In Geldern wird ein Konzept für Radfahrer und Fußgänger erarbeitet.

Verkehrskonzept Geldern : Ostwall ist Problemzone für Radfahrer

Ein neues Konzept soll die Innenstadt für Radler und Fußgänger sicherer machen. Die Gelderner wünschen sich vor allem an den Wällen mehr Platz, Tempolimits und kürzere Wartezeiten. Es fehlen außerdem Fahrradständer.

Leuchtend rot treten der Ostwall und der Nordwall auf der Karte hervor – es sind die gefährlichsten Straßen in der Innenstadt. Dieses Urteil haben die Gelderner über mehrere Wochen abgegeben. Für ein neues Fußgänger- und Radwegekonzept konnten die Bürger ihre Wünsche, Ideen und Anregungen in einer Karte eintragen. Vergangene Woche haben die Planer von dem Büro „Planersocietät“ aus Dortmund die Ergebnisse vorgestellt und zusammen mit den Geldernern neue Ideen für den Rad- und Fußverkehr erarbeitet.

Die Untersuchung war zunächst auf die Innenstadt begrenzt. „Hier sind die meisten Fußgänger und Fahrradfahrer unterwegs“, sagte Johannes Pickert von dem Planungsbüro. 139 Ideen haben die Teilnehmer auf der Karte eingetragen, 525 Likes abgegeben, 61 Kommentare geschrieben. Bei dem Workshop waren aber nur etwa 20 Leute dabei, um an dem neuen Konzept mitzuarbeiten. „Schade, dass nicht so viele gekommen sind“, sagte Bürgermeister Sven Kaiser. Dabei sei das Interesse groß. „Vor allem bei der ,Fridays for Future’-Demo wurden wir häufig angesprochen, dass wir etwas machen müssen für den Radverkehr“, berichtete Kaiser. „Wir als Stadt sollten den Mut aufbringen und auch mal Neues ausprobieren.“

Johannes Pickert und Dennis Stocksmeier vom Planungsbüro zogen direkt Bilanz: „In Geldern machen Fahrradfahren und zu Fuß gehen grundsätzlich Spaß“, sagte Pickert. „Und das Fahrrad ist bereits ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätskultur.“ Oft kämen Radfahrer sogar schneller als Autofahrer von A nach B. Es gebe aber auch Verbesserungsbedarf: Problematisch seien zu enge oder gar fehlende Radwege wie am Ostwall, mangelnde Querungsmöglichkeiten, lange Rotzeiten am Nordwall und am Issumer Tor, gefährliche Zufahrten, zum Beispiel bei Medimax. Auch mehr Fahrradständer müsste es nach Ansicht der Planer in der Innenstadt geben. Den Fußgängern fehlten zudem Sitzmöglichkeiten auf häufig gelaufenen Wegen, wie vom Bahnhof in die Innenstadt.

Klar wurde in den Gesprächen schnell, dass sich die Gelderner zu Fuß und mit dem Fahrrad sicherer fühlen möchten. Breite Fahrradwege, klare Markierungen auf dem Boden, Tempolimits für Autofahrer und Zebrastreifen waren die Wünsche. Das Problem in Geldern: Nicht überall ist genug Platz für einen breiten Bürgersteig, einen angrenzenden Radweg und eine Fahrbahn, auf der zwei Autos aneinander vorbei passen. Darum diskutierten die Planer auch ganz neue Ideen mit den Bürgern. Zum Beispiel ein Netz aus Einbahnstraßen – so wäre auf den Fahrbahnen mehr Platz für Radfahrer.

Auch Fahrradstraßen seien an der Bahnhofstraße, auf dem Süd- und Westwall, am Mühlenweg und dem Haagschen Weg denkbar, so die Gutachter. Das heißt, auf diesen schmalen Straßen gibt es keinen eigenen Radweg, die Radler genießen aber besonderen Schutz und dürfen auch nebeneinander fahren. Zudem gab es den Vorschlag, die Issumer Straße auch tagsüber für Räder freizugeben. Um Wartezeiten an den Ampeln zu verkürzen, waren auch eigene Grünphasen für Fahrradfahrer im Gespräch.

Einig waren sich die Teilnehmer bei der Hartstraße. Dort wird es für Fahrradfahrer eng, sobald sich Autos und Busse durch die schmale Straße zwängen. „Wir wollen auf keinen Fall, dass der Radverkehr auf den Gehweg ausweicht“, sagte Pickert. Die einzige Lösung: Das Parken auf der Straße reduzieren, stattdessen Ladezonen einrichten und so Ausweichmöglichkeiten für Fahrradfahrer schaffen.

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