Grundschüler aus Aldekerk werden zu Artisten in der Manege

Schulprojekt : Manege frei für die Schüler aus Aldekerk

„Circus Lollipop“ ist wieder an der St.-Petrus-Grundschule zu Gast. In nur einer Woche haben die Artisten mit 214 Schülern ein Programm für drei Vorstellungen auf die Beine gestellt. Restkarten sind noch zu bekommen.

Aldekerk Im roten Zirkuszelt auf dem Schulhof der St.-Petrus-Grundschule macht sich Maya für ihren Auftritt bereit. Die Hände in die Hüften gestemmt, schreitet die Drittklässlerin nach vorne, steigt mit ihren Schläppchen auf ein Trapez und fährt damit in die Höhe.

Bereits zum vierten Mal können die Schüler für ein paar Stunden Klassenzimmer gegen Manege tauschen. Hier trainieren sie mit den Artisten des „Circus’ Lollipop“ und studieren eine richtige Choreografie ein. Denn am Ende der Woche sollen alle 214 Schüler eine eigene Zirkus-Vorstellung geben.

„Im Zirkus können auch Kinder ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, die sie vielleicht im normalen Schulalltag nicht zeigen würden“, sagt Schulleiter Sebastian Bödeker. So manches Kind sei schon über sich hinausgewachsen und beweisen ungeahnte Talente. Zu Beginn der Projektwoche hatte jedes Kind die Möglichkeit, sich eine Disziplin auszusuchen. Zur Wahl standen unter anderem Seilakrobatik, Witzeln mit den Clowns oder Trapezkunst.

Maya hat sich direkt für das Trapez entschieden. „Ich übe jeden Tag an unserem Baum“, erzählt sie. Damit auch bei den Kunststücken in schwindelerregender Höhe nichts passiert, sind alle Kinder durch Gurte gesichert. Und auch die fünf Artisten, die die Kunststücke mit den Kindern einstudieren, sind immer in der Nähe.

Bei allen Übungen sind die fünf professionellen Artisten vom „Circus Lollipop“ an der Seite der Schüler. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Einen guten Gleichgewichtssinn und Körpergefühl bringen viele Kinder jedoch schon von alleine mit. Furchtlos schwingen sie alleine oder wie Maya an den Händen von Zirkusdirektor Henry Brumbach durch durch die Manege. Diesen begrüßen die Kinder am liebsten mit dem Schlachtruf „Henriette Fahrradkette“. Brumbach ist selbst im Zirkus aufgewachsen und hat über 35 Länder bereist. „Die Arbeit mit den Kindern begeistert mich an jeder Schule aufs Neue“, sagt der 26-Jährige.

Jährlich ist der Zirkus an rund 50 Schulen und Jugendzentren deutschlandweit unterwegs – an der St.-Petrus-Grundschule bereits zum vierten Mal. „Wir holen den Zirkus alle vier Jahre an die Schule, damit jedes Kind in seiner Schulzeit einmal bei einer Zirkusaufführung dabei sein kann“, sagt Rektor Bödeker.

Die Zauberer üben ihre Tricks in der Turnhalle ein. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Auch die Kinder, die die Schule bereits verlassen haben, kehren zur Zirkusvorstellung gerne zurück. „Meine Tochter ist 14, aber sie hat die Woche im Schulzirkus damals so begeistert, dass sie sich die Vorstellung immer noch gerne anschaut“, sagt Ulrike Bode, die im Sekretariat der Schule arbeitet.

Drittklässlerin Maya schwingt an den Händen von Zirkusdirektor Henry Brumbach durch die Manege. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Auch Schüler Frederik hat den Zirkus schon als Zuschauer besucht, damals ging seine Schwester noch auf die Grundschule. „Ich habe mich all die Jahre schon drauf gefreut, selbst mitmachen zu können“, sagt der Viertklässler. Alice und Melina haben dagegen Glück. Die beiden Erstklässlerinnen mussten nicht mehrere Grundschuljahre ausharren, bis der Zirkus kommt.Sie haben sich für Akrobatik entschieden und warten in einem Stuhlkreis hinter dem Manegevorhang darauf, dass sie an der Reihe sind. „Weil wir beste Freundinnen sind, haben wir die gleiche Disziplin gewählt“, sagt Alice. Gemeinsam mit ihrem Trainer werden sie eine Brücke und Stand auf seinen Händen vollführen. „Pass auf, da flieg ich wie eine Rakete“, sagt Alice und macht eine Superfraupose. Wie auch die meisten anderen Kinder, ist sie schon aufgeregt – denn pro Vorstellung werden bis zu 400 Karten verkauft.

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