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Interview zu Ethik in der Wirtschaft mit Nicolai Müller und Olding

Was Ethik in der Wirtschaft schafft : Die zwei großen G: Geld oder Gott?

Zuversicht, Orientierung und Besonnenheit, gehört das nur zum Glauben oder sind das auch Werte in der Wirtschaft? Nicolai Müller diskutiert mit Christian Olding darüber, wie beides zusammenkommen kann.

Der eine ist Pastor, der andere arbeitet als Familienunternehmer in der Finanzbranche. Trotzdem gibt es viele Themen, die sich überschneiden. Was liefert denn den meisten Gesprächsstoff?

Müller Das sind ganz viele Führungsthemen, für die ich mich schon seit vielen Jahren einsetze. Dazu gehört Mut und Vertrauen fördern, eine Fehlerkultur etablieren und ein gutes Konfliktmanagement. In Zeiten von Corona sind auch Besonnenheit, Zuversicht und Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Leider spielen diesen Themen in vielen Wirtschaftsbereichen noch immer eine untergeordnete Rolle.

Christian Olding Das sind für Christen keine neuen Themen. Die stehen schon alle in der Bibel und haben auch ganz viel damit zu tun, wie Gott sich diese Welt vorstellt.

 Christian Olding ist Pastor in der großen katholischen Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Geldern.
Christian Olding ist Pastor in der großen katholischen Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Geldern. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Ein Beispiel?

Olding Arbeit war nie dazu bestimmt, den Menschen auszupressen. Sie gehörte aber immer schon zum Leben dazu. Heute wird oft von Work-Life-Balance geredet. Das ist Quatsch, denn natürlich gehört beides, Arbeiten und Ausruhen, zusammen. Der Mensch ist keine Strichcode-Ware, die einfach eingestellt wird. In der Arbeit sollen sich die Fähigkeiten und Talente, die Gott in einen Menschen gelegt hat, entfalten können.

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Wie sieht das in der Praxis aus?

Müller Zunächst einmal möchte ich die Aussage unterstreichen. Kurzfristiges Erfolgsdenken auf Kosten eines Menschen führt langfristig zum Burnout. Das erleben wir zunehmend. In einer Gesellschaft, in der die monetären Bedürfnisse oft gedeckt sind, wird eine sinngebende Arbeit immer wichtiger. Damit habe ich mich persönlich und in der Rolle als Unternehmer auseinanderzusetzen. Wie ich dabei das Arbeitsverhältnis gestalte, hat viel mit meinem Menschenbild zu tun. Dabei ist es die große Herausforderung in der Führung, jedem Menschen die Wertschätzung zukommen zu lassen, die er verdient hat.

Bringt einem das als Arbeitgeber was?

Müller In dem Moment, wo ich nur daran denke: rechnet sich die Maßnahme, gehe ich schon als Verlierer raus. Der Mitarbeiter als Mensch sollte mir wichtig sein. Ein Beispiel: ich möchte selbst einen guten Bürostuhl haben, damit ich keine Rückenschmerzen bekomme. Mir ist wichtig, das auch den anderen zu ermöglichen, ohne den Hintergedanken, dass ich sofort etwas zurückbekomme. Klar freue ich mich auch über ein „Danke“, das ist menschlich.

Zum Thema Persönlichkeitsentwicklung, warum wird das gerade so gehypt?

Müller Eine Welt, wie sie sich derzeit entwickelt, in der es vor allem um Maximierung und Gewinnstreben geht, führt bei vielen nicht zu mehr Glück. Im Gegenteil. Die Menschen suchen nach einem Ausweg. Hier setzt die Persönlichkeitsentwicklung an.

Olding Aus Theologensicht kann ich darüber nur Schmunzeln. Denn das ist eine biblische Weisheit: das Beste, das einem Menschen passieren kann, ist, seine von Gott gegebenen Talente zu erkennen und einzusetzen. Und da Arbeit mit acht bis zehn Stunden pro Tag einen wesentlichen Bestandteil unseres Lebens ausmacht, macht es mehr als Sinn diese Talente dort einzusetzen.

Welche Wiederbelebung gibt es aktuell noch?

Müller Klosterbesuche und Wüstenseminare erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, auch wenn dies

in der breiten Masse wohl noch keine Relevanz hat. Aber dazu gibt es zahlreiche Bücher, die sich auch mit dem langfristigen persönlichen Erfolg solcher Erfahrungen beschäftigen.

Olding Auch da haben wir es mit einer langen christlichen Tradition zu tun. Spiritualität, Klöster, das ist alles nichts Neues, sondern wird gerade eher wiederentdeckt. Corona ist ja auch so eine Wüstenzeit für viele. Plötzlich müssen die Menschen damit klar kommen auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, es gab lange Zeit keine Ablenkung mehr durch Sport, Shopping und andere Freizeitveranstaltungen. Schon die Wüstenväter prägten die Worte: „Deine Zelle wird dich deine Wahrheit lehren.“

Was bringt es mir und anderen denn, wenn ich gelernt habe, ob durch Corona oder ein Wüstenseminar, mit mir selber klarzukommen?

Müller Der erfolgreiche Unternehmer und Buchautor Bodo Janssen hat einmal formuliert „Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen“. Das kann ich nur unterstreichen.

Was kann für Unternehmen in der aktuellen Lage noch wichtig sein?

Müller In unsicheren Zeiten gibt es nicht immer die eine Lösung, es ist viel Kreativität gefragt. Werte wie Mut, Zuversicht und Besonnenheit sollten in den Vordergrund treten.

Woher kann man die nehmen?

Olding Auch da hat die Bibel die Lösung, das Gottvertrauen. Die Grundaussage lautet: keine Panik. 365 mal steht in der Bibel: „Fürchte dich nicht.“ Es geht dabei nicht darum, Leid oder Probleme herunterzuspielen, aber ein berechtigtes Grundvertrauen in einen Gott, der alles geschaffen hat, hilft, dadurch zukommen.