nicht so viel Wasser brauchen“, sagt Brüx. Aber natürlich betreffe das nicht nur Issum, sondern auch alle anderen Kommunen. Rundum herrscht Hitze und anhaltende Trockenheit. An die Bürger richtet Brüx den Appell, Straßenbäume nicht zu vergessen und auch zu wässern.

Wie schlimm die Trockenheit die Landwirte belastet, wird man sehen, wenn die Ernte ansteht, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete und Issumerin Margret Voßeler-Deppe. Sie stammt selber aus der Landwirtschaft und beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Insgesamt ist es für die Natur eine Katastrophe.“

In der Region sind die Wassersprenger fast pausenlos im Einsatz. Foto: Latzel

Für Ortslandwirt Franz-Josef Diepers ist diese Katastrophe spürbar. „Wenn man in den Wald geht, kann man das erleben, der Boden knackt vor Trockenheit“, beschreibt es der Sevelener Ortslandwirt. Bäume würden krank, weil sie weniger widerstandsfähig sind. „Das hat noch ein Riesen-Nachspiel“, fürchtet er.

Natur und Landwirtschaft sind am Boden. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Er hat gerade seinen 57. Geburtstag gefeiert und hat ein Leben lang nichts anderes gemacht, als in der Landwirtschaft zu arbeiten. Und da sieht er besonders auch auf die Milchbauern schlechte Zeiten zukommen. „Viele Milchviehbetriebe bangen um ihr Futter.“ Der Futtermais verkümmert aktuell. Die vergangenen zwei Jahre sei es schon trocken gewesen, aber in diesem Jahr sei es extrem. Auch die Getreideernte verlaufe relativ schlecht. Wenn kein Wasser kommt, werden nur kleine Körner ausgebildet von schlechter Qualität. Angesichts der Situation spreche man davon, dass das Getreide „notreif“ wird. Die Beregnungsmaschinen der Bauern können den fehlenden Regen nicht ausgleichen. „Die Beregnung kostet sehr viel Geld und Zeit. So viel Kapazität ist gar nicht da“, erklärt Diepers.

Hubert Reyers, ebenfalls Landwirt und Herausgeber der Seite Niederrhein-Wetter, sieht keine Besserung in den nächsten Tagen in Sicht. Selbst wenn es ein Wärmegewitter mit Schauern geben sollte, würde das Wasser die Wurzeln nicht erreichen. „Der Boden braucht Tage bis Wochen, bis er wieder quillt“, erklärt der Landwirt aus Kellen.

„Da reicht kein Freitagsgewitter.“ Viel Wasser auf einmal wäre keine Hilfe für die Vegetation. „Die Landwirte wollen die Gießkanne“, also längeren, beständigen Landregen. Der ist aber nicht in Sicht. Neben der langen Sonneneinstrahlung, das Frühjahr 2020 war das sonnenreichste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung, so der Deutsche Wetterdienst, habe der Wind sein Übriges getan, um den Boden auszutrocknen. „Der Wind ist wie Föhn bei 25 Grad und holt aus der Natur das Letzte raus.“

Eine positive Nachricht hat Reyers dann doch noch für die Issumer. Seiner Ansicht nach ist es reiner Zufall, dass der Ort in diesem Jahr als trockenster dasteht. „Das kann im nächsten Jahr woanders sein.“ Die vergangenen Regenereignisse in der Region haben gezeigt, dass es tatsächlich nicht berechenbar sei, wo die Schauerstraßen ziehen und es am Ende regnet.

Und nein, der Oermter Berg habe keinen Einfluss darauf, dass Sevelen vielleicht von möglichen Regenfronten abgeschirmt werde. „Wir sprechen hier nicht von den Alpen“, stellt Reyers klar. Nach dem dritten Jahr Trockenheit am Niederrhein in Folge spricht er von einem „Klimawandel im Galopp“ und hofft wie alle Landwirte und Gartenbesitzer nur auf eines: Regen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dürre, Gewitter, Hitze - Wetterextreme in NRW 2020