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Hans-Peter Culp verlässt die Realschule An der Fleuth

Ende der „Schulzeit“ : Der Culpinator geht

Mit Hans-Peter Culp verlässt ein Urgestein die Realschule An der Fleuth und geht in Ruhestand. Leicht fällt ihm das nicht. Es gibt für sein Amt als Konrektor bisher keinen Nachfolger. Am 7. September ist der Tag der Verabschiedung.

Dieser Mann blickt auf 40 Jahre Schulgeschichte zurück. Das bedeutet, er hat jede Menge zu erzählen. Inspiriert, Pädagoge zu werden, hat Hans-Peter Culp seine eigene Schulzeit. „Wir hatten im siebten Schuljahr einen Lehrer, der hat alle begeistert“, sagt der 65-jährige Rheinberger. „Der hatte immer so tolle Sprüche.“ Und weil Sprachen und Schönschreiben nicht so sein Ding waren, wurde Culp eben Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie.

Das mit den tollen Sprüchen, das hat er sich sozusagen abgeguckt. Um es seinen Schülern leichter zu machen, ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, wenn es mal um dröge Formeln ging. „Mathematikunterricht mit coolen Sprüchen lustiger zu machen, das geht“, sagt er aus Erfahrung. Dabei verstand er es immer, die nötige Ernsthaftigkeit für Thema und Schüler zu bewahren. Mathe sollte einfach etwas unterhaltsamer werden. Der Ausdruck „Parabeln sind sexy“ wurde von ihm geprägt.

Übrigens hat er sich durch seinen Schulunterricht einen eigenen Spitznamen verdient. Das war noch zu der Zeit, als er an der Realschule in Rheinberg unterrichtete. Ein spektakulärer Versuch erinnerte die Schüler an den Terminator. Der schlagfertige Lehrer erklärte, dass er der Culpinator sei. Und das ist er für seine Schüler bis heute.

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Manche Schüler begleiten ihn schon sehr lange. Mit seiner allerersten Klasse aus Rheinberg veranstaltet er noch alle drei bis vier Jahre ein Klassentreffen. Culp rechnet nach und lacht. Damals, 1981, waren die Schüler seiner Abschlussklasse 16 Jahre alt. Mittlerweile sind alle schon über 50. Gleichzeitig würden ihm ab und zu die Tränen kommen. Der Abschied vom Gewohnten, vom Schulleben, steht jetzt an.

Damals war die Suche nach der Herausforderung der Grund dafür, dass er die Rheinberger Realschule verließ und nach Geldern kam. Die Realschule an der Fleuth war gerade im Aufbau. „Es hat sich gezeigt, dass die vielen Kollegen, die von anderen Schulen kamen, ihre guten Dinge mitbrachten“, sagt Culp in der Rückschau. „Das haben wir immer schon so gemacht“ gab es an der neu gegründeten Schule nicht. Im Team arbeiten und die Zusammenarbeit vorantreiben, das war dem Mann, der gerne organisiert, wichtig. Im Frühjahr 2001 kam er an die Schule, den damaligen Schulleiter Hans-Peter Bappert kannte er gut. Bappert, den ehemaligen Konrektor Volker Streck und Culp verband nicht nur die Leidenschaft für die Realschule An der Fleuth, sondern auch für eine ganz bestimmte Fußballmannschaft. „Viele Dienstbesprechungen fanden auf Schalke statt“, sagt Culp verschmitzt. Natürlich nicht während des Spiels, aber auf den Fahrten dorthin oder in den Pausen.

Mit Culp verlässt nun das letzte der drei Urgesteine die Realschule an der Fleuth. Ein gutes Gefühl hat er dabei nicht, auch wenn er das passende Alter für den Ruhestand erreicht hat. Trotz mehrmaliger Ausschreibung hat sich kein Nachfolger auf seine Stelle als Konrektor beworben. Das bereitet ihm Sorge. Die Verwaltungsaufgaben würden mehr, die Kollegen hätten untereinander weniger Zeit, weil sie zwischen den Standorten Realschule An der Fleuth und dem Gebäude der ehemaligen Realschule am Westwall pendeln. Er bedauert das sehr.

Er werde sicher nicht mehr in die Versuchung kommen, morgens um fünf auf den Wecker zu hören und zur Schule fahren, sagt der Lehrer. Ruhestand ist angesagt. Aber er will seine Kollegen unterstützen, einarbeiten, wo es nötig und möglich ist. Und dann sind da auch wieder die vielen schönen Erinnerungen, die er mitnimmt. Zum Beispiel: Als Jean Pütz in der „Hobbythek“ durch viele Wohnzimmer flimmerte, nutzte Culp die Gunst der Stunde und stellte im Wahlpflichtfach im Bereich Chemie Kosmetik her. Das kam gut an. Die Schüler waren stolz. Und dann sind da noch die Pläne für ein Leben nach der Schule: endlich mal einen Schmöker zur Hand nehmen, ohne dass abends die Augen zu früh zufallen. Am liebsten soll es ein Krimi oder Thriller sein. In Haus und Garten ist einiges zu tun, und das Fahrrad steht bereit, um ein paar Runden zu drehen. Vor ein paar Jahren wäre es noch das Pferd gewesen. Gedanken, dass ihm langweilig werden könnte, macht sich Culp nicht. Er ist wohl oft in Gedanken bei seinen Kollegen. 40 Jahre Schule, die streift man nicht mal so eben ab.