Geldern: Indische Fahrstunde mit Pater Secil

Geldern : Indische Fahrstunde mit Pater Secil

Der Seelsorger von St. Maria Magdalena hat erst vor kurzem seinen Führerschein gemacht. Nötig wurde das, damit er alle Ortschaften erreichen kann. Der Geistliche zieht den Vergleich zum indischen Straßenverkehr.

Einsteigen, anschnallen, los geht es. Ganz so einfach ist das Autofahren für Pater Secil noch nicht. Der Seelsorger von St. Maria Magdalena hat seinen Führerschein erst seit kurzem. Außerdem musste der gebürtige Inder feststellen: Auf Deutschlands Straßen ist alles ganz anders.

Während in seiner Heimat Indien Linksverkehr herrscht, fahren die Deutschen rechts. Zudem hat er schnell gemerkt, dass die Deutschen ein strenges Regelwerk haben und das auch durchsetzen. Noch erstaunlicher findet er, dass sich die meisten Menschen auch noch daran halten. "Wenn da ein Schild steht, dass man da nicht parken darf, dann parkt da auch keiner", fasst er seine Beobachtung zusammen. In Indien sei das anders. "Es gibt zwar die Polizei. Aber die kontrollieren nicht so gut wie hier." Und dann sind da noch die Tiere als regelmäßige Verkehrsteilnehmer in Indien. Als er darüber spricht, muss Pater Secil lächeln. Ja, Tiere auf der Straße gebe es häufig zu sehen. "Viele Leute haben Kühe und lassen die einfach laufen." Dass die auf der Straße schlafen, ist in Indien nichts Ungewöhnliches.

Bisher war er auf den Straßen seiner alten Heimat nur mit dem Motorrad unterwegs. Ein Auto können sich dort ohnehin nur die wenigsten Menschen leisten. Aber für Geldern, seine neue Heimat, bräuchte er dann doch eins. Die Kirchengemeinde erstreckt sich immerhin von Lüllingen bis nach Hartefeld.

In der Vergangenheit fuhr er die Strecken mit dem Fahrrad. Das sei auch eine gute Erfahrung, weil es eine eigene Fahrradstraße gibt, sagt der Geistliche. Anders als in Indien. Da teilen sich Fahrräder, Tiere, Autos, Motorräder und Lastwagen die Straße. "Nur vergangene Woche, da hatte ich kein Glück. Auf dem Weg nach Kapellen bin ich sehr nass geworden", sagt Pater Secil. Ab und zu darf er das Auto von Pfarrverwalter Rainer Hermes ausleihen. Mit der Bedingung, dass er sich an die deutschen Verkehrsregeln hält. In seiner indischen Heimatgemeinde will er nachfragen, ob es nicht möglich sei, über sein Taschengeld ein Auto zu finanzieren. Denn innerhalb der großen Gemeinde St. Maria Magdalena Geldern nimmt er alle Aufgaben eines Seelsorgers wahr. Das ist nach dem Weggang von Pfarrer Stefan Dördelmann und Pastor Paul Hagemann umso wichtiger. Vergangenen Sonntag hielt er seine erste Predigt auf Deutsch und bekam dafür Lob. Auch, wenn er sagt, dass sein Deutschunterricht noch lange nicht abgeschlossen ist.

Aber erst einmal zieht es Pater Secil für einen Monat in seine alte Heimat. Der Todestag seines Vaters steht an, und als Priester in der Familie will er die Messe halten. Zweiter Grund ist, dass es aktuell nur 25 Grad in Südindien sind. "Im Sommer ist es zu heiß, an die 40 Grad", sagt der 30-Jährige. Einen Monat hat er Zeit, Familie, Freunde und seine Heimatgemeinde zu besuchen. Auto fahren will er in seiner Heimat Indien auf keinen Fall. "Es kann immer alles passieren, einer kommt von rechts, der andere von links", sagt der Pater und gestikuliert wild mit den Armen. Da fühlt er sich auf den deutschen Straßen wesentlich sicherer.

(RP)