Immer mehr Laien arbeiten in der katholischen Kirche

Zukunft der Kirche am Niederrhein : „Die Stunde der Laien“ in der Kirche

In Essen gibt es eine Pfarrei ohne Priester. Die Getauften und Gefirmten gestalten das Gemeindeleben gemeinsam. Das Bistum moderiert und begleitet. In Kevelaer wurde über dieses und zwei andere Modelle diskutiert.

Der Einladung ins Priesterhaus zur Vollversammlung des Kreiskomitees der Katholiken im Kreisdekanat Kleve folgten zahlreiche Delegierte der Verbände und Pfarrgemeinderäte sowie Räte der Seelsorgeeinheit.

Im Kardinal-von-Galen-Saal startete Pfarrer Alois van Doornick mit einer kurzen Besinnung „Schöpferische Pause“. Der Vorsitzende Edmund Raadts wandte sich an die Delegierten: „Ohne Ehrenamt gäbe es dieses Laiengremium nicht. Die Kirche lebt von solchen Christen, die nicht fragen ‚Was springt für mich dabei heraus‘?“ Der im Juni gewählte Geschäftsführer Patrick de Vries bedankte sich für die offene Aufnahme in den Vorstand. Der Emmericher sei in Hubert Lemkens Fußstapfen getreten. Nach einem kurzen Rechenschaftsbericht kam es zur Entlastung des Vorstandes bei Enthaltung der Betroffenen.

Für das Schwerpunktthema „Neue Formen der Gemeindeleitung“ stellte sich das Vortragsduo Kerstin Stegemann, Vorsitzende, und Lisa Rotert, Geschäftsführerin des Diözesankomitees, vor. Die 34-jährige Stegemann hielt erschreckende Zahlen bereit: Während es im Bistum Münster 1990 noch 2,1 Millionen Katholiken gab, waren es im vergangenen Jahr nur noch 1,8 Millionen. In den gleichen Jahren besuchte davon jeder Vierte einen Gottesdienst, 2018 waren es nur noch acht Prozent. Wenn es mit den Kirchenaustritten so weitergeht, werden für 2060 nur noch 30 Prozent Christen in der Gesellschaft prognostiziert. Die Priesterweihen sind genauso drastisch zurückgegangen wie die Zahl der Kirchengemeinden, die durch Fusionen geschrumpft sind.

Bischof Felix Genn sieht keinen Priestermangel und plant keine weiteren Fusionen. „Es ist die Stunde der Laien“, verkündete Stegemann und stellte Möglichkeiten und Modelle der Gemeindeleitung vor. „Umstrukturierungen sind jetzt notwendig, und es ist nicht die Frage, ob wir das wollen. Wir müssen es, aber jetzt können wir sie noch aktiv gestalten“, sagte Stegemann. „Das Experimentierfeld liegt in der Pfarrei, die gefragt ist, Ideen und Lösungsvorschläge einzubringen“, meinte sie einleitend.

Beim „Linzer Modell“ sollen Haupt- und Ehrenamtliche in ihren Fähigkeiten gestärkt werden und von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Beim Modell „Pfarrbeauftragte in Osnabrück“ erfolgt die Leitung der Pfarrei durch Laien, um auf diese Weise dem Priestermangel zu begegnen und Fusionen zu verhindern. Bei der „Gemeindeleitung in Essen“ kommt die Pfarrei ohne Priester aus. Die Getauften und Gefirmten gestalten das Gemeindeleben gemeinsam. Das Bistum moderiert und begleitet.

Die Anwesenden wurden in Kleingruppen aufgefordert, die Chancen aus den drei Modellen darzulegen, aber auch mitzuteilen, auf was sie in ihrer Gemeinde nicht verzichten können.

An diesem Abend galt es, Ideen zusammenzutragen, aber auch Wünsche zu äußern, wie die Kirche der Zukunft aussehen könnte. Ein Teilnehmer sah die Vorstellung zu sehr auf die Struktur und zu wenig auf die Seelsorge fokussiert. Stegemann versprach, die Anregungen an Diözesankomitee und Bistumsleitung weiterzugeben.