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Im Kreis Kleve kann man nachts spontan kein Taxi ordern.

Wochentags ist im Kreis Kleve kein Wagen im Einsatz : Nachts ist die Region taxifreie Zone

Wochentags ist es oft schon am späteren Abend schwierig, spontan einen Wagen zu ordern. Weit nach Mitternacht ist dann kein Taxi mehr im Einsatz. Die Unternehmer sagen, dass sei wirtschaftlich nicht darstellbar und fordern eine Tariferhöhung. Sie wollen jetzt den Druck auf Politik und Verwaltung erhöhen.

Der Gelderner Jürgen M. konnte es nicht glauben. Nach einer späten Behandlung in der Notaufnahme des Clemens-Hospitals sollte es wieder nach Hause gehen. Doch im Krankenhaus zuckte man nur resignierend mit den Schultern. Ein Taxi sei nach ein Uhr nachts in Geldern nicht mehr zu bekommen. Und wochentags ist es oft schon am späteren Abend schon schwierig, spontan einen Wagen zu ordern, der einen zeitnah abholt, weiß man in den Restaurants und Kneipen der Region. Was man sich in der Großstadt nicht vorstellen kann, ist auf dem Land traurige Realität: Für größere Entfernungen gibt es nachts keine Alternative zum eigenen Auto.

In der Kreisverwaltung, die für die Vergabe von Taxikonzessionen und die Tarifgestaltung zuständig ist, kennt man das Problem. „Den Kreis Kleve erreichten in jüngster Zeit einige Beschwerden darüber, dass nachts keine Taxen erreichbar sind. Deshalb wurden die Taxiunternehmen angeschrieben und um Stellungnahme gebeten. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor“, so Pressesprecherin Ruth Keuken auf Anfrage unserer Redaktion.

Aus Sicht der Taxiunternehmer liegt die Lösung für das Problem in erster Linie im Kreishaus. Denn dort werden die Tarife festgelegt, an die Taxis gebunden sind. Und dabei sei der Kreis Kleve zwar aus Kundensicht enorm günstig. Aber für die Unternehmen sei ein wirtschaftlicher Betrieb so nicht darstellbar. „Nicht ohne Grund mussten so viele Kollegen in den letzten Jahren aufgeben oder sogar Konkurs anmelden“, sagt Stefan Vollert aus Kleve, Geschäftsführer von Taxi Niederrhein, dem größten Unternehmen im Kreis Kleve. Mit sieben Kollegen hat er die „Interessengemeinschaft Kreis Klever Taxiunternehmer“ ins Leben gerufen, um auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen und beim Kreis für eine Tariferhöhung zu werben. Er schlägt Alarm: Sollte es nicht zu einer Erhöhung des Kilometerbetrag auf 2,10 Euro, besser 2,20 Euro kommen, werde bald nicht nur nach Mitternacht kein Taxi auf den Straßen der Region unterwegs sein. Derzeit liege der Tarif bei 1,70 Euro pro Besetztkilometer. Die Lage sei äußerst bedenklich – zumal bald noch eine weitere Erhöhung des Mindestlohnes anstehe. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sei man gern auch rund um die Uhr für die Kunden da.

Der Mindestlohn – er gehört auch aus Sicht von Ronnie Szucki, dessen Niers-Taxis in Geldern und Weeze stationiert sind, zu den großen Problempunkten. Die Fahrer verdienen weiterhin 450 Euro im Monat, seien dafür aber erheblich weniger Stunden im Einsatz. Und andere Fahrer, um diese Zeit auszufüllen, gebe es nicht. „Der Markt ist leer gefegt“ sagt Szucki. Auf seine letzten Stellenangebote sei nicht ein einziger Anruf erfolgt. Die Branche sei am Ausbluten, das Ganze sei ein Politikum. Man trage allein das kaufmännische Risiko, könne aber selbst keinen Einfluss auf die Preise nehmen, sondern sei von Entscheidungen der Verwaltung und der Politik abhängig. Zudem gebe es immer mehr Mietwagen, die entgegen der Vorschrift zu besten Tageszeiten am Gelderner Bahnhof auch Fahrgäste ohne Vorbestellung aufnehmen und so den Taxiunternehmen schaden. Da komme der Kreis seiner Kontrollpflicht viel zu wenig nach.

Herbert Gastens, der mit Taxi Frisse in Straelen immerhin bis zwei Uhr nachts einen Wagen anbietet, kann ebenfalls nachvollziehen, dass immer mehr Unternehmen die Segel streichen. „Es rechnet sich einfach nicht.“ Er stellt aber auch fest, dass auf der Kundenseite wochentags die Nachfrage deutlich zurückgegangen sei. Seit dem Rauchverbot gebe es die alte Kneipenkultur nicht mehr, in Straelen seien viele Gaststätten nur noch am Wochenende geöffnet.

Zumindest eine Teillösung im Bereich Geldern könnte das Anruf-Sammel-Taxi sein. „Dieses fährt täglich - nach einem Fahrplan und im Stundentakt bis nachts um 0.40 Uhr. Von einer Haltestelle im Stadtgebiet Geldern bis vor die Haustüre zu allen Zielen im Stadtgebiet Geldern. Dieses Angebot im öffentlichen Personennahverkehr wird im Auftrag der Stadt Geldern durch die Firma Hexenland-Taxi gefahren“, schrieb Heinz-Theo Angenvoort, Betriebsleiter der Städtischen Dienste Geldern aufgrund der Beschwerde von Jürgen M. Richtung Stadtverwaltung. „Zumindest haben wir durch dieses Verkehrsmittel bezogen auf das Stadtgebiet Geldern eine Alternative zu dem herkömmlichen Taxenverkehr. Doch es ist gut nachvollziehbar, dass es eine unbefriedigende Situation ist, dass man nach 0.40 Uhr bis zum frühen Morgen in den Nächten von Sonntag bis Donnerstag kein Taxi bestellen kann.“

Kommt jetzt die Tariferhöhung? Der entsprechende Antrag der Interessengemeinschaft Kreis Klever Taxiunternehmer liegt im Kreishaus bereits seit einigen Monaten vor. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte Kreis-Pressesprecherin Ruth Keuken: „Der Taxitarif regelt die Höhe der Beförderungsentgelte, die die Taxiunternehmen den Fahrgästen in Rechnung stellen dürfen. So gibt es beispielsweise einen im Vergleich mit dem Normaltarif höheren Nachttarif, der die zusätzlichen Aufwendungen für den Nachtdienst berücksichtigt. Die letzte Tarifanpassung erfolgte im Jahr 2015. In diesem Jahr stellte eine Interessengemeinschaft von Taxiunternehmen einen Antrag auf Erhöhung des Taxitarifs, der zurzeit geprüft wird.“ Stefan Vollert kündigte im Gespräch an, den öffentlichen Druck auf Verwaltung und Politik erhöhen zu wollen.