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Heiße Klänge beim "Geldernsein"-Festival

Drei Tage Live-Musik in Geldern : Heiße Klänge am Holländer See

Drei Tage lang gab es beim „Geldernsein“-Festival die volle Bandbreite an Rock und Pop. Der Freitag gehörte den Rockern. Am Samstag gab es Pop, Folk, Funk, Soul und Ska. Der Sonntag wurde zur „Zukunftsbühne“.

Dieser Sound zielte auf die Beine. Was die Bands „Neon Crush“ aus Köln und „Roast Apple“ aus Hamburg dem Publikum des „Geldernsein“-Festivals boten, verdiente das Prädikat „Abtanzen unter der Glitzer-Kugel“. Fette Synthesizer-Teppiche, zum Teil vom PC generiert bei dem Quartett aus der Domstadt und Disco-Funk im Stil der 70er von der Gruppe aus dem hohen Norden, hatten das Zeug dazu, jede Tanzfläche zu füllen. In Bewegung kamen auch die Zuhörer am Holländer See. Allein verhinderten Temperaturen jenseits der 30 Grad am frühen Samstagabend allzu exzessive körperliche Aktivitäten. Was unabhängig von der Sommerhitze geboten wurde, war die vom „Geldernsein“ gewohnte musikalische Vielfalt.

Der Freitag gehörte einmal mehr den Freunden der eher harten Töne. Nach dem „durstigen Krille“ mit seinen zornigen Texten enterte das Essener Quartett „Formosa“ die große Bühne. Die Alternative-Rocker, die kürzlich beim Hurricane-Festival dabei waren, hatten mit dem Song „Crawling through the night“ eine Weltpremiere im Gepäck.

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Von der Härte und dem Tempo her legten „Neurotox“ mehr als eine Schüppe drauf. Die vier Punkrocker aus Rheinberg rasten in Höchstgeschwindigkeit durch Songs wie „Küss mich ein letztes Mal“. Nur ganz am Schluss gönnten sie sich einen balladenhaften Ruhepunkt. Den Ruf ihrer Fans nach Zugabe konnten sie wegen des straffen Festival-Zeitplans nicht erfüllen.

 Das Trio „Doctor Victor“ aus Prag sorgte für ordentlich Stimmung am Freitagabend.
Das Trio „Doctor Victor“ aus Prag sorgte für ordentlich Stimmung am Freitagabend. Foto: Norbert Prümen

Mit Spannung erwartet wurde „Doctor Victor“. Schließlich war das Trio aus Prag schon mit AC/DC auf Tour. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Sänger und Gitarrist Victor sowie seine Mitstreiter an Bass und Schlagzeug sorgten für den Höhepunkt des Freitags. In 70er-Jahre-Schlaghosen lieferten die drei Tschechen eine famose Mischung aus Rock, Blues und Glam mit feinem Gesang und instrumentaler Kompaktheit inklusive einer Cover-Version von „Purple Rain“. Eine Frau, die Victor auf die Bühne holte, tanzte wild mit. Und das Publikum jubelte.

„The Gäs“ aus Köln führte mit Hard Rock bis Mitternacht. Der Fünfer-Pack durfte den Wunsch nach Zugaben erfüllen.

Der Festival-Samstag spannte einen weiten musikalischen Bogen von Folk über Pop bis Funk, Soul und Ska. Ein Angebot, das sich übrigens auch einige Geldern-Besucher vom benachbarten Wohnmobil-Stellplatz nicht entgehen ließen. Und wieder war es ein Trio, das den musikalischen Glanzpunkt bei der Marathon-Distanz von 15 Uhr bis weit nach Mitternacht setzte: Heen. Was Heen Martens, Sänger und Gitarrist aus Köln, gemeinsam mit Bassistin Hanna von Tottleben und Schlagzeuger Vincent Golly bot, war an Intimität und Intensität kaum zu toppen. Die Marschrichtung gab Heen gleich mit dem ersten Titel vor: „It it ain’t got soul, then it don’t mean a damn thing to me“. Mit seiner markanten Stimme, die sich ab und an in höchste Höhen schraubte, und absolut souveränem Spiel auf seiner abgerockten Telecaster, immer wieder in engem Kontakt zur Bassistin, die auf ihrem Precision gerne mal den Subbass aktivierte und zwischendrin effektvolle Läufe abschoss, und dem extrem spielfreudigen Drummer brachte Heen, es war nach 22 Uhr und nicht mehr ganz so heiß, viele zum Tanzen und heimste viel Applaus ein, auch von Bürgermeister Sven Kaiser. Der Ruf nach Zugabe blieb – man lag um 22.30 Uhr gut in der Zeit – nicht unerhört.

 Ein mitreißendes Konzert gaben Heen Martens, Vincent Golly und Hanna von Tottleben.
Ein mitreißendes Konzert gaben Heen Martens, Vincent Golly und Hanna von Tottleben. Foto: Norbert Prümen

Die beiden Duos „Jeru“ und „Chamäleon“ mussten ihre Auftritte in der Nachmittagsglut vor nur wenigen Zuschauern absolvieren. Glücklicherweise etwas mehr war los, als „Threepwood’N’Strings“ ihr schönes Konzert auf die Bühne brachten. Das Quintett aus dem Ruhrgebiet, mit Ersatz-Drummerin, hat sich dem Indie-Folk verschrieben. Ihre Stücke zwischen Irish Folk, Polka, Balkan Beat und Tango erinnern an Mumford & Sons und Katzenjammer und machten vom ersten Ton an gute Laune.

 Die Band „Threepwood‘N‘Strings“ brachte Indie-Folk aus dem Ruhrgebiet nach Geldern.
Die Band „Threepwood‘N‘Strings“ brachte Indie-Folk aus dem Ruhrgebiet nach Geldern. Foto: Klatt

Wie Heen sind auch die „Scruffyheads“ so etwas wie Stammgäste beim „Geldernsein“. Die Kölner Formation stand zum dritten Mal auf der Festival-Bühne. Mit ihrer Mischung aus Swing, Ska und Reggae versorgten sie die Tanzwütigen optimal und setzten den fulminanten Schlusspunkt des zweiten Festival-tages.

Am Sonntag öffnete das „Geldernsein“ die Zukunftsbühne und sorgte für jede Menge stolzer Väter und Mütter. Denn neun Schülerbands bekamen die Chance für einen Auftritt unter professionellen Bedingungen. Eingerahmt vom Big-Band-Sound des „Speezialorchesters“ und von „Director’s Cut“ brachten die Gruppen in Kurzauftritten Hits aus Rock und Pop auf die Bühne. „Was FSGeht“ hatte mit „Seductive“ sogar einen eigenen Song mitgebracht. Und altgediente Cover-Bands können sich bald getrost zur Ruhe setzen: „Rocoleti“ spielte Klassiker wie „TNT“ und „Smoke on the water“ – die vier Jungs sind zwölf und 13 Jahre alt.

Das „Geldernsein“-Festival habe ein erfolgreiches Comeback mit einem durchweg starken Line-up gehabt, urteilen die Organisatoren. „Der Freitag war der stärkste, den wir je hatten, und auch am Samstag waren trotz Hitze und diverser Konkurrenzveranstaltungen viele Besucher da, die richtig gut gefeiert haben.“ Auch die Zukunftsbühne am Sonntag habe sich als voller Erfolg entpuppt. 

Das Team wird sich jetzt zusammen setzen und das Wochenende im Hinblick auf ein mögliches „Geldernsein“-Festival 2023 noch einmal Revue passieren lassen.