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Geldern: Internet: Firmen klagen über Zwei-Klassen-Netz

Geldern : Internet: Firmen klagen über Zwei-Klassen-Netz

Geschäftsleute im Gewerbegebiet Weseler Straße schimpfen über viel zu langsames Internet. Sie profitieren nicht vom VDSL-Ausbau der Telekom. Gedanken an eine Abwanderung machen sich jetzt breit.

Unternehmen sind auf schnelles Internet angewiesen. Nicht nur IT-Unternehmen wie "Bananabyte", das an der Otto-Hahn-Straße ansässig ist. "Wenn wir einen Computer von einem Kunden reparieren und ein neues Betriebssystem aufspielen, müssen wir heute alle Updates aus dem Internet herunterladen", erzählt Geschäftsführer Tim Reuter. Und das dauert dann Stunden: "Wir müssen den Kunden einen ganzen Tag vertrösten." Das wäre anders, wenn er auf das kürzlich ausgebaute VDSL-Netz der Telekom zurückgreifen könnte - kann er aber nicht.

Die Telekom hat den VDSL-Netz-Ausbau in Geldern Ende Mai für abgeschlossen erklärt. Eine Karte illustriert online, wo welche Bandbreite verfügbar ist. Für das Gewerbegebiet zeigt sie ein ziemlich fleckiges Bild. Einige Bereiche bieten das schnelle VDSL 100, die anderen höchstens das wesentlich langsamere "DSL 16" oder noch schlechtere Werte. "Etwa 30 bis 35 Prozent der Firmen dort können VDSL bekommen", schätzt Reuter.

Wer nicht dazu gehört, hat Pech. So wie das Medienproduktionsunternehmen "Futureworx" an der Siemensstraße. Es bearbeitet Bild- und Tonmaterial für Fernsehsender. "Gerade wir arbeiten mit riesengroßen Datenmengen, die wir hin und her schicken müssen", erzählt Inhaber Michael Hübbeker. Das langsame Internet: "Für uns ist es eine Katastrophe", sagt er. "Hätte ich das vor drei Jahren gewusst, ich hätte nicht hier gebaut. Ich hätte mir einen anderen Standort gesucht."

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Er hat auf seinem Dach eine Funkantenne installieren lassen und kann Daten über einen anderen Anbieter verschicken - für viel Geld: "Im Moment haben wir 500 bis 700 Euro im Monat an Kosten. " Alternative: Er schickt einen Kurier mit einem Datenträger zu seinen Kunden.

Für betroffene Unternehmen besonders ärgerlich: Ob sie ganz schnelles oder ganz lahmes Netz haben, kann von hundert Metern Distanz mehr oder weniger abhängen. Auf einem Abschnitt der Max-Panck-Straße zum Beispiel gibt es VDSL, auf anderen Strecken nicht. Entscheidend ist, über welchen Verteilerkasten eine Immobilie versorgt wird - für die Betriebe eine Glückssache. Die Angaben der Telekom seien wohl eher als "Richtwerte" zu begreifen, meint Tim Reuter von Bananabyte - so exakt wie auf der online einzusehenden Karte seien die Grenzen tatsächlich nicht. "Manche Firmen haben auf einer Ecke gebaut. Da ist dann die Frage, von welcher Straße der Anschluss kommt."

Betroffene Geschäftsleute sind vor allem darüber frustriert, dass ausgerechnet im Gewerbegebiet eine lückenhafte Versorgung besteht. "Ist schon ärgerlich, dass in der Stadt jeder Privatmann bestens bedient wird, nur die Gewerbetreibenden spielen bei der Telekom keine Rolle", sagt Jan-Peter Hermkens, Inhaber der ortsansässigen gleichnamigen Bauunternehmung.

Tim Reuter spricht von einem "Zwei-Klassen-Netz": "Für ein Technologieunternehmen ist das ein gravierender Standortnachteil." Und Michael Hübbeker von "Futureworx" denkt über Konsequenzen nach. "Wenn das nicht weiter ausgebaut wird, ist das für unsere Firma ein K.O.-Kriterium.", sagte er. "Für uns ist schnelles Internet existenziell wichtig. Sonst kann ich nicht mithalten mit den Konkurrenten."

(RP)