Interview mit Alfred Mersch zur Tafel in Straelen

Interview mit Alfred Mersch zur Tafel in Straelen : Die Tafeln stehen für Verlässlichkeit

Zehn Jahre nach der Gründung der Hilfsorganisation in Straelen zieht der Vorsitzende des Vereins Bilanz.

Die Gelderner Tafel hat vor zehn Jahren ihre Dependance in Straelen eröffnet. Die dritte Tafel-Einrichtung im Südkreis Kleve ist donnerstags von 15 bis 17 Uhr an der evangelischen Kirche an der Bahnstraße geöffnet. Im Gespräch mit unserer Redaktion zieht Alfred Mersch, Vorsitzender des Tafelvereins, Bilanz.

Hätten Sie bei der Gründung der Tafel in Straelen gedacht, dass sie zehn Jahre lang bestehen würde?

Alfred Mersch Die Erfahrungen, die wir vor zehn Jahren in Geldern und auch in Kevelaer gemacht haben, ließen keinen Zweifel daran, dass es auch in Straelen eine große Anzahl von bedürftigen Menschen gibt. Nachforschungen bestätigten unsere Annahme.

Was war damals die Motivation zur Gründung der Straelener Tafel?

Mersch Wir sind den Wünschen und Anfragen aus Straelen nachgekommen und haben eine Ausgabestelle im Pfarrsaal der evangelischen Kirche eingerichtet. Am 26. November haben wir zum ersten Mal wertvolle Lebens- und Pflegemittel an bedürftige Straelener ausgegeben.

Wie hat sich die Lage seit damals entwickelt?

Mersch Wie erwartet wurde von Beginn an das kostenlose Angebot von vielen Bürgern angenommen. Besonders während der Flüchtlingswelle ab Herbst 2015 kam das Tafelteam oft an seine Grenzen der Leistungsfähigkeit.

Wie viele Aktive hat die Straelener Tafel?

Mersch 21 Aktive sind für die Tafel in Straelen im Einsatz und engagieren sich, um mit viel Herzblut für die Tafelidee „Lebensmittel retten – Menschen helfen“ umzusetzen. Die Tafelbesucher können sich darauf verlassen, dass jede Woche ohne Unterbrechung die Tafel vor Ort ist. Verlässlichkeit ist ohne Einschränkung eine unserer Maximen.

Wie sieht es mit der Unterstützung Ihrer Initiative von außen aus?

Mersch Die Gelderner Tafel auch in Straelen erfährt von Beginn ihrer Tätigkeit an in unserer Region Anerkennung und große Unterstützung in der Bevölkerung – nicht zuletzt bei der Lebens- und Pflegemittelspendern. Wir sind den vielen Spendern und Sponsoren, die unseren Dienst für Bedürftige tatkräftig unterstützen, aufrichtig dankbar.

Das „Containern“, also das Entnehmen von Lebensmitteln aus Abfallbehältern, wurde kürzlich vor Gericht verhandelt. Wie sehen Sie dieses Thema?

Mersch Wir sehen das „Containern“ wegen der möglichen gesundheitlichen Gefährdung kritisch. Die Abfalltonnen und Container sind aus jahrelanger Kenntnis naturgemäß nicht die saubersten Gefäße, schon gar nicht, um Lebensmittel aufzubewahren, und für den Verzehr von Menschen geeignet. Die Lebensmittelhygiene ist nicht gewährleistet.

Wie lange wird es die Tafel in Straelen noch geben (müssen)?

Mersch Wir, die Tafeln in Deutschland würden es sehr begrüßen, wenn wir morgen alle Tafeln schließen könnten und alle von ihrem Einkommen menschenwürdig leben könnten. Danach sieht es derzeit nicht aus. Altersarmut ist weiter auf dem Vormarsch, insbesondere bei Frauen. 2,7 Millionen Kinder sind arm oder von Armut bedroht. Es besteht schon lange Handlungsbedarf bei den politisch Verantwortlichen.