Inklusion bei den Sternsingern in Geldern

Gott und die Welt: Zusammen sind wir Sternsinger

Das Thema für 2019 ist Inklusion. In Geldern klappt das seit Jahren völlig selbstverständlich. Im kommenden Jahr gehen erstmals Studierende des Berufskollegs der Liebfrauenschule als Begleiter mit.

Anne schlüpft in den roten Umhang. Celine Ittgenshorst hilft ihr dabei und stellt auch gleich die Krone auf die richtige Größe ein. So ausgerüstet, den Stab mit dem goldfarbenen Stern in der Hand, kann es eigentlich gleich schon losgehen als Sternsinger. Für Anne ist das nichts Neues. Die 16-Jährige ist schon mit dabei, solange sie denken kann. „Schon im Kinderwagen“, sagt ihre Mutter Ursula Tebartz-van Elst lachend.

Neu ist jedes Jahr das Motto der Sternsinger-Aktion. In diesem Jahr dreht sich alles um Inklusion. „Wir gehören zusammen“ lautet die Überschrift für die deutschlandweite Sternsinger-Aktion. Das findet Agnes Bissels vom Organisations-Team in St. Maria Magdalena gut. Sie denkt, das ist der richtige Zeitpunkt, um einmal „Danke“ zu sagen, weil das Miteinander in Geldern immer so selbstverständlich war. Sie spricht nie von Menschen mit Handicap, sondern: „Jeder hat was, was er gut kann und was er weniger gut kann.“ Für uns sind die Menschen einzigartig und wunderbar.“

Anna zum Beispiel hat das Down-Syndrom. Ob Down-Syndrom oder körperliche Einschränkungen, es habe immer genug Eltern gegeben, die mitgegangen sind, blickt Agnes Bissels zurück. Bei der Sternsinger-Aktion wurden alle mitgenommen. Manchmal macht eine Eins-zu-Eins-Betreuung Sinn. Das heißt aber auch, es müssen Erwachsene oder ältere Jugendliche gefunden werden, die mitgehen. Mitgehen, oft bei Eiseskälte oder Schnee.

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Bei der kommenden Sternsingeraktion gibt es sogar noch ein bisschen mehr Unterstützung. Weil in immer mehr Familien beide Elternteile erwerbstätig sind, ist selbst am Wochenende die Zeit knapp, nennt Agnes Bissels die gesellschaftliche Veränderung. Um neue Netzwerke zu knüpfen, wurde Studierenden des Berufskollegs der Liebfrauenschule das Projekt „Sternsinger“ vorgestellt. Spontan meldeten sich neun Studierende, die solche Gruppen begleiten möchten, die ein bisschen mehr Unterstützung brauchen. Andreas Mäteling, Bildungsgangleiter der Fachschule für Heilerziehungspflege, ist begeistert. Das passe genau in das Berufsbild seiner Studierenden. „Nicht für, sondern mit Menschen mit Behinderung soll gearbeitet werden“ lautet die Devise.

Celine Ittgenshorst, Katarzyna Chrzanowska und Laura Lion sind drei der neun Studierenden, die mitgehen. Beim gemeinsamen Gang durch die Gelderner Straßen als Sternsinger wird das Gelernte in die Praxis umgesetzt. Außerdem sei es eine konkrete Umsetzung der im Sommer unterzeichneten Kooperationsvereinbarung zwischen der Liebfrauenschule und der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena, erklärt Mäteling.

Passend ist auch, dass das Geld der Sternsingeraktion aus Geldern-Stadtmitte in das Kinderdorf Mbigili fließt. Dort wohnt auch Barack (Name geändert), ein Junge, dessen Hände verstümmelt sind. Agnes Bissels beschreibt ihn als einen sehr fröhlichen Jungen, einen brillanten Fußballspieler. Allerdings sei Tansania viele Jahrzehnte zurück, was das Thema Inklusion angehe. Das bedeutet, eine „normale“ Schulbildung wäre für Barack eigentlich nicht möglich gewesen. Und ohne Bildung keine Zukunft. Mit Hilfe eines Tablets (einen Stift halten ist nicht möglich) und der Unterstützung seiner Mitschüler kann er eine private Grundschule besuchen und so lernen wie jedes andere Kind auch. Wie es dort dank Zusammenhalt klappt, ist es auch bei den Sternsingern, wenn Kinder mitmachen, die ein bisschen mehr Unterstützung brauchen. „Zum Glück selbstverständlich“, sagt Agnes Bissels. Sie spricht von „Säulen der Gemeinde“, die mittragen, damit alle am Gemeindeleben teilhaben können. Und eigentlich wollte sie einfach mal „Danke“ sagen.

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