Gisela Weise verlässt Praxis Dr. Kleinstäuber Nach 57 Jahren in den Ruhestand

Geldern · Als Gisela Weise bei seinem Vater Gero Kleinstäuber ihre Lehre als Arzthelferin begann, war Dr. Arne Kleinstäuber gerade acht Jahre alt. Nun verlässt sie das Team der Gelderner Hausarzt-Praxis am Südwall. Was sie in Zukunft machen wird.

Nach 57 Berufsjahren wurde Gisela Weise nun von ihrem Chef, Hausarzt Arne Kleinstäuber, und dem Team in den Ruhestand verabschiedet.

Nach 57 Berufsjahren wurde Gisela Weise nun von ihrem Chef, Hausarzt Arne Kleinstäuber, und dem Team in den Ruhestand verabschiedet.

Foto: Norbert Prümen

Daran werden sich die Patienten wie das Team erst gewöhnen müssen: Gisela Weise arbeitet nicht mehr in der Hausarzt-Praxis am Südwall. 57 Jahre lang war sie in der Praxis, zunächst bei Gero Kleinstäuber, dann bei seinem Sohn Arne und nach dem Umzug in den Neubau nun in der Hausarzt-Praxis.

Dr. Arne Kleinstäuber, der am Freitag eine kleine Abschiedsfeier für die treue Seele der Praxis organisiert hatte, war gerade acht Jahre alt, als Gisela Weise bei seinem Vater als Arzthelferin anfing. Dass dort eine Lehrstelle frei war, hatte ihr ihr Vater, der bei der Sparkasse arbeitete und einen guten Draht zum Arzt hatte, gesteckt. Und so begann Gisela, die damals noch Kloempges hieß, nach ihrer Schulzeit auf Michael-, Adelheid- und Liebfrauen-Realschule ihr Berufsleben dort, wo es nun auch zu Ende ging.

Die familiäre Atmosphäre schätzte die Walbeckerin an ihrem Arbeitsplatz. „Es ist eine richtige Landarztpraxis, das liegt auch daran, dass das Zuhause des Doktors direkt nebenan ist“, sagt Gisela Weise. „Seine Mutter war auch so, wenn sie einen Kuchen gebacken hatte, stand für uns auch immer was da“, sagt die Arzthelferin. Arne Kleinstäuber hat sie aufwachsen sehen, heute freut sie sich über die regelmäßigen Besuche seiner Tochter Mareile. Das gehört einfach zum Praxisalltag dazu. Mit dem Umzug sei das Team nun viel größer geworden. Die Stimmung sei immer noch herzlich, aber es ist doch anders geworden. Deshalb falle ihr jetzt der Schritt in den Ruhestand auch nicht so schwer, wie sie früher gedacht habe.

Als sie damals anfing, hieß der Beruf noch Arzthelferin, heute heißt er Medizinische Fachangestellte. „Es war noch kein richtiger Lehrberuf, man ging zur Berufsschule nach Krefeld“, erinnert sich Gisela Weise. Blut abnehmen, Spritzen setzen – das habe sie alles beim Senior, bei Dr. Gero Kleinstäuber, gelernt. Und auch bei Geburten durfte sie dabei sein. „Praktischer Arzt und Geburtshelfer“ stand auf dem Praxisschild von Dr. Gero Kleinstäuber. Nicht nur deswegen kennt sie viele der Patienten von klein auf. Die Arbeit in der Praxis, die begleitete sie auch noch nach der offiziellen Arbeitszeit. Sie kommt aus Geldern, wohnt seit einigen Jahren in Walbeck. Es kommt nicht selten vor, dass sie mit Menschen, die sie aus der Praxis kennt, im Supermarkt ins Gespräch kommt und den wieder verlässt, ohne etwas einzukaufen. Dann war das Gespräch in dem Moment einfach wichtiger.

„Für mich ist sie ein wandelndes Lexikon aus der Vor-Computerzeit“, sagt Arne Kleinstäuber. „Sie weiß ohnehin mehr, als mein Computer an Kapazität hat.“ Für ihn, der sie schon von Kindheit an kannte, war einfach selbstverständlich gewesen, dass sie immer da war. Heute wisse er schon, dass der Wechsel vom Vater auf den Sohn auch für sie als Mitarbeiterin sicherlich nicht so einfach gewesen sei. In der Praxis habe sie ihm immer den Rücken freigehalten. „Ich wusste, vorne lief die Kiste und konnte mir Zeit für die Patienten lassen“, so Kleinstäuber am Freitag bei der Verabschiedung.

Was macht Gisela Weise nun mIt der vielen Freizeit? „Wir haben uns einen Camper zugelegt, das war schon immer ein Traum meines Mannes.“ Damit werde man nun quer durch Deutschland reisen. Und weiterhin viel Fahrrad fahren. „Man kennt mich ja sowieso nur auf dem Fahrrad.“ Damit sei sie auch oft zur Arbeit gefahren, lacht sie. Zum Abschied gab es für sie als Geschenk in alter Familientradition der Kleinstäubers einen Engel von Wendt & Kühn. Und selbst gebackene Plätzchen von Seniorchefin Ruth Kleinstäuber. Ihr Vater Ernst Schild eröffnete 1919 die Praxis, die bis heute in Familienhand ist.

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