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Issum: Bürgermeister Clemens Brüx über Projekte in der zweiten Amtszeit

Ausblick auf die Kommunalpolitik in Corona-Zeiten : Issum: „Dörflicher Charakter muss bleiben“

Der Issumer Bürgermeister meint, dass auch angesichts der Corona-Epidemie maßvoll investiert werden müsse. Erweiterungen der Grundschulen stehen jetzt an. Sorgen bereite vielen Bürgern das zu schnelle Fahren in den Ortschaften.

Die zweite Amtszeit als Bürgermeister steht an. Fühlen Sie sich gut gerüstet?

Clemens Brüx Ich bin dem lieben Gott dankbar, dass ich gesund bin, eine tolle Familie und einen guten Mitarbeiterstamm in der Verwaltung habe. Außerdem glaube ich, dass ich einen ganz guten Draht zu den Politikern in unserer Gemeinde habe. Letztlich darf ich mich angesichts eines Wahlergebnisses von fast 90 Prozent als gut gerüstet ansehen.

Was haben Sie in den vergangenen fünf Jahren geschafft und was nicht?

Brüx Das Besondere ist vielleicht, dass ich in der Flüchtlingskrise gestartet bin und in meine zweite Amtszeit gehe mit der Corona-Krise. Geschafft haben wir bisher eine ganze Menge. Ich denke dabei zum Beispiel an die Digitalisierung beider Grundschulen. Wir haben mit der Fertigstellung des Kirchplatzes in Sevelen fast eine zeitliche Punktlandung im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes Issum 2020 geschafft und konnten mit den Feierabendmärkten den neuen Platz An de Pomp in Issum etablieren. Wir haben zwei flammneue Kunstrasenplätze und die Turnhalle am Vogt-von-Belle-Platz 2016/17 saniert. In der Verwaltung haben wir 2016 damit begonnen, Strukturen neu aufzustellen, einen neuen Fachbereich geschaffen und ein zentrales Gebäudemanagement eingeführt, um nur einige Punkte zu nennen.

Gibt es etwas, über dass Sie anders denken als noch vor fünf Jahren?

Brüx Nein. Es ist sicher nicht alles gut, aber wir klagen insgesamt auch in Issum auf einem sehr hohen Niveau. Wir haben eine ordentliche Grundversorgung und Infrastruktur. Ja, selbst die Parkmöglichkeiten in Issum sind so rar nicht, wie manche meinen. Da gehen Sie mal in die Städte. Und wo etwas klemmt, da gehen wir ran, wobei nicht immer alle Wünsche erfüllt werden können. Ich finde, ein bisschen mehr Bescheidenheit tut manchmal Not.

Was sind denn die Themen, die in den Bürgersprechstunden immer wieder hochkochen?

Brüx Immer wieder geht es in den Bürgermeister-Sprechstunden um zu schnelles Fahren im Ort.

Welche Maßnahmen ergreift die Gemeinde gegen das zu schnelle Fahren in den Ortschaften?

Brüx Generell ist die Überwachung des fahrenden Verkehrs Sache des Kreises. Das Aufstellen von Smiley-Anlagen, die auf ein zu schnelles Fahren aufmerksam machen, haben wir selbst in der Hand. Wir haben deswegen eine zweite Anlage angeschafft. Ich würde gerne einen Blitzer kaufen, das würde sich sehr lohnen, den sieben Tage die Woche, 24 Stunden, aufzustellen. Aber das darf ich als Bürgermeister, beziehungsweise als kreisangehörige Gemeinde nicht.

Wie sieht es mit dem Glasfaser und schnellem Internet in Issum aus? Aktuell läuft der Ausbau im Außengebiet.

Brüx Ich bin froh, mich persönlich als Bürgermeister dafür eingesetzt zu haben, damit wir den privaten Ausbau hinkriegen. Das war richtig, dass hat spätestens Corona bewiesen, als viele zum Beispiel im Homeoffice waren. Es war auch eine gute Entscheidung, den geförderten Ausbau im Außenbereich im gesamten Kreis Kleve anzugehen. Anfang nächsten Jahres sollte Issum da durch sein.

Wie sieht es mit freiem Wlan in Issum aus?

Brüx Der Platz An der Pomp hat es mittlerweile dank der Unterstützung einer privaten Gruppe, die das vorangetrieben hat. Geplant ist das als Nächstes für den Kirchplatz in Sevelen.

Wie sieht es mit dem Erhalt der Diebels-Brauerei am Standort Issum aus?

Brüx Ich habe nach wie vor Kontakt zu einigen Mitarbeitern der Brauerei, die seit mehr als 30 Jahren dort tätig sind und auch auf Entscheidungsposten sitzen. Allerdings wird die Brauerei nach der Übernahme durch AB Inbev von Bremen aus gesteuert. Da geht nichts über den Bürgermeister, wenn es um Entscheidungen geht. Wegen des Standorts werden immer noch Gewerbesteuern gezahlt, aber es ist nicht mehr so viel wie früher.

Thema Geld: Bedeutet die Corona-Krise, dass die Gemeinde den Gürtel enger schnallen muss?

Brüx Bund und Land haben zugesichert, dass sie die Kommunen wegen der drohenden Gewerbesteuerausfälle unterstützen. Aber ich bin da immer sehr zurückhaltend, bevor das Geld nicht auf dem Konto ist. Das habe ich in der Flüchtlingskrise gesehen. Ich hoffe aber, dass wir, was die Gewerbesteuerausfälle angeht, mit einem blauen Auge davon kommen. Ich möchte die notwendigen Investitionen, die geplant sind, auch tätigen, und nicht auf die Bremse treten müssen. Aber letztendlich bleibt das der politischen Entscheidung vorbehalten.

Das bedeutet, Issum steht finanziell nicht so schlecht da?

Brüx Wir haben aktuell sieben Millionen Euro an Rücklagen. Coronabedingte Mehraufwendungen können wir getrennt vom üblichen Haushalt sehen. Ich bin aber nicht gewillt, die über den möglichen Zeitraum von 50 Jahren abzuschreiben und damit den nachfolgenden Generationen einen Schuldenberg aufzulegen.

Zum Thema Investitionen, wie sieht es mit einem geplanten Rathausneubau aus? Dafür standen bereits 50.000 Euro Planungskosten im aktuellen Haushalt.

Brüx Das Thema ist von einem hochmotivierten Politiker in die Presse getragen worden. Mindestens 15 Personen sind in angemieteten Räumen bei Diebels untergebracht, die würden wir gerne wieder zurück ins Rathaus holen. Und auch wenn Diebels nur 800 Meter entfernt ist, so behindert das doch Abläufe. Auch Homeofffice löst unser Problem nicht in Gänze. Aufgabe bleibt die Schaffung von Büroräumen im Rathaus, ob ein Neubau die Lösung ist, sehe ich (noch) nicht.

Was werden in den kommenden fünf Jahren die größten Investitionen sein?

Brüx Eine große Investition ist sicherlich das neue Feuerwehrgeräte-Haus in Sevelen für 3,5 Millionen Euro. Des Weiteren die Digitalisierung der Verwaltung, sowie Instandhaltungsmaßnahmen beim Rat- und Bürgerhaus. Außerdem steht ein Ausbau an beiden Grundschulen an. Beide Schulen wünschen sich zum Beispiel eine Mensa, was durchaus nachvollziehbar ist. Am Herzen liegen mir die Radwege und der barrierefreie Ausbau von Wegen. Aber das ist ein Thema, was alle Kommunen dauerhaft vor sich haben. Wenn man mehr Fahrradfahrer haben möchte, um was für den Klimaschutz und die Sicherheit zu tun, dann muss man da ran. Der Ersatzbau für die alte Turnhalle am Burgweg in Sevelen, so wir denn die Finanzmittel dafür haben, wird auch nochmal richtig Geld kosten.

Wie sieht es mit dem Bau des neuen Kindergartens an der Waldstraße aus und hat Issum damit genug Kindergartenplätze?

Brüx Ein Neubau ist definitiv dringend notwendig. Baurecht besteht bald, dann liegt es am Investor und dem Träger mit dem Bau zu beginnen. Für ausreichend Plätze ist in erster Linie der Kreis verantwortlich.

Wie sieht es mit den Grundschulen aus? Kann Issum auf Dauer zwei Grundschulen halten?

Brüx Beide Grundschulen klagen mittlerweile über fehlende Klassenräume. Mit der Einführung des verlässlichen Halbtags wird es zusätzlich mehr Raumbedarf geben. Bei den vorliegenden Zahlen ist überhaupt nicht erkennbar, dass wir mittelfristig auf eine Grundschule verzichten könnten.

Wie steht es mit dem Projekt Ärzte-Haus, das auf dem Gelände des ehemaligen Cap-Marktes in Sevelen entstehen sollte?

Brüx Das ist noch ein Sorgenkind. Es ist schwierig, Investoren zu finden. Aber wir sind in Gesprächen und hoffen, spätestens nächsten Monat berichten zu können.

Was ist mit neuen Baugebieten in Issum und der Anwendung des Baulandmanangements?

Brüx Mit dem Baulandmanagement sind wir seit einem Jahr dran. Ein mögliches Gebiet dafür ist hinter dem Antonius-Haus in Sevelen. Da befinden wir uns momentan in den Vorplanungen. Den Baubedarf bis 2030 wird Issum, auch was den sozialen Wohnungsbau angeht, laut dem Kreis Kleve decken. Platz haben wir so gut wie nicht mehr. Aber es gibt noch die Thematik, Baulücken zu schließen. Aber: wachsen um jeden Preis müssen wir auch nicht. Der dörfliche Charakter muss auch erhalten bleiben.

Was machen Sie eigentlich mit den restlichen zehn Prozent, die Sie nicht wiedergewählt haben?

Brüx Ich gucke nicht auf die zehn, sondern die 90 Prozent. Mein Bestreben ist, eine möglichst große Bevölkerungszahl zufrieden zu stellen. Meine Erfahrung der vergangenen Jahre ist aber auch, dass man es nicht allen Menschen Recht machen kann.

Es gibt einen neuen Rat mit nicht mehr drei, sondern fünf Fraktionen. Was erwarten Sie?

Brüx Ich denke, die zukünftige Arbeit wird interessant bleiben und vielschichtiger werden. Das macht aber nichts, wenn alle sachlich bleiben und das Beste für die Gemeinde wollen, dann haben alle gewonnen.

(bimo)