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Issum: Issum feiert seine Herrlichkeitsmühle

Issum : Issum feiert seine Herrlichkeitsmühle

Seit 20 Jahren gibt es den Förderverein für das betagte Gebäude. Wenn man bedenkt, was alles gestemmt werden musste, um die Flügel in Bewegung zu halten, ist das eigentlich keine lange Zeit. Gestern wurde der Mühlentag begangen.

Den Übungsdurchlauf hat der Förderverein Herrlichkeitsmühle Issum mit Bravour gemeistert: Im kommenden Jahr wird die Mühle 250 Jahre alt, gestern wurde für die große Feier schon einmal geübt. Und in Issum gab es beim Mühlentag gestern noch etwas Besonderes zu feiern: Der Förderverein Herrlichkeitsmühle besteht in diesem Jahr seit 20 Jahren.

1768 wurde die Mühle erbaut und gehörte damals noch zum Besitz des herrschenden Grafen, der "Herrlichkeit" genannt wurde, wodurch auch die Mühle diesen Namen bekam. Seit 1997 gibt es den Förderverein, der ganze Arbeit geleistet hat. "Unser Ziel war es, die Mühle wiederherzurichten. Dafür mussten der Kopf und die Antriebswelle sowie die Verschindelung erneuert werden", berichtet Herbert Feykes, 2. Vorsitzender des Vereins. "Dafür erhielten wir 250.000 Euro vom Land NRW. Den Rest der rund 300.000 bis 350.000 Euro der Renovierungskosten bekamen wir durch Sponsoren wie unsere Gemeinde, der Kreis, die Banken und einige private Sponsoren zusammen."

Und die Arbeit und Zeit der rund 250 ehrenamtlichen Mitglieder des Fördervereins hat sich gelohnt: Die Mühle ist wieder voll funktionsfähig, was sie zu etwas ganz Besonderem macht. "Es gibt am ganzen Niederrhein circa 250 Mühlen. Nur etwa 20 von denen sind dabei noch in der Lage, Mehl zu mahlen", so Feykes.

Aber auch nach Abschluss der Bauarbeiten gibt es für die Mitglieder des Vereins immer viel zu tun: Jedes Jahr stehen viele Aktionen an. So ist die Mühle Teil des Hubertusmarktes im Oktober und des Weihnachtsmarktes im Dezember. Am 2. Oktober findet ein kultureller Abend mit musikalischem Highlight, Autorenlesungen oder Comedy-Einlagen statt. Außerdem hat die Mühle jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Dann sind auch Führungen möglich, nach vorheriger Anmeldung auch unter der Woche. Und die Mühle ist ein Besuchermagnet: "Wir freuen uns sehr, dass so viele Interessierte kommen, um die Mühle zu besichtigen. Es kommen Besucher aus dem Ruhrgebiet, aus Wesel, Emmerich und Venlo", freut sich der 68-Jährige. Neben einer Besichtigung kann vor Ort zudem vollwertiges Dinkel- oder Weizenmehl gekauft werden. Neu im Programm sind standesamtliche Trauungen, die in der Mühle abgehalten werden können. Im letzten Jahr fanden bereits zwei Trauungen statt, in diesem Jahr haben sich schon drei Paare angemeldet.

Dabei sind die Vereinsmitglieder alle ehrenamtlich tätig. So auch gestern, als sie am Mühlentag ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm für Jung und Alt auf die Beine stellten. Kinder konnten sich beim Schminken in einen wilden Löwen verwandeln und beim Bobby-Car-Rennen gegeneinander antreten. Zudem konnten die schmalen Treppen zur Spitze der Mühle erklommen und die schöne Aussicht genossen werden.

Das ist allerdings nichts für Menschen mit Höhenangst. Und auch die Flügel der Mühle, die zur Feier des Tages mit den Segeln ausgestattet worden war, kamen zum Einsatz, und die Besucher konnten live miterleben, wie Korn gemahlen wurde. "Das Wetter ist heute perfekt. Wir rechnen mit 600 bis 700 Besuchern. Da es auch windig ist, können wir die Mühle in Betrieb nehmen. Viele Issumer sind traurig, dass die Mühle nicht öfter läuft, aber dafür brauchen wir neben Wind auch immer drei bis vier Leute, und das ist nur selten möglich", so Feykes.

So konnte der Förderverein sich über einen gelungenen Mühlentag freuen, der Neugier auf das große Jubiläum im kommenden Jahr geweckt hat.

(julat)