Geldern: Helfer fordern Ausländeramt in Geldern

Geldern: Helfer fordern Ausländeramt in Geldern

Um früh genug - lange vor Behörden-Öffnung - bei der Kreisverwaltung in Kleve zu sein, reisen Asylsuchende aus dem Gelderland schon am Vorabend an. Dann verbringen sie die Nacht im Freien. Ein unhaltbarer Zustand, sagen Kritiker.

Es muss sich dringend etwas ändern, sagt Bernd Claßen. Als Ehrenamtler gibt er gemeinsam mit zwei weiteren Mitstreitern Alphabetisierungskurse für Ausländer in Geldern. Dabei werden gelegentlich Alltagssorgen der Schüler besprochen, und immer wieder hören seine Kollegen und er von einem Problem: "Wenn jemand für einen Termin nach Kleve muss, fährt er mitunter nachts um elf mit dem letzten Zug von Geldern, um morgens bei der Ausländerbehörde eine Nummer zu ziehen." Denn die Leute müssten fürchten, gar nicht mehr dran zu kommen, wenn sie nicht in aller Herrgottsfrühe da seien - per Bus oder Zug gehe das nicht.

Schon zwischen 5 und 6 Uhr versuchten die Betroffenen da zu sein. "So drücken sie sich - auch junge weibliche Asylsuchende - die ganze Nacht in irgendwelchen Hauseingängen und Nischen, um der Kälte zu entgehen", schildert Claßen. "Das ist ein Zustand, das ist doch nicht aufrecht zu erhalten." Und diesen Aufwand müssten die Klienten immer wieder betreiben: "Teilweise müssen die Leute wegen Lappalien vorsprechen."

Hanneke Hellmann, die in Geldern ebenfalls intensiv ehrenamtlich in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert ist, kennt viele Berichte über das Problem. Und sie erlebt darüber hinaus, wie beschwerlich der Kontakt zum Ausländeramt in Kleve für die Leute ist, selbst wenn sie rechtzeitig da sind. "Man wartet stundenlang und weiß dann nicht, ob man drankommt", erzählt sie. Die Bedingungen seien nicht zumutbar: "Die Menschen sitzen da teilweise mit der ganzen Familie, ohne Essen, ohne Trinken. Und wenn eine Unterlage fehlt, können sie noch mal wiederkommen", kritisiert Hellmann. "Ich weiß von einer syrischen Mutter mit drei Kindern, die sagt: Das ist für mich nicht zu schaffen." Hellmanns Fazit: "Das ist eine menschenverachtende Behandlung."

Das Amt für Ausländerangelegenheiten öffnet an drei Tagen in der Woche - montags, dienstags und donnerstags - morgens um 8 Uhr. Wegen der langen Schlangen, die sich schon Stunden vorher bildeten, hat die Kreisverwaltung das Warte-Prozedere zuletzt im Herbst verändert. Ende November wurde in einiger Entfernung vom Amt ein eigener, ausgelagerter Wartebereich in Betrieb genommen. Der öffnet um 6 Uhr früh, es gibt Sitzmöglichkeiten, Wachleute und sanitäre Einrichtungen. Die Besucher holen sich dort der Reihe nach eine Karte ab, mit der sie später Zugang zur Ausländerbehörde erhalten.

Dass damit irgendwann Schluss ist, wenn zu viele Leute kommen, sei nötig, um "an den Öffnungstagen eine dauerhafte Überlastung der Ausländerbehörde zu vermeiden", teilt der Kreis Kleve auf Anfrage mit. Und weiter: "Ob Personen bereits am Vorabend nach Kleve reisen, ist nicht bekannt."

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Man habe aber noch einiges getan, um des großen Andrangs Herr zu werden: ein Terminvergabesystem eingeführt, mehrfach die Öffnungszeiten angepasst, Personal aufgestockt.

Die Grünen im Kreistag beantragen, dass eine Zweigstelle des Ausländeramtes in Geldern eingerichtet wird. "Wieder", könnte man hinzufügen: Es gab mal eine Außenstelle, aber das ist Jahrzehnte her. Ehrenamtler wie Bernd Claßen und Hanneke Hellmann würden das als Riesenerleichterung begrüßen. Nicht nur für Leute aus Geldern; immerhin seien die Menschen im ganzen Südkreis betroffen.

In Kevelaer haben sich die Politik und der "Runde Tisch Flüchtlinge" dazu positioniert. "Wir appellieren an die Verantwortlichen im Kreis Kleve im Sinne der Geflüchteten und der sie begleitenden Ehrenamtler, die Einrichtung der Ausländerbehörde in Geldern ernsthaft zu prüfen", teilte Ulrich Hünerbein-Ahlers vom "Runden Tisch Flüchtlinge" mit. Der Kevelaerer Stadtrat wird sich am Donnerstag mit dem Thema befassen; die Kevelaerer Grünen bitten die Politik um eine Resolution für die Außenstelle.

Die Kreisverwaltung wollte zu der Idee im Vorfeld der politischen Beratung keine Stellung nehmen.

(RP)