In Geldern gibt es seit 2009 Irish Sessions

Folk-Musik : Nach Irland – einmal im Monat

Seit zehn Jahren gibt es in Geldern Irish Sessions. An jedem dritten Sonntag im Monat finden sie in der Alten Boeckelter Schule statt. Initiatorin Maria Trösser blickt auf die Dekade zurück.

Maria Trösser bringt Menschen zusammen in der Alten Boeckelter Schule. Auf jeden Fall für einige harmonische und unterhaltsame Stunden in dem denkmalgeschützten Gebäude mit Jigs und Reels und Polkas und Balladen. Manchmal halten die Verbindungen auch länger, wenn die letzten Töne von Flöten, Gitarren, Geigen, Akkordeons und Dudelsäcken verklungen sind. Klar ist: Bei den Treffen genießen alle ein Stück Irland am Niederrhein. Seit zehn Jahren gibt es die Irish Sessions auf der Boeckelt.

Die treibende Kraft dahinter war Heinz Trösser. Er kam von Konstanz und einer lebendigen Irish-Folk-Szene aus Liebe zu seiner Maria an den Niederrhein. Und fand dort nichts, was sich mit dem Musiktreiben am Bodensee hätte vergleichen lassen. Das ließ den Mann, der in seiner alten Heimat in mehreren Bands am Akkordeon aktiv war, nicht ruhen. Die Trössers holten Egbert Groterhorst, den Wirt der „Lindenstuben“, mit ins Boot. Der empfahl, des Ambientes wegen, die Alte Boeckelter Schule. „Mein Mann verliebte sich dort direkt in den Kachelofen“, erinnert sich Maria Trösser. Mit Musikern in Deutschland und den Niederlanden war das Paar vernetzt, und so kam es am 17. Mai 2009 zur Premiere der Irish Session.

Seither verwandelt sich jeweils am dritten Sonntag im Monat die alte Schule in einen Irish Pub: Es treffen sich Hobby-Musiker, die sich der irischen Musik verschrieben haben, zu einem lockeren Musizieren, wie es in Irland üblich ist. Wie genau das abläuft, lässt sich nie sagen. „Die Sessions werden getragen von den Musikern, die da sind und sich einbringen“, sagt die Straelenerin, die seit dem Tod ihres Mannes mit 69 Ende 2014 die Reihe weiterführt. Mal gibt es richtig Ramba-Zamba, dann wieder überwiegen die Balladen und die Melancholie. Doch immer geht es harmonisch zu, man kennt sich, zum Teil seit langer Zeit.

Im Laufe der Jahre wurden etwa 100 Musiker gezählt, die „Dunkelziffer“ liegt bei etwa 120, wovon 50 zu den Stamm-Musikern gehören, die der Session eine regelmäßige Treue erweisen. Der Jüngste ist 15 Jahre alt, der älteste 77. Die Musiker kommen von nebenan oder aus der Ferne, fahren bis zu 200 Kilometer, um die Gäste mit ihrer Musik ein paar Stunden nach Irland zu entführen. Maria Trösser mischt seit 2008 mit der Bodhran, der irischen Rahmentrommel, auch mit.

Für sie, wie früher auch für ihren Mann, ist die Alte Boeckelter Schule das zweite Wohnzimmer geworden. Hier erfuhr sie auch in den ersten Sessions nach dem Tod ihres Mannes viel Zuspruch. Für viele Zuhörer – mal kommen 20, mal an die 50 – ist die Session ein fester Punkt im Terminkalender.

Es kommt immer mal wieder vor, dass einer oder eine aus dem Publikum mit dem Zuhören nicht genug hat. Da wird gefragt: „Ich möchte dieses Lied singen, könnt ihr das spielen?“ Da „verkuppelt“ Maria Trösser manchmal eine Sängerin und einen Gitarristen als Basisbesetzung. Die stimmen das Lied an, und es folgt die dezente Begleitung durch den Rest.

Ein Vorteil dabei sei, dass irische Musik auf der ganzen Welt gleich gespielt werde, erklärt die Straelenerin. Die musikalischen Reisen gehen von Irland zur Bretagne und auch manchmal ins Baskenland, denn auch andere Folkrichtungen sind erlaubt. Und alles wird natürlich unplugged, also ohne elektrische Verstärkung, gespielt. Neue Musiker und Zuhörer sind immer willkommen.

Maria Trösser bringt bei den Treffen immer wieder Musiker und Wirte oder Leute, die Privatfeiern planen, zusammen. Das ergibt für einige aus dem Orchester zusätzliche Auftritte. Und sogar eine neue Band ist aus den Sessions entstanden – ein Trio namens „Daddy’s Fancy“.

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