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Historischer Verein für Geldern und Umgegend gibt Geschichts-DVD heraus

Historie im Gelderland : Die „Ritter von Geldern“ gehen in Serie

Gemeinsam mit dem Sender Omroep Gelderland hat der Historische Verein für Geldern und Umgegend eine DVD über die Geschichte des deutschen und niederländischen Gelderlands produziert. Rund 900 Jahre werden in zehn Stunden gepackt.

Die beiden Männer schreiten zur Tat. Mit wenigen Hammerschlägen ist das Schild mit dem geldrischen Wappen in den Boden gerammt. Diesmal vor dem Kloster Kamp. Aber das geschieht auch vor vielen anderen Plätzen und Gebäuden, die für die Geschichte des Gelderlands von Bedeutung sind. Wer in Ruhe tief in die Historie der Region eintauchen will, hat mit den Filmen „Die Ritter von Geldern und unser verlorenes Herzogtum“ jetzt Gelegenheit dazu. Die Ende 2017/Anfang 2018 im niederländischen Regionalfernsehen von „Omroep Gelderland“ ausgestrahlte Serie ist jetzt auf DVD erhältlich.

Der Historische Verein für Geldern und Umgegend hat sich für dieses Projekt mit dem Fernsehsender aus dem Nachbarland zusammengetan. „Wir wollen die Serie für das deutsche Publikum zugänglich machen und deutlich machen, dass es das Gelderland auf beiden Seiten der Grenze gibt“, erklärt Gerd Halmanns, der Vorsitzende des Historischen Vereins. Und er verspricht: „Man wird sehr viel lernen über das niederländische und das deutsche Gelderland.“

Auf Interesse beiderseits der Grenze ist die Serie, die auch auf Youtube lief, gestoßen. „Allerdings waren die in niederländischer Sprache ausgestrahlten Folgen für deutsche Zuschauer nur schwierig zu verstehen“, berichtet René Arendsen, der gemeinsam mit Bas Steman in der Serie als „Ridders van Gelre“ (Ritter von Geldern) unterwegs war. Sowohl beim Sender als auch beim Historischen Verein gab es Anfragen, ob man keine deutsche Fassung produzieren könne. „Eine Synchronisierung wäre aber zu aufwändig gewesen“, sagt Halmanns. So kam man auf die Untertitelung. Der gesamte Original-Text der Serie wurde von Halmanns, der Straelener Stadtarchivarin Claudia Kurfürst, Knut Lipke und Stefan Schoppmann ins Deutsche übersetzt. Zwei Profis von „Omroep Gelderland“ übernahmen das Untertiteln. Die 20 Folgen von jeweils 30 Minuten wurden auf fünf DVDs gepresst. 1650 Stück beträgt die Auflage, davon sind die meisten die Jahresgabe für die Mitglieder des Historischen Vereins, die am besten in der Geschäftsstelle des Vereins abgeholt werden kann. Etwa 200 gehen in den freien Verkauf.

Rund 900 Jahre wurden in diese zehn Stunden gepackt. Die Geschichte des Gelderlands wird chronologisch erzählt, vom sagenhaften Drachenkampf in Pont im Jahr 878 bis zur Zeit Napoleons, als das Herzogtum Geldern in Bedeutungslosigkeit versank. Dabei hatten die Grafen von Geldern, die ursprünglich aus Wassenberg stammten, das Territorium ihrer Grafschaft und ihres späteren Herzogtums in Richtung Norden und Westen fast bis nach Rotterdam ausgedehnt und zu den bedeutenden Potentaten auf dem Kontinent gezählt. Nicht immer geschah der Machtzuwachs gewaltsam, manchmal auch durch Liebe. Wie etwa bei der „Märchenhochzeit“ zwischen Graf Gerhard II. von Geldern und Gräfin Ermgard von Zutphen vor rund 900 Jahren. Ihrer Ehe entsprang Sohn Heinrich I., der im Kloster Kamp begraben liegt. Anlass genug für Halmanns und Arendsen, in einer Szene dort das geldrische Wappen zu setzen.

In vielen Orten beiderseits der Grenze wurde gedreht: in Arnheim, Zutphen, Nimwegen, Tiel, Roermond und Venlo, in Kamp-Lintfort, Wassenberg, Erkelenz, Kevelaer, Straelen, Emmerich und natürlich Geldern. Die Herrschergeschichte und die wirtschaftliche Entwicklung sind ebenso Themen wie Kunst und Kultur, die Landschaft sowie die Stände und ihre Rolle. Alles wissenschaftlich korrekt nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit der Universität Nimwegen. Aber alles auch ohne großes Drehbuch, vielmehr spontan und manchmal mit einem Augenzwinkern. Etwa, als Arendsen und Steman entdecken, dass in Geldern und Umgebung die alten Nummernschilder mit „GEL“ wieder in Gebrauch sind und die Gelderner Stadtverwaltung mit den Kennzeichen ihrer Dienstwagen den Todesschrei des fürchterlichen Drachen wieder aufnehmen, der angeblich vor mehr als 1100 Jahren zur Namensgebung der Stadt geführt hat: „GEL-RE“: