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Issum: Keine Tattoos von Klaus Davis-Packroß wegen Corona

Issumer Geschäftswelt : Tätowierer ausgebremst wegen Corona

Klaus Davis-Packroß von KD Tattoo in Issum darf aktuell nicht arbeiten. So will es die Landesregierung wegen Corona. Dabei sind die Hygienevorschriften in dem Beruf ohnehin streng.

Der Friseur hat auf, Sie müssen Ihr Tattoo-Geschäft geschlossen halten wegen Corona. Ärgerlich?

Klaus Davis-Packroß Sicherlich. Es versteht kein Mensch. Wir können als Tätowierer die Hygienevorschriften noch besser einhalten als jeder andere. Wir arbeiten mit sterilem Material, desinfizieren Geräte und Haut. Schon vor Corona habe ich Aufträge nur nach Terminvereinbarung angenommen. Mehr als eine Person hat sich nicht in meinem Geschäft aufgehalten. Begleitpersonen mussten im separaten Wartebereich Platz nehmen. Wir haben schon immer auf extreme Hygiene geachtet. Für uns hat sich nichts geändert, außer, dass wir nicht mehr arbeiten dürfen. Wenigstens darf ich seit Kurzem wieder Gutscheine verkaufen und Beratungsgespräche führen.

Wie viel weniger Kunden haben Sie durch Corona in diesem Jahr?

Klaus Das ist einfach zu rechnen, ich habe bisher sechs Monate zu, also mindestens die Hälfte an Kunden und Aufträgen fehlt mir.

Gibt es in Ihrer Branche so etwas wie ein Weihnachtsgeschäft, trifft Sie die aktuelle Schließung noch einmal besonders hart?

Klaus Ja, tatsächlich nehmen viele ihr Weihnachtsgeld, um sich dann davon ein lang ersehntes Tattoo stechen zu lassen. Zu 70 Prozent mache ich Cover-ups, also bearbeitete misslungene oder nicht mehr gewollte Tattoos.

Gibt es Notfälle, die dringend zum Tätowierer wollen?

Klaus Für Außenstehende gibt es keine Notfälle. Aber für denjenigen, der mit seinem Tattoo nicht mehr klar kommt ist es wichtig, dass es so schnell wie möglich verändert wird. Meist sind mit solchen Tattoos böse Erinnerungen verbunden.

Greifen die Corona-Hilfen?

Klaus Die erste konnte ich Anfang April beantragen und das ging recht zügig. Da gab es einen Pauschalbetrag. Bei der aktuellen gibt es 75 Prozent des Umsatzes vom vergangenen Jahr. Wer da wenig verdient hat, bekommt noch weniger. Es gibt Tätowierer, die haben Familie, Kinder, ein Haus zu bezahlen, da sieht es richtig mies aus. Jeder von uns hat mal gute und mal schlechte Zeiten in dem Beruf erlebt, aber das ist momentan das härteste: nicht mehr arbeiten zu können.