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In der Warteschleife am anderen Ende der Welt

18.353 Kilometer von der Heimat entfernt. : Ponter verpassen Geburt des Enkels

Peter und Johanna Manten sind 18.353 Kilometer von Zuhause entfernt – in Neuseeland.

„Kia Ora“ – herzlich Willkommen in Neuseeland. Bis vor wenigen Tagen reiste das Unternehmer-Ehepaar Peter und Johanna Manten noch völlig unbeschwert durch das vermutlich schönste Land der Erde. Dann, etwa Mitte März, wurde es von der Corona-Krise völlig überrascht. Die Regierung in Wellington hatte den „Lockdown“ ausgerufen. Nun sitzen die beiden in Paihia, im Norden der Nordinsel, fest – und wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Der Reiseablauf war wie folgt geplant: Abflug am 14. Februar ab Frankfurt mit Zwischenlandung und zweitägigem Aufenthalt in Singapur. Weiterflug nach Auckland am 16. Februar. Danach eine sechswöchige, organisierte Rundreise durch Neuseeland. Abflug war für den 27. März geplant – mit einem zweitägigen Aufenthalt in Singapur und einer Ankunft in Düsseldorf am 31. März.

„Plötzlich wurden wir von den Nachrichten erschlagen“, berichtet Peter Manten, „erst von dem „Lockdown“, dann hatte unsere Fluggesellschaft, Singapore Airlines, erst Flüge von Singapur nach Düsseldorf eingestellt und später auch Flüge für Durchreisende verboten. Dann hieß es vom Reiseveranstalter, dass man nach Alternativen suchen werde. Aber die blieben aus und darüber bin ich sehr enttäuscht.“ Was ihnen im Moment bleibt, ist die Hoffnung auf das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft in Wellington. „Genau heute, am 31. März, haben wir aus den Nachrichten erfahren, dass die für heute geplante Rückholaktion vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben wurde“, berichtet Manten weiter. „Wir wissen wirklich nicht, wie es weitergehen soll. Und das ist momentan das Schlimmste in der ganzen Situation, eben die Ungewissheit.“

Manten vermutet, dass die neuseeländische Regierung bewusst die Ausreise von 10.000 Deutschen, die zurzeit auf der Insel festsitzen, verzögert, um die Ausreise geordnet zu organisieren und die Kontrolle nicht zu verlieren.

Das Ehepaar hat noch Glück im Unglück gehabt, denn sie haben eine feste Bleibe finden können. „Das ältere Ehepaar, bei dem wir auf unserer letzten Station der Reise untergebracht waren, hat uns erlaubt, bis zur Ausreise wohnen bleiben zu dürfen“, sagte Frau Manten. „Es ist zwar alles etwas eng, aber immer noch besser, als die zig „Backpacker“, die auf der Straße leben müssen.“

Das Leben auf der Insel beschreiben beide ähnlich wie das Leben in Deutschland. Die Straßen seien leergefegt, die Geschäfte geschlossen, in Supermärkten käme man nur alleine hinein, die Sicherheit werde groß geschrieben. Die langen Strände vor der Haustür wären nahezu verwaist.

„Wir müssen das Beste daraus machen“, sagen beide, „was anderes bleibt uns nicht übrig. Uns geht es ja gut und wir können die zahlreichen Eindrücke unserer Reise in Ruhe verdauen. Wir sind guter Dinge, dass die Bundesregierung uns zurückholen wird.“ Auf den zusätzlichen Kosten bleiben sie hängen. Sie mussten bereits eine Einwilligungserklärung zur Kostenübernahme für den Rücktransport unterzeichnen.

Täglich stehen sie mit der Familie in Kontakt – telefonisch oder per Videochat – und das erleichtert beiden den Zwangsaufenthalt auf der anderen Seite der Erde. Und so haben sie erfahren, dass sie am 26. März zum zweiten Mal Großeltern geworden sind. „So ist das“, sagt Peter Manten zum Schluss, „hier kam der ,Lockdown’ und in der Heimat das Enkelkind.“