In Geldern stellten Wissenschaftler Projekte auf unterhaltsame Art vor.

Kultur : Science Slam punktet mit Fakten und Unterhaltung

„Ich finde es hochinteressant, dass hier Leute beim Science-Slam auf für Laien verständliche Weise Forschungen rüberbringen“, lobte Besucher Stephan Dreher. Der Kunstverein Gelderland organisierte die mit faszinierenden Fakten vollgepackte Show.

Was so ein Science Slam ist, wurde von Vereinsmitglied Michael Claßen erklärt: „Dies ist ein Wettstreit unter Wissenschaftlern, und am Ende kann es nur einen geben.“

Jeder hatte zehn Minuten Zeit, um ein Thema vorzustellen. Anschließend bewerteten Leute aus dem Publikum die Präsentation, indem sie Punkte von eins bis zehn vergaben. Moderiert wurde der Abend, wie schon der erste Slam im vorigen Jahr, von Tobias Glufke.

Die humorvolle Einleitung kam von Tobias Löffler, der fragte: „Science Slam, watt is datt dann?“ Mit schwungvollem Nonsens-Humor zerlegte er die einzelnen Wörter und kam so darauf, dass das „Na-tur-Wissen-Schaft-s-Schlemm“ etwas Besonderes sei, nämlich ein „gewinnendes Blatt in einem Bridge-Spiel, bei dem es darum geht, wer einen kaukasischen Steinbock mit Salz in der Stadt Wissen über einem Holzkohlefeuer grillen darf“.

Der Wettbewerb begann mit Andrea Hermsen von der Hochschule Niederrhein, die erklärte, wie man Pestizide im Spurenbereich nachweisen kann. Sie verglich ihre Arbeit mit aktuellen Krimi-Serien, nur dass sie eben den Mord an Bienen aufkläre, indem sie analysiert, ob jemand verbotene Pestizide benutzt hat. Seit vorigem Jahr ist sie bei Science Slams unterwegs, und „dabei update ich das Thema immer wieder“. Allen, die selber mal mit wissenschaftlichen Themen auf der Bühne stehen wollen, riet sie: „Entweder sollte man mit einer guten Story anfangen, oder mit guten Bildern, um die man dann die Story herum aufbaut. Und natürlich gilt: Kein Fachchinesisch.“

Klar verständlich war auch der Vortrag von David Spencer, der anprangerte, dass die EU grüne Gentechnik verboten hat, obwohl diese sicherer sei als sämtliche Alternativen. „Deshalb sind wir Biologen seit letztem Jahr schlecht gelaunt“, sagte er. Die Besucher waren fasziniert von seinen Ausführungen, da sie über die positive Seite der Gentechnik bislang kaum etwas gehört hatten. „Das waren ein paar völlig neue Ansätze“, staunte Besucher Frank Kuczera. „Das war sehr spannend.“

Armin Himmelrath fragte: „Wie bringen wir Journalisten und Journalistinnen bei, sich ethisch zu verhalten?“ Er sah Probleme im Outsourcing und in der Digitalisierung, durch die nun das Checken von Material und Personal deutlich schwieriger sei. Man bräuchte gewisse Strukturen, damit alle Schreiber in einem moralischen Rahmen agieren.

Abschließend erzählte Lars Koppers vom „Science Media Center“ in Köln davon, wie es ist, wenn ein Statistiker Zeitung liest. Dabei ging es um das Umwandeln von Texten in eine auswertbare Zahlenform, um so zu erkennen, wie sich bestimmte Themenberichterstattungen entwickelt haben. Er nahm die „Bankenkrise“ und führte vor, wie sehr man filtern muss, damit man am Ende einen guten Blick auf den Verlauf bekommt.

Schließlich wurde der Gewinner der Veranstaltung gekürt: David Spencer bekam die meisten Punkte des Abends. Er betonte: „Es würde mich freuen, wenn die Leute der Gentechnik gegenüber offener wären.“

Auf jeden Fall hingen die mehr als 100 Besucher in der Aula des Berufskollegs an seinen Lippen. Das ist ja schon mal ein Anfang.

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