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In Geldern zeigt eine Ausstellung Kunstwerke aus gebrauchtem Material.

Besondere Kreativität : Für Nachhaltigkeit und Nachbarschaft

Das leerstehende Ladenlokal an der Ecke Markt/Heilig-Geist-Gasse dient erneut als Ausstellungsraum. Es soll auf Dauer ein Treffpunkt für kreative und gesellige Gelderner werden. Es geht auch um die Identifikation mit der Innenstadt.

Vor vielen Jahren warb die Betonindustrie mit dem Slogan „Es kommt drauf an, was man draus macht“. Nun, aus Beton lässt sich zum Beispiel ein Herrenhut formen. Wer das nicht glaubt, sollte sich die neue Ausstellung im leerstehenden Ladenlokal Ecke Markt/Heilig-Geist-Gasse anschauen. „Mach was draus“ heißt sie und zeigt, was sich aus Resten durch „Upcycling“ alles an kreativen Sachen gestalten lässt.

Eine Veranstaltung im „Lieber unverpackt“-Laden hatte sich im März dieses Themas schon einmal angenommen. Die neue Ausstellung sei jedoch größer und zeige mit rund 150 Exponaten viel mehr, wie Maria Wieching, eine aus dem Organisationsteam, betont. 16 Aussteller haben aus alten Dingen schöne neue Sachen gemacht statt sie wegzuwerfen. „Upcycelt wird je nachdem, welche Technik man beherrscht.“

Unter anderem ist die Gruppe „FALC“ dabei, die seit fünf Jahren aus Paletten und altem Holz Gegenstände anfertigt und sie zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe verkauft. „Ich hole mir viele Anregungen aus Zeitschriften und dem Internet“, verrät Marlene Langanki, eine aus der Gruppe. In der Ausstellung sind eine Bank und ein Weinregal zu sehen, die mal Paletten waren. Schier grenzenlos ist der Ideenreichtum. Ein alte Jeans ist jetzt eine Tasche, alte Konservendosen mutieren zu Kerzenhaltern und Deko-Kronen, ein Buch ist eine Schachtel, Dia-Rahmen halten Visitenkarten.

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Zusammengefunden hat sich die Gruppe unter anderem in Werkkursen und auf der Ausstellung im März. Die Stücke, die jetzt präsentiert werden, sind alle handgefertigte Unikate. Doch noch ist nicht jedes Gewerk vertreten. „Uns fehlt zum Beispiel noch jemand, der Metall verarbeiten kann“, heißt es.

Doch vielleicht findet sich jener und finden sich auch andere Interessierte in diesem Ladenlokal noch ein. Nicht nur als Besucher der Ausstellung. Denn diese ist die erste Aktion der „Ideen- und Mitmachwerkstatt Innenstadt“ (IMI) in Geldern, die bis auf weiteres in diesen Räumen untergebracht ist. Es geht dabei vor allem darum, den Zusammenhalt und die Nachbarschaft im Zentrum der Stadt zu fördern.

„Es sind viele Menschen aus der Anonymität der Großstadt in die Kleinstadt Geldern gezogen und hier ebenso anonym geblieben“, weiß Gruppenmitglied Doris Keuck. Das soll durch diesen neuen Treffpunkt geändert werden. Tim van Hees-Clanzett, Geschäftsführer des Gelderner Gründerzentrums (GGZ) und bald städtischer Beigeordneter, ist nicht nur froh, dass der Leerstand durch diese Ausstellung behoben ist. Er hofft auch darauf, dass durch IMI ein anderes Problem gelöst wird. „Immer weniger Gelderner identifizieren sich mit der Innenstadt.“ Alle sind eingeladen, daran mit Engagement und Initiative etwas zu ändern. Kreative Fähigkeiten sind dafür nicht notwendig. „Es geht darum, dass die Menschen sich begegnen“, stellt Frauke Richter klar. „Es geht darum, Spaß mit anderen zu haben.“ Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig. Das kann ein Spieleabend sein, die Kunst des Origami, ein Lese- oder ein Schreibabend. „Das umsetzen, was man in sich hat“, nennt Frauke Richter als Motto.

Van Hees-Clanzett ist der Initiative dankbar, dass sie dieses Wagnis eingegangen ist. Und die Neugier der Gelderner ist auf jeden Fall schon mal geweckt. Durch die großen Glasscheiben war der Aufbau der Ausstellung gut zu beobachten. Und da, berichtet Marlene Langanki, „sind schon Leute gekommen und haben gefragt, was hier los sei“. Und sie fände es toll, würden sich manche in der IMI einfinden.