Im Rat Kerken: Anwohner äußern Kritik an Plänen für Baugebiet Paeschensdyck

Umstrittene Baupläne : Großer Andrang zur Fragestunde im Kerkener Rat

So einen Andrang im Buyx-Haus gibt es nur, wenn den Betroffenen etwas unter den Nägeln brennt. Eine Stunde lang äußerten Kerkener Bürger ihren Unmut auf der Ratssitzung. Anlass waren direkt zwei kontrovers diskutierte Themenkomplexe.

Einige Bewohner aus der Wohngegend am Paeschensdyck und der Kleinen Bleiche sind nicht mit dem neuen Bauvorhaben einverstanden, so wie es geplant ist.

CDU-Fraktionsvorsitzender Rainer Hufschmidt stellte fest, dass im Rat meist nur Bürger erscheinen, die gegen etwas sind. Die Befürworter seien oftmals Zuhause. Er habe mit Leuten von der Kleinen Bleiche gesprochen, die dem Bauvorhaben neutral bis positiv gegenüber stehen. Lars Schroers vom Architekturbüro stellte ein 3D-Modell vom geplanten Gebäude am Paeschensdyck vor. Einige Politiker unterschiedlicher Parteien bedankten sich für die plastische Veranschaulichung des Gebäudes. Viele hätten sich so etwas bereits im Bauausschuss gewünscht.

Die Abneigung einiger anwesenden Besucher gegenüber dem geplanten Gebäude wurde auch durch das anschauliche Modell nicht weniger. Bernhard Rembarz von der BVK-Fraktion merkte an, dass das Modell generell eine tolle Sache sei, das umliegende Ortsbild jedoch vernachlässigt werden würde. Das fraktionslose Ratsmitglied Michael Heinricks ging noch weiter: „Das Modell wirkt so, als würden wir im Tropical Island leben und Drumherum sei gar nichts.“

Heinricks und anwesende Bürger verwiesen auf den optischen Fabrikcharakter des geplanten Gebäudes. Derartige Bauten würden eher in das Ortsbild von Meerbusch-Osterath passen, so Heinricks. Aufgrund der großen Kontroverse stellte Uwe Priefert von der SPD-Fraktion den Antrag, diesen Tagesordnungspunkt in den nächsten Bauausschuss sowie die nächste Ratssitzung zu vertagen, um den Nieukerker Bürgern eine weitere Teilhabe zu ermöglichen. Einstimmig wurde der Antrag angenommen.

Ein weiteres Thema der Fragestunde war die prekäre Situation der Ferienhaussiedlung am Eyller-See. Erboste Betroffene fanden den Weg zum Rat, um sich über die Problematik auszusprechen. Bürgermeister Dirk Möcking brachte Verständnis auf. Die Diskrepanz zwischen dem Melde- und Baurecht sei auch für ihn unverständlich. Möcking sei innerhalb seines Handlungsspielraums jedoch nicht ermächtigt, die Weichen für eine veränderte Gesetzgebung zu stellen. Dies sei Aufgabe der Gesetzgeber. „Wenn wir als Kommune eine Karte hätten ziehen können, hätten wir diese auch gezogen“, so Möcking. An dem Willen der Gemeindevertreter, das Gebiet als Wohngebiet auszuweisen, liege es nicht. „Auch wenn wir keinen Erfolg hatten, haben wir uns auf Landesebene und beim Kreis stark für Sie gemacht“, versicherte der Bürgermeister.

Einigen Bewohnern der Ferienhaussiedlung stößt es sauer auf, dass erst neuerdings eine Verordnung des Kreises verlangt, auf die Unterschiede des Bau- und Melderechts aufmerksam zu machen. Dies war vorher nicht der Fall gewesen. Auch wenn die Bewohner der Siedlung letztendlich nicht ausziehen müssen, ist mit einer Wertminderung ihrer Immobilie zu rechnen. „Wir haben 150.000 Euro in das Haus investiert“, erzählte eine Bewohnerin erschüttert. Ein Haus, in dem ein fester Wohnsitz nicht vorgesehen ist, dürfte auf dem Immobilienmarkt tatsächlich weniger interessant sein und an Wert verlieren. Dass niemand aus der Siedlung wegziehen müsse (so Möckings Vermutung), sehen andere Ratsmitglieder noch nicht in trockenen Tüchern. Die mögliche Gefahr bestünde weiterhin, auch wenn das Szenario eher als unwahrscheinlich bewertet wird.

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