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Issum: Ehrenamtliche Mitarbeiter für Museum His-Törchen gesucht

Kultur über die Grenzen des Altbierdorfs hinaus : Issums kleines Museum sucht Anpacker

Kunst, Geschichte und Kurioses: Im His-Törchen gab es schon einiges zu sehen. Im April steht die 111. Ausstellung an. Möglich machen das die Ehrenamtlichen mit ihrer Arbeit.

Das Schild wird an den richtigen Platz gerückt und dann kann es losgehen: Das kleine Issumer Museum ist bereit für Besucher. Wenn sich denn jemand findet, der die Aufsicht übernimmt. Und überhaupt, wer besorgt denn die nächsten Künstler für die Ausstellung und wer kümmert sich um die Plakatgestaltung und -verteilung? Was still und heimlich im Hintergrund läuft, machen die Ehrenamtlichen jetzt öffentlich. Denn sie brauchen Unterstützung. Dringend stehe ein Generationswechsel an, sagt Brigitte Viefers vom Arbeitskreis His-Törchen, der sich um das kleine Heimatmuseum kümmert.

„Als wir 1993 anfingen, waren wir alle im besten Alter. Aber jetzt bin ich alt“, sagt sie lachend. Wie ihr geht es ganz vielen vom Arbeitskreis. Von den 20 Mitgliedern sind noch zwölf aktiv, die anderen können aus Altersgründen nicht mehr so wie früher mitanpacken. Das älteste Mitglied feiert im April seinen 87. Geburtstag, das nächste Mitglied ist ein Jahr jünger, wenn man in die Geburtstagsliste schaut.

Gesucht werden Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Zum Beispiel braucht es Leute, die einfach zwei Stunden stillsitzen können und Aufsicht führen, wenn das Museum geöffnet ist. Gefragt sind aber auch neue, frische Ideen. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, verspricht Brigitte Viefers. Sie schaut auf eine andere Liste. Für April ist die 111. Ausstellung geplant. „Es gibt nichts, was wir noch nicht hatten“, sagt sie beim Blick auf die eng gedruckten Spalten, in denen die bisherigen Ausstellungen beschrieben sind. Da war zum Beispiel „Da guckste! 700 Jahre Brille“ im Jahr 2007 oder „Es hat gefunkt – 90 Jahre Radio“ im Jahr 2013. „Historie bewahren, erfahren und erforschen“, nennt Gerhard Hermsen seine Intention, warum er Teil des Arbeitskreises ist. Vereinsjubiläen, wie die Feier zu 600 Jahren St.-Nicolai-Bruderschaft Issum, sind auch immer wieder Anlässe tief in die Geschichte abzutauchen, Material zu sichten und für die Besucher aufzubereiten. Und Kunst. Ganz viel Kunst. Als Dauerausstellung gibt es im His-Törchen Werke der Bildhauerin Gwendolyn Blume und andere Exponate des Töpferhandwerks.

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Bei der Ausstellung, die im April startet, werden die Künstlerinnen Bettina Hachmann und Monika Bänsch ihre Werke präsentieren. Im Rathauspark, der das Museum umschmeichelt, ist eine Skulptur von Monika Bänsch als fester Bestandteil integriert.

Gerhard Hermsen schaut sich um, steht vor dem Museum und lässt den Blick schweifen. „Das Ambiente stimmt einfach“, sagt er. Die Adresse des Museums ist Herrlichkeit 7 bis 9, wie auch der ganzen Anlage der ehemaligen Wasserburg. Es ist einfach schön vom Museum in die Parkanlage zu gehen oder umgekehrt. Früher hat in den Räumen, bevor es ein Museum wurde, der Hausmeister gewohnt, ganz früher war es der Wächterraum. „Mein Herz hängt schon dran“, sagt Brigitte Viefers mit Blick auf das kulturelle Schmuckstück im Herzen von Issum. Aber es sei Zeit, die Verantwortung in jüngere Hände zu geben. Mit Rat und Tat möchte man den Neuen zur Seite stehen, Raum geben für Ideen.

Das His-Törchen habe sich längst etabliert, sind sich alle einig. Es gibt Anfragen von Sammlern, die Räume zu nutzen. Einmal hatte sich das Deutsche Museum Bonn gemeldet, nachdem das Fernsehen von einer Ausstellung über Parkuhren im His-Törchen berichtet hatte, erklärt Issums Tourismusbeauftragte Vera Nabbefeld stolz. Die Fahrradrouten tun ihr übriges, dass immer wieder Gäste nach Issum geführt werden und einen Abstecher beim Museum machen, erklärt Gerhard Hermsen.

Im vergangenen Jahr hatte Künstlerin Margrit Reiner eine Ausstellung unter dem Titel „Wertsachen“ im His-Törchen. Herzstück war ein großer Schrank, in den Schüler Sehnsuchtsorte basteln konnten. Die steckten dann hinter verschiedenen Türen und Schubladen. Das His-Törchen sei einer dieser Sehnsuchtsorte für sie, hatte die Künstlerin den Ehrenamtlichen mit auf den Weg gegeben. Die erzählen das gerne weiter und sind gerührt. Die Arbeit im His-Törchen muss weitergehen, ohne Zweifel. Es müssen sich nur ein paar Leute neu anstecken lassen und mitmachen.