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In Straelen fand der erste Kulturbummel statt

Kultur in Straelen : Die Blumenstadt wird zur Klangstadt

In Straelen erlebte der Kulturbummel seine Premiere. Auf mehreren Bühnen deckten viele Akteure eine breite Palette ab. Nach und nach füllten sich die Straßen mit Zuschauern. Der Kulturring als Veranstalter ist zufrieden.

Geduldig sitzt das Mädchen auf einem Stuhl und lässt sich das Gesicht bemalen. Das verwandelt sich nach und nach in eine kalkweiße Maske. Sorgfältig ist Bodypainterin Corinna Lenzen bei der Arbeit. Die Menschen, die ihr im „Atelier“ am kleinen Markt zusehen, kommen zusätzlich in einen Musikgenuss: Vom Marktplatz her ertönt der mitreißende Boogie-Woogie von Pianist Jörg Hegemann.

Es war eine breite Palette von Kunstgenres, die am Sonntag von den Besuchern des ersten Straelener Kulturbummels genossen werden konnte. Allein 33 Musikgruppen waren auf den sechs „Bummelbühnen“ auf dem und rund um den Marktplatz bis hin zum Jugendzentrum „JuSt“ dabei. Hinzu kamen Teilnehmer, die Theater, Bildende Kunst und Literatur abdeckten.

 Auf dem Kirchplatz stand eine der Bühnen. Mehr als 30 Musikgruppen boten einen breiten Genremix.
Auf dem Kirchplatz stand eine der Bühnen. Mehr als 30 Musikgruppen boten einen breiten Genremix. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Eine Hauptsorge war Alexander Voigt, dem Vorsitzenden des veranstaltenden Kulturrings Straelen, früh genommen worden. Wegen der Wettervorhersage, die für Sonntag Starkregen und Gewitter prophezeit hatte, fürchtete er, der Kulturbummel könnte im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen. Doch angesichts des strahlenden Sonnenscheins am Sonntagmittag meinte er nur: „Alles gut.“

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Auch bei diesem Freiluft-Vergnügen waren die Sicherheitsregeln beim Kampf gegen Corona allgegenwärtig. Jeder Akteur musste sich akkreditieren lassen und dabei seinen Impfnachweis vorlegen. Der Zuschauerbereich vor jeder Bühne war mit einem Gitter abgesperrt, davor standen Desinfektionsgeräte und der Hinweis „Alles Plätze besetzt? Bitte zu einer anderen Fläche ausweichen.“

Beim Start um 12 Uhr war die Zuschauermenge noch spärlich, was sich jedoch bald ändern sollte. Immer voller wurde es, sowohl auf den Stühlen direkt vor der Bühne als auch an den Tischen der Gastronomiebetriebe. Viele nutzten die Gelegenheit, bei einem leckeren Mittagessen oder Eis oder auch nur einem kühlen Getränk den Darbietungen zu lauschen. Da war für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Der Männerchor „Waldeslust“ schmetterte auf dem Kirchplatz den Udo-Jürgens-Hit „Griechischer Wein“, die Musikvereine aus Broekhuysen und Straelen boten auf der gleichen Bühne Blasmusik. Jazz-Fans kamen ebenso auf ihre Kosten wie die Freunde von Rock, Blues, Soul, Folk und Pop.

Mitunter gab es ungewöhnliche Instrumentenkombinationen. Zum Beispiel bei der Gruppe „Xylo-Fun-Goch“. Die Familienband bot auf der Bühne des Parkplatzes Klosterstraße bei Kodi mit Xylophon, Banjo und Kontrabass swingende Stücke, die sofort gute Laune machten. „Wir spielen heut’ beim Kulturbummel in Straelen“, sangen sie. Und wie allen Teilnehmern merkte man die Freude darüber an, endlich mal wieder vor Publikum zu stehen.

Mancher Musiker war am Sonntag mehrmals im Einsatz. Wie Gitarrist Alfons Mays. Der Straelener gehörte mit der Jazz-Band „Kleinbahn“ um 12 Uhr zu einer der Startformationen. „Ich bin zufrieden, die Techniker waren klasse und sehr hilfsbereit.“ Nach einer Mittagspause wartete auf Mays um 16 Uhr ein weiteres Jazz-Konzert mit Andres C. Ruppel. Auch das Trio von „Xylo-Fun-Goch“ war in einer erweiterten Besetzung später auf einer anderen Bühne zu erleben.

Die Bildenden Künstler fanden ebenfalls ihr Publikum. „Das ist wirklich gut“, sagte Arnhild Koppel, die in ihrer Atelier-Galerie in der Mühlenstraße zugleich den Abschluss ihrer ersten Ausstellung feierte. Waltraud Meyer präsentierte ihre Bilder in einem kleinen Pavillon an der Kreuzrinne. „Die Stimmung ist super“, meinte sie. Sie freute sich schon am frühen Nachmittag über einige Bilderverkäufe. Das von Corinna Lenzen weiß bemalte Mädchen wurde gemeinsam mit ihrer ebenso verwandelten Schwester und einer Patentante zum beliebten Fotomotiv.

Positiv fiel Voigts Fazit am Montag aus: „Die Sorge und die schlaflosen Nächte waren unbegründet“, meinte er. Die Maßnahmen seien nicht nur akzeptiert, sondern sogar als vorbildlich gelobt worden. Es sei ein herrlicher Tag gewesen. „Ein Straelener sagte mir: ,Das Programm reicht für drei Wochenenden. Es gibt so viel zu sehen und zu hören’.“