Helfer hinter den Kulissen beim Theater von Haus Freudenberg Geldern.

Kultur : Eingespielte Mannschaft macht Theater

Seit Jahren begeistert die Theaterwerkstatt von Haus Freudenberg mit ihren Aufführungen. Regisseurin Anna Zimmermann-Hacks kann sich dabei auf ein zuverlässiges Team jenseits des Rampenlichts verlassen.

Am 8. März öffnet sich im Konzert- und Bühnenhaus in Kevelaer zum ersten Mal der Vorhang für das sechste Stück der Theaterwerkstatt von Haus Freudenberg. Aufgeführt wird die vermutlich längste Außenwette in der Theater- und Filmgeschichte: „In 80 Tagen um die Welt“. Im Gegensatz zum literarischen Werk von Jules Verne aus dem Jahr 1873 braucht das Theaterstück nicht nur eine Bühne, Schauspieler und Zuschauer, sondern auch ein Bühnenbild, Kostüme, Musik, Licht und Ton. Und damit die Schauspieler auf der Bühne glänzen können, sorgen zahlreiche Helfer für eine perfekte Bühnen-Illusion.

Die musikalischen Fäden laufen seit diesem Jahr bei Daniel Görtz zusammen, der Wert darauf legt, dass das musikalische Arrangement eine Gemeinschaftsproduktion der gesamten Band ist. Die Band, das sind Felix Mecklenburg (Schlagzeug), Felix Pickers (Bass und Saz), Vivian Zastrow (Gesang), Marie Flaß (Querflöte) und Daniel Görtz (Gitarre und Piano). „Bereits im Sommer hat uns Anna im Textheft die Stellen gezeigt, an denen musikalischer Einsatz gebraucht wird“, erinnert er sich an den Kontakt mit der Regisseurin Anna Zimmermann-Hacks. Dann beginnt die eigentliche Arbeit der Musiker, denn zunächst muss das Repertoire stehen. „Diesmal ist es eine verdammt anspruchsvolle und umfangreiche Sache“, sagt der angehende Lehrer, „Szenen- und Ortswechsel sollen durch charakteristische Melodien angekündigt werden, weiter soll die Musik zur Unterstützung der Schauspieler einsetzen und Emotionen verstärken.“ Seit September proben sie wöchentlich im Wohnzimmer des Bassisten. 19 verschiedene Musikstücke werden sie im Rahmen ihres musikalischen Potentials wirkungsvoll arrangieren. Ab Januar, bei den gemeinsamen Proben mit den Schauspielern, gilt es, die Einsätze mit den Auftritten der Schauspieler abzustimmen und einem festen Zeitfenster anzupassen.

Jedes Schauspiel braucht seinen Schauplatz und nun kommen die Vollblut-Handwerker Klaus Mecklenburg und Christoph Gerhards ins Spiel. „Die Vorgabe klang zunächst recht einfach. Anna wollte einen höhenmäßig nach vorne abkippenden Ring, der von allen Seiten betret- und bespielbar ist“, so die beiden. Zunächst wird ein maßstabsgetreues Modell gebaut. Mit dem Modell im Kopf besuchen sie die Proben und beobachten, in welche Richtung sich das Stück entwickelt. Dabei stehen sie im ständigen Austausch mit der Regisseurin. Stimmt die Vorstellung der beiden Bühnendesigner mit der Inszenierung überein, geht’s an die Arbeit. „Wir machen das in unserer Freizeit. Uns gefällt das Projekt, in der Inklusion gelebt wird, und wir haben Spaß an gut gemachtem Theater“, fasst Christoph Gerhards die Motivation zusammen. Einen pragmatischen Einwand hat sein Kollege Klaus Mecklenburg: „Ganz wichtig ist, dass die Kulisse in 90 Minuten auf- und wieder abgebaut werden kann. Sie muss transportabel sein und in einen 7,5-Tonner passen.“

Aufwertung erhält das Bühnenbild durch Martin Bloemen und seinen Mitarbeiter Tim Kelm vom VTB Xanten, die sich regelmäßig mit den Bühnenbauern treffen und nichts dem Zufall überlassen. Gerichtet und akzentuiert werden Licht- und Beschallungstechnik und das sonstige Equipment in Einklang für visuelle Erlebnisse gebracht. Das lässt die Aufführung zu etwas Besonderem werden.

Um auf der Bühne in eine Rolle schlüpfen zu können, jemand anders zu sein und dies durch sichtbare Zeichen deutlich zu machen, ist eine Verkleidung unerlässlich. Da ist die Fantasie und Kreativität von Bärbel Sommer gefragt. „Bereits bei der Rollenvergabe und später bei den ersten Proben ist es ganz wichtig, den Menschen zu sehen, damit ich mir ein Bild von ihm in seiner Rolle machen kann“, erklärt sie. In einem Second-Hand-Laden in Köln wird eingekauft, und nach den Anproben bringt die Hobby-Näherin die Nadeln des Öfteren zum Glühen. Über jeden der 48 Schauspieler führt sie eine Akte, in der Kostüme und vor allem Requisiten aufgeführt sind. „Das kann von einer Opiumpfeife über einen Tropenhelm bis hin zur Taschenuhr gehen“, meint Bärbel Sommer, der es wichtig ist, ein Teil dieser einmaligen Truppe zu sein und im Hintergrund agieren zu dürfen. „Ich habe meinen Spaß, wenn die Schauspieler sich über ihre Kostüme freuen und sich darin wohlfühlen“, erklärt sie zu den weiteren Beweggründen für ihr Engagement.

„Natürlich sind noch wesentlich mehr Helfer eingebunden, auf die ich mich zu 120 Prozent verlassen kann“, erwähnt die Regisseurin abschließend. „Sie halten mir alle den Rücken frei, so dass ich mich voll und ganz auf das Theaterstück konzentrieren kann.“