Han Ruixiang aus China ist im Übersetzerkollegium in Straelen.

Professor aus China in Straelen : Ein Übersetzer großer Autoren

Han Ruixiang aus China ist „Translator in Residence“ im Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen. Er hat schon Werke von Nobelpreisträger Peter Handke und Buchpreisträger Saša Stanišic übertragen.

Noch bis November arbeitet Prof. Dr. Han Ruixiang aus China als „Translator in Residence“ im Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen an der Kuhstraße. Die insgesamt drei Monate seiner Amtszeit in dem berühmten Haus nutzt er, um an seiner aktuellen Übersetzung „Herkunft“ von Saša Stanišic zu arbeiten. Das ist jener Roman, für den der Autor kürzlich mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Und auch mit einem anderen großen Namen hatte der Professor aus dem Fernen Osten schon zu tun: Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke, der diese Auszeichnung in diesem Jahr erhielt.

Han wurde 1952 in der Provinz Shaanxi/VR geboren. „Das ist da, wo die berühmte Terrakotta Armee liegt“, verdeutlicht er lächelnd. 1991 schloss er das Studium der Germanistik in Salzburg ab und arbeitete danach vier Jahre lang in seiner Heimatstadt. Seit 1995 ist er Professor für neuere deutsche Literatur an der Beijing Foreign Studies University und seit 1999 Vizepräsident der Chinesischen Forschungsgesellschaft für deutschsprachige Literatur.

Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Texte und arbeitet darüber hinaus als Übersetzer deutscher Gegenwartsliteratur. Beispiele seiner Arbeit sind Ursula Krechels Romane „Schanghai fern von wo“ und „Landgericht“, Marcel Beyers Roman „Kaltenburg“, Volker Brauns Romane „Hinze- und Kunzeroman“ und „Unvollendete Geschichte“, Michael Kumpfmüllers Roman „Die Herrlichkeit des Lebens“ und Saša Stanišics Roman „Vor dem Fest“. 2014 gewann Han für seine Übersetzung des Romans „Shanghai fern von wo“ von Ursula Krechel den Lu-Xun-Literaturpreis.

Neben der eigenen Tätigkeit als Übersetzer stellte er bereits mehrfach Gruppen aus Germanistik-Absolventen für verschiedene Projekte zusammen. Quasi als Reservoir für die Berufsgruppe: „Es sind so schon viele junge Germanisten herangewachsen zu Übersetzern.“

Gemeinsam mit 15 Germanisten und Übersetzern übertrug Han insgesamt 27 Werke Handkes und fasste sie zu neun Sammelbänden zusammen. Er war dabei nicht nur Übersetzer, sondern auch Herausgeber und Lektor. Nach der fast acht Jahre dauernden Arbeit wurde Handke nach China eingeladen, um dort mit Han in Peking, Shanghai und anderen Städten die Bücher zu präsentieren. Am Tag nach der Nobelpreis-Vergabe an Handke erhielt Han den Anruf, dass der zuständige Verlag in China wegen hoher Nachfrage eine Neuauflage drucken werde.

Bei den eigenen Arbeiten versucht Han immer den Kontakt zu den Autoren zu halten, um so Fragen und eventuell auftretende Schwierigkeiten lösen zu können. Für „Herkunft“ ist die Rohübersetzung bereits fertig. In Straelen hat Han die Möglichkeit, in aller Ruhe und ohne Unterbrechungen den Text Korrektur zu lesen.

Vom EÜK zeigte er sich begeistert: „Straelen ist wirklich klein und hat so ein wichtiges Haus für die Welt. Hier kann ich ohne Störungen und Ablenkung arbeiten. Es ist ein Paradies für Literatur-Übersetzer aus aller Welt.“

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