Geldern: Gesamtschule: Es wird eng

Geldern : Gesamtschule: Es wird eng

Gelderns Politik und Verwaltung hoffen, dass das Schulministerium doch noch die Gründung einer größeren Gesamtschule mit sechs Klassen genehmigt. Sonst bleiben 20 Kinder auf der Strecke.

Noch immer hängen die Familien in der Luft: Sie wissen nicht, ob ihre Kinder, die sie bei der Gesamtschule in Geldern angemeldet haben, dort angenommen werden. Wenn die "Sechszügigkeit" nicht genehmigt wird - also eine Schulgründung mit sechs fünften Klassen - bekommen 20 Kinder keinen Platz.

Was tut die Stadt Geldern?

Am Montag hat Bürgermeister Sven Kaiser die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer angeschrieben. Geldern hofft, dass von dort aus das genehmigt wird, was die Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Genehmigungsbehörde bislang ablehnt. Deren Haltung ist: So lange die Stadt Straelen nicht zustimmt, darf es keine "Sechszügigkeit" geben. Kaiser erklärt, er habe mit seinem Straelener Amtskollegen Hans-Josef Linßen gesprochen, doch Straelen bleibe bei der Ablehnung.

Welche Rolle spielt Wachtendonk?

Auch Wachtendonk verweigert die Zustimmung zur Sechszügigkeit. Das ist aber nicht ausschlaggebend, denn aus Wachtendonk wurde nur ein einziges Kind angemeldet. Aus Straelen sind es zehn. Würde Straelen zustimmen, würde die Sechszügigkeit abgesegnet.

Wenn es nur fünf Eingangsklassen gibt - wie wird entschieden, welche Kinder abgelehnt werden?

Kinder aus Straelen und Wachtendonk müssen nach der Rechtsauffassung der Stadt Geldern sämtlich abgelehnt werden, weil die beiden Kommunen der Beschulung nicht zugestimmt haben. Das erläutert der Gelderner Schuldezernent Helmut Holla.

Kinder aus Kerken und Kevelaer wären ebenfalls abzulehnen. Diese Kommunen sind mit der Sechszügigkeit zwar einverstanden, sie haben aber eine eigene Gesamtschule. Bei zwei Familien geht es in die Einzelfallprüfung, sie wohnen nämlich exakt auf der Ortsgrenze von Kevelaer und Kapellen.

Wer kommt ins Losverfahren?

Werden die Anmeldungen aus Straelen, Wachtendonk, Kerken und Kevelaer abgelehnt, bleiben 138 übrig. Das sind für fünf Schulklassen exakt drei zu viel, es werden 135 Kinder angenommen.

Es greifen Kriterien, nach denen darüber entschieden wird. So werden Förderkinder und Geflüchtete nicht abgelehnt. Ferner werden "ausgewogene" Anteile von Mädchen und Jungen, von Kindern mit Migrationshintergrund und von Kindern mit unterschiedlichem Leistungsstand eingeplant. Der Schulweg oder der Besuch der Grundschule kann bei Kindern aus Geldern ins Gewicht fallen. So kommen immer mehr Familien an sichere Plätze, aber, so Helmut Holla: "Ganz am Ende wird es auf ein Losverfahren hinauslaufen." Dann entscheidet der Zufall.

Abseits der Kriterien bleibt Familien der Weg über Härtefallregelungen, um sich einen Platz zu erstreiten.

Was ist mit den Kindern aus Kerken, die von der dortigen Gesamtschule abgelehnt wurden? Sie können ja nicht in "ihrer" Gemeinde unterkommen.

Nach der Einschätzung von Helmut Holla ist das schulrechtlich gesehen "zwar bedauerlich", ändert aber nichts am Grundsatz: Für Schüler aus Gemeinden, die selbst eine Gesamtschule haben, gibt es keinen Platz.

Was sagt die Politik?

Der Schulausschuss des Gelderner Stadtrates hat einstimmig beschlossen, dass die Gesamtschule mit sechs Eingangsklassen gegründet werden soll. Das ist allerdings ein symbolischer Akt - eine Botschaft an die Bezirksregierung. Stadtverwaltung und Politik erwarten, dass die Behörde den Beschluss für rechtswidrig erklärt und einkassiert. Wegen der Genehmigungslage sieht sich die Stadtverwaltung auch gezwungen, das beschriebene Auswahlverfahren für die Schüler anzugehen. Aber, so der SPD-Fraktionschef Andreas van Bebber im Schulausschuss: "Dann hätte die Bezirksregierung wenigstens mal deutlich gehört, was wir wollen." Das Gremium stimmte dieser Sichtweise voll zu. Wenn nur fünf Klassen genehmigt werden, sind diese proppenvoll. Welche Folge hat das?

Das Offensichtliche: Die Unterrichtssituation ist von Anfang an angespannter. Lucas van Stephoudt (FDP) blickte im Schulausschuss zudem in die Zukunft: Was, wenn in kommenden Jahren noch Kinder hinzukommen, sei es von anderen Schulen oder durch Zuzug? Er wollte wissen, ob dann eine weitere Klasse aufgemacht werden könne: "Ist das rechtlich möglich, oder ist dieser Jahrgang jetzt für immer gedeckelt?" Eine klare Antwort gab es darauf nicht: Was dann geschieht, muss sich zeigen.

Was tut die Elterninitiative?

Die Elterninitiative Gesamtschule Geldern bietet Eltern, deren Kinder abgelehnt werden, Beratung an. Sie fordert Betroffene dazu auf, Widerspruch einzulegen und sich juristischen Beistand zu suchen. Sie hat ebenfalls das Schulministerium und inzwischen wiederholt die Bezirksregierung angeschrieben. In einem Brief von gestern fordert die Initiative die Behörde auf, dem Elternwillen zu folgen. Die Bildung von nur fünf Eingangsklassen sei "fahrlässig".

(RP)
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