Gymnasium und Sekundarschule in Straelen kooperieren.

Straelen: Gemeinsam für Straelens Schuldorf

Gymnasium und Sekundarschule wenden sich gegen Zweifel an funktionierender Zusammenarbeit. Es wird eingeräumt: In der für alle neuen Situation gibt es noch Luft nach oben. Dank an den Schulträger.

Für Michael Schwär geht es darum, das „Bild in der Bevölkerung gerade zu rücken“. Damit nimmt der Leiter der Sekundarschule Straelen/Wachtendonk Bezug auf eine rund zwei Monate zurückliegende Berichterstattung. Damals hatten in der RP einige Kerkener Eltern nach einer Straelener Ausschuss-Sitzung ihre Zweifel daran geäußert, ob es denn mit der Kooperation zwischen Gymnasium und Sekundarschule in Straelen so klappe wie gewünscht. Schwär sowie Heike Hoßbach als Leiterin des Gymnasiums führten beim Pressegespräch am Donnerstag viele Beispiele dafür an, die für sie belegen, dass bei der im November 2011 gestarteten Zusammenarbeit alles im grünen Bereich sei.

Kooperation bestehe auf der fachlichen und personellen Ebene, bei der Medienerziehung, bei der Berufsinformation, bei der Gesundheitserziehung sowie durch viele Aktivitäten im Schulalltag, zum Beispiel durch gemeinsame Sitzungen der beiden Fördervereine oder durch die Teilnahme an der Ausbildungsmesse. Auch die gemeinsame Belegung der Sporthallen zählt laut Schwär dazu, ebenso der Austausch bei Musik und Technik. Nicht außen vor gelassen wird im „Schuldorf“ die Grundschule. „Es kommt regelmäßig zu Dreiertreffen der Schulleiter“, berichtet Hoßbach. Viel Gemeinsames sei für die Beteiligten selbstverständlich, viele Facetten der Kooperation seien aber in der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Besonderes Augenmerk legten die beiden Pädagogen im Gespräch auf die Medienerziehung. „Das haben wir gemeinsam auf die Beine gestellt“, erklärte Hoßbach. „Da sind wir innovativ unterwegs“, ergänzte Schwär. Katja Pannen, die stellvertretende Leiterin der Sekundarschule, installierte diesen Bereich an beiden Schulen. Medienscouts wurden ausgebildet, es gab eine mehrjährige gemeinsame Fortbildung zu neuen Medien, begleitet durch das Learning Lab der Uni Duisburg. Der gemeinsame Medienentwicklungsplan entstand zusammen mit der Stadt und deren IT-Beauftragten. Die Digitalisierung an beiden Schulen wurde intensiv ausgebaut, zum Beispiel durch den Aufbau eines gemeinsamen Ausleihpools mobiler Geräte und den Aufbau eines offenen W-Lan-Netzes in beiden Schulgebäuden.

„Was Straelen hier macht, ist modellbildend“, meint Heike Hoßbach. In der vergangenen Woche habe man sich als Referenzschule „Digitalisierung/freie Übungszeit“ beworben. Michael Schwär lobte in diesem Zusammenhang nicht zuletzt die Stadt: „Der Schulträger hat bisher großzügig gehandelt“, meinte er mit Blick auf die Ausstattung unter anderem mit Smartboards und Beamern.

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Zweifel an der Durchlässigkeit, also daran, dass Sekundarschüler dank der Kooperation mit dem Gymnasium zum Abitur kommen können, zerstreute Heike Hoßbach: „Jeder Schüler, der die Qualifikation hat, kann in der gymnasialen Oberstufe aufgenommen werden.“ Die Tatsache, dass diesen Wechsel von der ersten Sekundarschulklasse zehn niemand gemacht hat, erklärte sie als „für das erste Jahr normal“.

Die Durchlässigkeit in den unteren Klassen klappe schon hervorragend, betonte Katja Pannen. „Doch das ist für uns alles noch neu, es gibt noch Luft nach oben.“ Sie regte an, am Anfang der Stufe zehn mehrere gemeinsame Projekte zu machen, damit Schranken und Hemmungen fallen. Laut Bernd Heines, Abteilungsleiter für die Klassen acht bis zehn an der Sekundarschule, sei es in der Profilbildung der Klasse zehn bisher vorwiegend um die Beschäftigung mit Berufsfeldern gegangen. Jetzt werde auch „Kennenlernen einer Oberstufe“ angeboten, was Schülern die Stoffe in Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Gymnasium und Berufskolleg vermittelt. Noch enger und bequemer gehe der Austausch nicht, um Hemmschwellen abzubauen und den Jugendlichen klar zu machen, ob die gymnasiale Oberstufe für sie zu schaffen ist. Auch gelte es, die Eltern zu fragen: „Was ist der gute Weg für dein Kind?“ Heines: „Die Vielfalt ist für uns Pädagogen eine zusätzliche Aufgabe.“

Die Pädagogen warben für den Straelener Weg. „Die Sekundarschule hat den gleichen Lehrplan wie die Gesamtschule“, stellte Katja Pannen klar. Sie sei ein kleineres System, das näher am Schüler arbeiten kann. Ähnlich argumentierte Heike Hoßbach für die Oberstufe. „Wir sind da nicht so anonym wie im großen Berufskolleg.“