Straelen: Haus Caen: Ein Denkmal steht leer

Straelen: Haus Caen: Ein Denkmal steht leer

Seit sieben Jahren ist das Anwesen unbewohnt. Es handelt sich um ein bedeutendes Bau-, Boden- und Naturdenkmal. Im Mittelalter auf Eichenpfählen in die sumpfige Niederung der Niers gesetzt. Parkanlage von Weyhe entworfen.

Am 23. August 2007 starb Paula Reichsfreifrau Geyr von Schweppenburg. "Seitdem wird das Haus nicht mehr bewohnt", schreibt Stefan Frankewitz () in seinem 2011 erschienenen Buch "Der Niederrhein und seine Burgen, Schlösser, Herrenhäuser an der Niers". An diesem Zustand hat sich nichts geändert, Haus Caen steht immer noch leer. Das bedauert nicht nur Bernhard Keuck. "Es handelt sich schließlich um ein bedeutendes Bau-, Boden- und Naturdenkmal", sagt Straelens Stadtarchivar.

Bewundernswert waren aus seiner Sicht schon die Bauarbeiten etwa um 1660. "Das war eine herausragende Leistung der mittelalterlichen Baumeister", urteilt Keuck. Sie rammten Eichenpfähle in die sumpfige Niederung der Niers, auf denen das Gebäude gründet. Kommen die nicht mit Luft in Berührung, halten die nach Einschätzung des Stadtarchivars eine halbe Ewigkeit. Dass die Pfähle immer mit Wasser bedeckt sind, dafür sorgt seit rund 60 Jahren eine Pumpe im Teich. Noch funktioniert die Konstruktion offenbar. "Es sind zumindest keine Setzrisse im Gebäude zu sehen", berichtet Keuck.

Haus Caen sah um 1837 so aus. Die Zeichnung fertigte Alexander Frans van Aefferden an. Foto: Stadtarchiv Straelen

Von herausragender Bedeutung ist auch die Parkanlage von Haus Caen. Sie entsprang dem glücklichen Zusammentreffen des damaligen Herrn auf Caen, Carl Ludwig Graf von Varo, mit dem Gartenbaumeister Maximilian Friedrich Weyhe. Letzterer legte eine auf der englischen Gartenphilosophie fußende Anlage an. "Runde Formen statt streng auf den Herrscher ausgerichtet", erläutert der Stadtarchivar den Unterschied zur französischen Art. Weyhe baute die Gartenidee in eine landwirtschaftlich genutzte Fläche ein.

"Das", so Keuck, "gelang ihm sonst nirgendwo." Drei Alleen mit Ahornen, Linden und Eichen wurden angelegt, Blutbuchen bildeten, die andern Bäume überragend, Blickpunkte. Da der Graf laut Keuck ein Rosen- und Blumenfreund war, finden sich im Park Mammutbäume, Sumpfzypressen und fünf Eichenarten.

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Eine botanische Vielfalt, die dafür sorgte, dass die Gegend um Haus Caen von vielen, auch seltenen, Vögeln bevölkert wurde. 1955 wurde die Umgebung rund um den Herrensitz zum Naturschutzgebiet Caenheide erklärt.

Von der Landstraße aus gut zu sehen ist außer dem Hauptgebäude und dem Teich auch die Wassermühle. Sie ist für Keuck der Grund dafür, dass sich die Varo du Magnys, eine aus Lothringen stammende Offiziersfamilie im Dienst der Habsburger, 1653 in Straelen ansiedelten und Caen kauften. Die Mühle brachte reichen Ertrag. "Alle Straelener Bäcker bekamen dort ihr Mehl", weiß Keuck. Mehrmals brannte die Mühle ab, wie auch das Haupthaus von Bränden nicht verschont blieb und in seiner jetzigen Form von 1904 datiert. Die heutige Wassermühle stammt aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1961 war sie im Dienst, nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch von einem Motor angetrieben. Einst gab es drei Mühlen an Haus Caen.

"Bei behutsamer Restaurierung müsste Haus Caen zu retten sein", befindet der Stadtarchivar. Straelens Baudezernent Harald Purath, dem ob des Leerstands des Anwesens "auch das Herz blutet", schätzt den Aufwand allerdings als nicht gering ein. "Da wäre locker ein sieben- bis achtstelliger Betrag nötig." Gerüchte über die künftige Nutzung von Haus Caen, die immer mal wieder durch Straelen schwirren, haben sich bisher als gegenstandslos erwiesen. "Uns als Bauamt und Untere Denkmalbehörde liegen keine Anzeichen für ein Projekt auf Haus Caen vor", teilt Purath mit.

Der Eigentümer von Haus Caen, Constantin Geyr Freiherr von Vlassrath, ließ mehrere Anfragen unbeantwortet.

(RP)
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