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Helmut Crienen aus Herongen ist an einem Forschungsprojekt beteiligt.

Mensch & Stadt : Heronger Mundart – eine Wissenschaft für sich

Helmut Crienen ist als Experte für den heimischen Dialekt von der Universität Nimwegen befragt worden. Er fungierte als Übersetzer. Mit Vorträgen hält der 88-Jährige die Heimatsprache lebendig.

Das Stadtarchiv von Strae­len steht an der Kuhstraße. Wenn es um die Bewahrung von Heronger Geschichte geht, ist freilich auch die Kiewittstraße eine lohnende Adresse. Dort wohnt Helmut Crienen. Den 88-Jährigen kann man getrost als Heronger Urgestein bezeichnen. Jetzt hat sich sogar ein Wissenschaftler aus dem Ausland an ihn gewandt – als Experte für die Heronger Mundart.

An der Radboud-Universität zu Nimwegen erforscht Germanistik-Student Stephan van Alphen die in der Region Venlo gesprochenen Mundarten. Für diese Feldarbeit suchte er unter anderem zwei Informanten aus Herongen, die in der Lage sind, Hochdeutsches in den Ortsdialekt zu übersetzen. Auch Ortsvorsteherin Annemarie Fleuth und Straelens Stadtarchivarin Claudia Kurfürst wurden von dem Niederländer in die Suche eingebunden.

„So etwas habe ich vor rund 30 Jahren schon mal mit der Universität Nimwegen gemacht“, erinnert sich Crienen. Jetzt, so die Ortsvorsteherin, habe ihn die Stadtarchivarin überzeugt, noch einmal sein Wissen einzubringen.

Die nächste Post aus Nimwegen enthielt einen umfangreichen Fragebogen. „Übersetzen Sie bitte folgende Sätze“, lautete eine Aufgabenstellung. Aus „Diese Treppe ist lang“ machte Crienen „Die Troapp es loang“. Die Frage „Wer möchte eine Tasse Kaffee?“ heißt auf gut Herongerisch „Wäen hätt geer en Tass Koffie?“. Und aus „Sie sind Ehemann und Ehefrau“ wurde kurzerhand „Se send Moan on Frau“.

Rund einen Tag hat Crienen für die 14 DIN-A-4-Seiten gebraucht. „Doch ohne die Hilfe von Annemarie Fleuth und Karl Michelkens hätte ich es nicht gemacht“, betont der Heronger. Der ehemalige Lehrer der Amandus-Schule besprach die Texte mit Crienen und schrieb sie nieder. Die Ortsvorsteherin besorgte die Post gen Nimwegen.

Noch ist Crienens Part bei dem Forschungsprojekt nicht erledigt. Demnächst wird er noch angerufen, um Sätze, Satzteile oder Wörter am Telefon vorzulesen. „Die Sprachmelodie und die Sprachfärbung sind wichtig“, weiß der Mundart-Experte.

Den heimischen Dialekt lernte Crienen einst in der Familie. Doch eine Generation später sei das Plattdeutsche verpönt gewesen. „Heute gibt es nur noch wenige Platt-Sprecher“, stellt er mit Bedauern fest. Mit Mundartvorträgen beim Heronger Treff im Pfarrzentrum hält er die Heimatsprache lebendig. Einmal war er sogar in der großen Heronger Bürgerhalle Vortragender, als „For Land en Lüj“ dort Station machte. Auch Büttenreden hielt Crienen auf Heronger Platt. Und bei den Straelener Mundartveranstaltungen war der Heronger auch schon mit von der Partie.

Auf vielfältige Weise hat sich Crienen, der auch als Heimathistoriker tätig ist, ins Heronger Dorfleben eingebracht (siehe Box). Jetzt hofft er darauf, dass die Corona-Pandemie bald so abflaut, dass der Heronger Treff wieder möglich ist.

Jede Menge Aktenordner sind in seinem kleinen Büroraum untergebracht, vollgestopft mit Heronger Themen: eine Chronik, das Tambourcorps, die Alte Kirche, die Landgard-Vorgänger NBV/UGA, alte Bilder von 1900 bis in die Gegenwart. Anfang der 1960er Jahre tat sich Crienen mit Maria Rütters, damals Lehrerin an der Amandus-Schule, zusammen und bereitete die Heronger Dorfgeschichte auf. Immer in Kooperation mit dem Stadtarchiv und später dem Stadtarchivar Bernhard Keuck. „Der größte Teil der Mappen geht ans Stadtarchiv“, sagt Crienen. Die Stadtarchivarin habe sie auch schon gesichtet.