Gelderland: Gesamtschule: Eltern wollen Antworten

Gelderland: Gesamtschule: Eltern wollen Antworten

Familien aus Kerken nehmen die Politik der Nachbarkommunen in die Pflicht, die sich gegen eine größere Gesamtschule in Geldern wehren. Sie fürchten, dass ihre Kinder deshalb gar nicht an einer Gesamtschule unterkommen, und fordern Stellungnahmen.

Die Unterzeichnerinnen sind fünf Mütter von Viertklässlern, die schon an der Gesamtschule in Kerken keinen Platz bekommen haben. "Jetzt möchten wir von Ihnen gerne wissen, wo unsere Kinder zur Schule gehen sollen, falls wir Absagen aus Geldern erhalten sollten. Welche Alternativen gibt es dann noch?", fragen sie die Politiker in einem offenen Brief, der heute an die Ratsparteien von Straelen und Wachtendonk und an die Bezirksregierung herausgeht.

Sie hätten sich bewusst für die Schulform "Gesamtschule" entschieden. "Wir sind bereits in Aldekerk über ein Losverfahren ausgeschieden. Unter anderem auch, weil Kerken Schülerinnen und Schüler aus Straelen und Wachtendonk aufgenommen hat. Manche von uns mussten sogar schon zwei Absagen verkraften", führen sie aus.

Und nun darf die Gesamtschule in Geldern im Sommer voraussichtlich nur mit fünf Klassen gegründet werden. Die Stadt Geldern würde gerne sechs Eingangslassen anbieten, aber das gehe nur mit der Zustimmung der Nachbarkommunen, erläutert sie. Straelen und Wachtendonk haben sich allerdings klar dagegen gestellt, und zwar mit Blick auf sinkende Anmeldezahlen an der gemeinsamen Sekundarschule.

Die Eltern stellen den Sinn dieses Widerstands ganz generell infrage. "Glauben Sie wirklich, durch diesen Entscheid die Schulform der Sekundarschule retten zu können? Hinterfragen Sie bitte, warum die Sekundarschule Straelen/Wachtendonk so wenige Anmeldungen bekommen hat. Auch Schülerinnen und Schüler aus Straelen und Wachtendonk nehmen lieber einen längeren Schulweg in Kauf, um sich an einer Gesamtschule anzumelden", argumentieren sie. "Die Eltern wollen die Gesamtschule, das geht aus den Anmeldezahlen ganz klar hervor. Und das nicht erst seit diesem Jahr."

Die Absender thematisieren in dem Schreiben auch, wie belastend Ablehnungen für die Familien und vor allem die Viertklässler selbst sind. "Wir Eltern sind es, die diese Nachricht ihren Kindern überbringen müssen. Einige können vor Sorgen schlecht einschlafen, andere möchten ihre alten Freunde nicht mehr treffen, da diese bereits wissen, wo sie zur Schule gehen werden. Viele Kinder haben bereits erste Kennlerntreffen der weiterführenden Schulen. Auch das bekommen doch die Schülerinnen und Schüler mit, und machen sich Gedanken über den eigenen Werdegang."

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Sie fürchten, dass ihre Kinder womöglich glauben könnten, das Problem könne an ihnen selbst liegen. Sie stellen die Frage, ob die Verantwortlichen selbst Kinder oder Enkel haben, die betroffen sind, und wollen wissen, wie sie mit einer weiteren Absage umgehen sollen.

Eine der Unterzeichnerinnen, Karin Schmidt aus Kerken, bittet in einem weiteren, persönlichen offenen Brief ebenfalls um eine Stellungnahme des Schulministeriums und der Politiker. Sie schildert, wie ihr Sohn erst in Sevelen, dann in Aldekerk nach Losverfahren abgelehnt wurde, nun droht ihm das gleiche Schicksal in Geldern.

"Wir wohnen in einer Gemeinde, die eine eigene Gesamtschule hat, an der Kinder aus der Gemeinde aber abgelehnt werden, weil Kinder aus anderen Gemeinden angenommen werden. Aus Kommunen wie Straelen und Wachtendonk, in denen die Politik sich gegen die einmalige Genehmigung der sechs Eingangsklassen an der Gesamtschule in Geldern stellt. Die Stadt Straelen tut dies nur, um die Sekundarschule am Leben zu erhalten, ohne Bedacht was sie den Kindern damit antun, die diese Schule nicht besuchen möchten", so Schmidt.

Sie fordert die Politiker in Straelen und Wachtendonk auf, ihre Motive zu hinterfragen und den Wunsch der Familien nach einem Platz an der Gesamtschule in Geldern gerecht zu werden. Die Sekundarschule werde durch ihre Ablehnung "nicht eine Familie dazugewinnen können", schreibt sie. "Es macht mich wütend, mit ansehen zu müssen, wie Sie mit der Zukunft meines Kindes umgehen, und zugleich traurig."

(RP)