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Geldern: Grenzübergreifende Reise ins Mittelalter

Geldern : Grenzübergreifende Reise ins Mittelalter

Mit Hundertschaften an Besuchern etablierte sich das erste internationale Ritterspektakel in Arcen. Ritter-Duelle, authentisches Lebensgefühl - und alles in den traumhaften Gärten des Schlosses.

Beide Reiter legen aufeinander an. Die Lanzen haben sie sicher im Griff. Auf ein Signal hin preschen beide, gekleidet in voller Ritterrüstung, aufeinander los. Der Holzaufsatz einer Lanze splittert, einer der wackeren Recken strauchelt, der andere nimmt seine Kopfbedeckung ab und offenbart, dass sich unter all dem Eisen eine Frau versteckt hat. So etwas hätte es früher nicht gegeben, da kann das richtige Mittelalter nur verlieren. Denn nicht nur dürfen jetzt auch taffe Damen ihr Können zeigen, sondern das internationale Ritterspektakel brachte auch all das, was interessant war zu der damaligen Zeit - nur eben ohne die unangenehmen Kleinigkeiten wie Pest, Armut und raue Sitten.

In den Schlossgärten Arcen wurden die zahllosen Besucher nämlich von dem freundlichen Organisationsteam vor Ort begrüßt und konnten sich bei den anwesenden Nachstell-Gruppen neugierig-interessiert durchfragen. Die angepeilte Zeit des Nachspielens war dabei die spätere zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eine Zeit, in der Gabeln noch nicht auf den Tisch gehörten und viele Schlachten das Bild prägten.

Viel zu sehen für die Zuschauer

Etliche davon wurden für die staunenden Zuschauer am Sonntag und Montag nachgestellt. Von 11 bis 16 Uhr fanden Ritterspiele, Raubvogeldemonstrationen und Feldschlachten statt. Bei letztgenannter handelte es sich um einen Konflikt zwischen Arcen und Venlo. "Wir ziehen für Venlo in die Schlacht", erklärte Uwe von Ruskowsky von der "Niederrheinischen Ordonnanz", einer Wiederaufführungsgruppe aus Nordrhein-Westfalen. "Die Bogenschützen haben am Tag zuvor etwas geprobt, beim Rest gilt die Improvisation. Man muss natürlich etwas aufpassen, aber das klappt schon."

Und wie beantwortet er die typische Frage, was denn die Faszination dieses Mittelalter-Nachstellens ausmacht? "Es geht um die Detailgenauigkeit. Eigentlich alles, was wir hier dabei haben, ist selbst gemacht, und das Nachlesen und Aufpassen, dass auch alles korrekt ist, macht schon viel Freude." Martin Schmidt brachte es ansonsten mit "man kann einfach mal abschalten, muss nicht dauernd irgendwo anrufen, man kann einfach mal dem Alltag entfliehen" wunderbar auf den Punkt.

Bei der Feldschlacht ging es heiß her

Bei den jeweils 30 Kämpfer umfassenden Kampfgruppen auf beiden Seiten der Feldschlacht stand die "Compagnie van Brederode" für die Ortschaft Arcen. Doch bevor es in die Schlacht ging, wurde erst einmal ein zünftiger Beinschinken ganz nach Art des 15. Jahrhunderts auf dem offenen Feuer zubereitet "was generell heißt, dass man sehr lange dafür braucht", erklärte einer der Krieger.

Und all das wunderschön zum Leben erweckte Mittelalter hatte mit den malerischen Schlossgärten seine perfekte Kulisse gefunden, so dass manch ein Besucher sich auch zwei Tage hintereinander gar nicht satt sehen konnte: "Der Ort, die tolle Bebauung, hier ist es einfach zum Verlieben", fand Miriam Klaaßen, die extra aus Mönchengladbach angereist war.

Und Vera Lenssen vom Marketing der Kasteeltuinen Arcen verriet in diesem Zusammenhang "dass wir, auch was die Besucherzahlen angeht, mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind". Da dürfen sich die Interessenten am Mittelalter schon jetzt zu Recht auf das nächste Jahr und noch mehr gelungene Ritterspiele freuen.

(cnk)