1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Hochwasser an der Niers: Wer in Geldern und Umgebung betroffen wäre

Wenn die Niers über die Ufer tritt : Hochwassergefahr im Gelderland

Welche Gebiete im Gelderland überschwemmt werden, wenn die Niers unkontrolliert über die Ufer tritt, zeigen Prognose-Karten. Wir erklären, wo und wie viele Menschen im Extremfall betroffen wären.

Der heftige Starkregen am 14. und 15. Juli hat auch im Einzugsgebiet der Niers Spuren hinterlassen. Insgesamt war der Kreis Kleve durch die Sturzfluten jedoch „nicht nennenswert betroffen“, wie die Bezirksregierung Düsseldorf mitteilt.

Wo kam es zu Überflutungen? Laut Niersverband wurden hauptsächlich Uferwege und ufernahe unbebaute Flächen überschwemmt. Im Kleverland führte der Rückstau der Maas zu einem Hochwasser der Niers im westlichen Teil Gochs. Vorsorglich habe man in der Ortschaft Kessel die Kläranlage teilentleert und Abwasser und Schlamm mit Lkw zu anderen Kläranlagen gefahren, da eine Überflutung drohte. Soweit kam es jedoch nicht.


Welche Überflutungsszenarien gibt es? Grundsätzlich muss erst einmal unterschieden werden zwischen Hochwasser, das durch über die Ufer tretende Flüsse entsteht, und Sturzfluten, die durch Starkregen entstehen. Letztere sind kaum kalkulierbar. Insgesamt regnete es im Einzugsgebiet der Niers in einem Zeitraum von etwa 48 Stunden in der Spitze bis zu 85 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Normalerweise regnet es im gesamten Jahr etwa 720 Liter pro Quadratmeter.

  • Gewöhnlich ist die Niers ein idyllischer
    Hochwasserinformation für Viersen : Was wäre, wenn die Niers über die Ufer tritt
  • Eine Übersicht.
    Ganzen Dörfern droht Überflutung : Hochwasserkarte für Dormagen zeigt den Extremfall
  • Ein Lkw fährt über den bestehenden
    Umstrittene Ortsumgehung in Grevenbroich : Grüne sehen L361n nicht mit Hochwasserschutz vereinbar


Wie sind die Hochwasser-Stufen definiert? Unterschieden werden drei Hochwasser-Arten: Ereignisse, die im Mittel alle zehn bis 25 Jahre auftreten (HQhäufig), seltenere Ereignisse, die im Mittel alle 100 Jahre vorkommen (HQ100), und Ex­tremhochwasser, das noch seltener als alle 100 Jahre vorkommt (HQextrem).


Welche Regionen sind Hochwassergefahrenzonen? Vereinfacht gesagt sind diese vor allem an der Niers zu finden. Das ergibt sich aus den Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten des Landes, die alle sechs Jahre überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Für das Gelderland existieren Karten für die Region zwischen Wachtendonk im Süden und Weeze im Norden (www.flussgebiete.nrw.de). Die erstmals 2013 veröffentlichten Karten wurden 2019 aktualisiert. Die nächste Fortschreibung ist bis Ende 2025 geplant.


Wie wäre Geldern bei einer extremen Hochwasserlage betroffen? In dem Szenario HQextrem, das statistisch etwa einmal in 1000 Jahren zu erwarten ist, kommt es im Stadtgebiet Geldern zu Ausuferungen an Niers und Nierskanal sowie zahlreichen Nebengewässern und -gräben. Das austretende Wasser fließt dem Geländegefälle entsprechend auf unbefestigten und befestigten Flächen ab. Je nach Höhenlage sind davon unterschiedliche Siedlungsbereiche betroffen. Gefahren drohen insbesondere für die Gebiete nord- und südwestlich des Bahnhofs, das Wohngebiet nördlich der Straße Harttor, das Gebiet rund um den Holländer See bis knapp unter den Süd- beziehungsweise Westwall und die Ortschaft Veert. Nicht betroffen wäre demnach die Innenstadt innerhalb der Wälle.


Wie viele Menschen leben in den Hochwassergefahrenzonen? Nach Analyse des Landes wären nach derzeitigem Stand vom häufigeren Hochwasser in Geldern 150 Bewohner betroffen, bei einem 100-jährigen Hochwasser wären es 380 Bewohner, bei einem Extremhochwasser 2530 Bewohner. Für Wachtendonk wären es: 90/110/260 Bewohner; Straelen: 20/30/50, Kerken: 10/10/20; Kevelaer: 90/130/270; Weeze: 60/100/180. Issum wäre nicht betroffen.
Wann wird extremer Regen zur Gefahr? Konkrete Regenmengen können hier nicht genannt werden. Allerdings rückt die Überflutungsgefährdung durch Starkregen zunehmend in den Fokus, weshalb immer mehr Kommunen Stark­regengefahrenkarten erstellen und darauf aufbauend Maßnahmen zum Starkregenrisikomanagement planen und umsetzen.


Gibt es ein Warnsystem? Ein Warnsystem des Landes für den Hochwasserfall gibt es nur an den Oberflächengewässern, für die es eine Hochwassermeldeordnung gibt, also zum Beispiel für den Rhein. Für die Niers gibt es diese nicht. Warnungen erfolgen aber durch den Niersverband in Zusammenarbeit mit den örtlichen Feuerwehren.


Wurden bei dem Hochwasser im Juli Anlagen des Niersverbandes beschädigt? In der Betriebsstelle Am Aermen Düwel in Kerken ist das Regenrückhaltebecken über den Not­abschlag übergelaufen. Weil deutlich mehr Wasser zufloss, als die Anlage aufnehmen kann, ist das Wasser über einen dafür vorgesehenen Überlauf in die Niers geflossen. Dabei wurde der Notabschlag beschädigt und musste wieder instandgesetzt werden.


Welche Maßnahmen werden jetzt zum Schutz unternommen? Der Klimawandel ist auch am Niederrhein angekommen. Fachleute rechnen künftig mit häufigeren Trockenwetterphasen, aber auch Starkregen­ereignissen. Eine Möglichkeit, diese besser abzufedern und angrenzende Flächen zu schützen, ist die Schaffung von weiteren Rückhalteräumen wie zum Beispiel an der Niers. Hieran arbeitet der Niersverband seit über einem Jahrzehnt mit dem „Masterplan Niersgebiet“. Dieser sieht unter anderen vor, durch naturnahe Gewässergestaltungen und die damit einhergehende Schaffung von Ersatzauen natürlichen Rückhalteraum zu bauen. So konnten in den vergangenen Jahren mehrere Gewässerprojekte, zum Beispiel in Geldern an Haus Golten, an der Brücke der Burgstraße und der Willikschen Mühle, umgesetzt werden. Außerdem hat der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers vor Kurzem eine Maßnahme in Wachtendonk abgeschlossen. Mit dem Projekt „Renaturierung Waerdt“ will der Verband das gute ökologische Potenzial für einen Teil­abschnitt des Siepbachs nachhaltig fördern. Insgesamt konnten bisher rund 200.000 Kubikmeter naturnaher Rückhalteraum geschaffen werden. Häufig mangelt es jedoch an der Verfügbarkeit geeigneter Flächen, denn die Niers konkurriert mit zahlreichen weiteren Nutzungsansprüchen.