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Straelen: Hochschwangere aus Eritrea in Not

Straelen : Hochschwangere aus Eritrea in Not

Seit einer Woche ist Tesfamariam Abeba in Straelen. In zwei Wochen erwartet sie ihr Kind. Sie hat eine dramatische Überfahrt auf einem Flüchtlingsboot überlebt, bei der fünf Menschen starben. Jetzt sucht sie dringend ein Zuhause.

Die Situation ist für Ilse und Robert Pauksztat völlig neu. Erstmals steht das Initiatorenehepaar des Ökumenischen Arbeitskreises Asyl in Straelen vor der Aufgabe, einer hochschwangeren Frau zu helfen.

Tesfamariam Abeba ist erst seit einer Woche in der Blumenstadt, in zwei Wochen soll ihr Kind zur Welt kommen. Aktuell ist die 28-Jährige aus Eritrea in einem Haus für Asylbewerber an der De-Cabanes-Straße untergebracht. In dem schmalen Raum stehen ein Metallbett, ein Hocker und ein Schränkchen. "Platz für eine Wiege ist da nicht", sagt Ilse Pauksztat sorgenvoll. An eine Wickelkommode ist gar nicht zu denken. "In dem Zimmer haben wir früher unsere Wäsche getrocknet", hatte einer der anderen Bewohner Ilse Pauksztat erzählt. Die Unterkunft teilt sich die Hochschwangere mit einer Frau aus Armenien und einer Familie (zwei Erwachsene und zwei Kinder) aus Syrien. Eine andere Unterbringungsmöglichkeit ist für Tesfamariam Abeba und ihr Kind, was in den nächsten Tagen auf die Welt kommt, nicht in Sicht.

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"Die Stadt gibt sich wirklich Mühe", stellt Ilse Pauksztat vom Arbeitskreis Asyl klar, "aber sie kann eben auch keine Wohnungen aus dem Boden stampfen." Deswegen hofft der Arbeitskreis Asyl auf die Hilfe von Privaten. "Es gibt in Straelen doch einige Wohnungen, die leer stehen", teilt Ilse Pauksztat ihre Beobachtung mit. Sie findet es traurig, dass einige Straelener ein Problem damit haben, an Asylbewerber zu vermieten. An der Angst, die Miete nicht zu bekommen, kann es nicht liegen. "Der Mietvertrag wird mit der Stadt Straelen gemacht", erklärt sie. Sie hofft, dass noch vor der Geburt eine passende Unterkunft gefunden wird und die Odyssee der Schwangeren endlich ein Ende hat. Tesfamariam Abeba erzählt auf Englisch von der Flucht aus dem Land, dass sie zwang, Militärdienst zu leisten, statt zur Schule zu gehen. Sie berichtet vom anstrengenden Fußmarsch bis in den Sudan, der Autofahrt durch die Wüste. Ab Libyen erfolgte die gefährliche Überfahrt nach Lampedusa. Sie zeigt ein Foto vom überfüllten Boot mit 60 Flüchtlingen an Bord.

"Das Boot ging unter, fünf Menschen starben, zwei aus Somalia, drei aus Eritrea", sagt sie ganz ruhig, als wäre der Teil ihres Lebens schon ganz weit weg und nicht erst vor kurzem passiert. Die Reise ging weiter: von Lampedusa nach Sizilien, Rom, Mailand, Frankfurt, Dortmund, Schöppingen.

"Die Zuweisung, wer in Deutschland wohin kommt, erfolgt über einen bestimmten Schlüssel", erklärt Ilse Pauksztat. So landete die Hochschwangere letztendlich in Straelen. Was ihr an Straelen gefällt? "Alles", sagt sie und lächelt. Aber jetzt geht es für sie erst einmal um ganz praktische Dinge. Zum Beispiel, wie sie zum Krankenhaus kommt, wenn es losgeht. "Sie kann ein Taxi nehmen, aber was ist, wenn sie gleich zahlen muss?", gibt Pauksztat zu bedenken. Deswegen hat die Hochschwangere zur Sicherheit auch die Telefonnummer vom Ehepaar Pauksztat. An die können sich auch Private wenden, die Wohnraum zur Verfügung stellen können, Telefon 02834 943535. Einen Ansprechpartner bei der Stadt Straelen gibt es unter 02834 702117.

(RP)