Manfred Hainke: Hilfe für Gomel-Kinder hat stark nachgelassen

Manfred Hainke : Hilfe für Gomel-Kinder hat stark nachgelassen

ISSUM Es fehlt an Gastfamilien. Manfred Hainke vom Kinderhilfswerk Gomel erklärt, warum die Besuche immer noch nötig sind. Die WM dient als Hoffnungsträger.

Als Vorsitzender des Kinderhilfswerks Gomel betrachten Sie die Fußballweltmeisterschaft in Russland mit anderen Augen, warum?

Manfred Hainke Vielleicht weckt sie WM das Interesse für die Gomel-Kinder neu. Weissrussland und Russland sind allein durch die Sprache miteinander verbunden. Seit 1991 kommen die Kinder, die in einer Region leben, die nach Tschernobyl stark radioaktiv verseucht wurde, zur Erholung nach Deutschland.

Warum wünschen Sie sich mehr Aufmerksamkeit?

Hainke Früher wurden jährlich zwei Gruppen mit bis zu 150 Kindern inklusive Begleitpersonen eingeladen, in diesem Jahr reisen gerade einmal 50 Personen, 15 bis 20 Kinder mit Dolmetschern, Begleitpersonen und einer Ärztin an. Wir kriegen das auch nur kostenmäßig gestemmt, weil wir uns mit benachbarten Initiativen aus Duisburg und Neukirchen-Vluyn zusammentun. Andere Vereine haben schon aufgegeben, weil sie keine Gastfamilien mehr finden.

Ist denn der Aufenthalt von Gomel-Kindern am Niederrhein noch nötig?

Hainke Ja, gerade jüngeren Kinder in der zweiten oder dritten Generation nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl hilft so ein Erholungsbesuch, auch wenn die Katastrophe schon 32 Jahre her ist. Gomel lag in der Hauptwindrichtung und durch Regen kam es zu besonders hoher Verstrahlung. Die radioaktiven Stoffe führen zu Erkrankungen bis hin zu Krebs. Es hat Untersuchungen gegeben, dass es eine Verbesserung des körperlichen Zustandes gibt, wenn die Leute für längere Zeit aus den radioaktiv-verseuchten Gebieten rauskommen. Deswegen sind auch heute noch Besuche von Gomel-Kindern nötig.

Warum ist es heute schwieriger, Gastfamilien zu finden?

Hainke Familienstrukturen haben sich verändert. Viele Frauen gehen heutzutage arbeiten und haben keine Zeit, um noch ein Ferienkind aufzunehmen. Die Rentner, die bei den Anfängen 1991 dabei waren, sind älter geworden und nicht mehr in der Lage Kinder aufzunehmen oder engagieren sich woanders.

Was muss eine Gastfamilie noch mitbringen außer Zeit und ein Zimmer?

Hainke Sie muss offen und bereit sein, sich auf einen etwas anderen Kulturkreis einzulassen. Die Kinder sprechen in der Regel kein Deutsch, nur Russisch. Aber dafür gibt es heute Übersetzungsprogramme für das Handy. Am Ende hat sich die Sprache auch nie als wirkliches Problem dargestellt.

Was können Menschen tun, die sich an Tschernobyl erinnern und helfen wollen?

Hainke Für dieses Jahr stehen die Termine, aber im kommenden Jahr würden wir gerne wieder mehr Kindern die Chance für einen Aufenthalt geben. Wer möchte, kann Kontakt zum Kinderhilfswerk Gomel aufnehmen, dessen Vorsitzender ich bin. Die Internetseite steht unter www.gomel.de. Ich bin telefonisch unter 02835 92672 zu erreichen.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

(RP)