Gelderland: Gema-Schock für Party-Macher

Gelderland : Gema-Schock für Party-Macher

Große Unruhe herrscht derzeit unter Fest-Veranstaltern im Gelderland wegen der neuen Gema-Tarife. Zum Teil müssen sie ab nächstem Jahr mehr als doppelt so hohe Kosten tragen. Es ertönt der Hilferuf nach der Politik.

Johannes Pieper ist geschockt. Nachdem er die RP-Meldung über neue Gema-Gebühren gelesen hatte, schaute er sich im Internet den neuen Tarif an. "Es hat mir die Socken ausgezogen", sagt Pieper, der einer der Veranstalter des Straelener Oktoberfestes an der Hubertusstraße ist. Für diese zweitägige Veranstaltung mussten bisher netto 3129,60 Euro an die Gema abgeführt werden. Mit den Sätzen, die ab 1. Januar 2013 gelten, würden künftig 7020 Euro plus Umsatzsteuer fällig. Mehr als 120 Prozent Preissteigerung.

Auf dem Oktoberfest in Straelen fließt nicht nur das Bier in Strömen, es wird auch kräftig gesungen im Festzelt. Foto: Hans-Ulrich Kreß

Für Pieper Wahnsinn. "Da bekommt die Gema ja mehr als die Band aus Österreich samt Technikern, die beim Oktoberfest 2012 in Straelen auftritt." Als Wucher bezeichnet er die Gema-Gebühren. "Für mich ist das Ausnutzung einer Zwangslage, also nach Paragraf 138 BGB ein sittenwidriges Rechtsgeschäft."

Josef Muysers, Pressesprecher der GKG "Narrenschiff" in Straelen, hatte von der neuen Staffelung noch nichts gehört, reagierte aber erschrocken auf den RP-Anruf. Die Straelener Karnevalisten haben mit dem Tanz um den Weinbrunnen und Altweiber im Festzelt Großveranstaltungen im Programm. "Da werden wir wohl den Eintritt erhöhen beziehungsweise erstmals erheben müssen."

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Auch Pieper rechnet damit, dass der Eintritt fürs Oktoberfest 2013 höher ausfallen muss. Kampflos will er die neuen Gema-Tarife aber nicht hinnehmen. "Ich habe ans NRW-Verbraucherministerium geschrieben und um Hilfe gebeten." Bei der Gema hat er Widerspruch eingelegt, er würde am liebsten juristisch dagegen vorgehen, fände er Mitstreiter. Susanne Klamt von der Gema-Bezirksdirektion Dortmund weist in ihrer Antwort darauf hin, "dass trotz einer linearen Tarifanpassung weiterhin die Möglichkeit besteht, einen Antrag auf Härtefallnachlass zu stellen, wenn die Bruttoeinnahmen einer Veranstaltung im Einzelfall im groben Mißverhältnis zur Höhe des Vergütungsanspruches stehen".

Gerd Lange vom Stadtmarketing Geldern und Vertreter des Gelderner Werberings sieht vorerst keinen Grund zur Panik. "Wir haben einen sehr guten Kontakt zur Gema und haben es in den vergangenen Jahren immer geschafft, einen günstigen Tarif zu erarbeiten", erklärt er. Spielräume gebe es bei der Art der Abrechnung, etwa, ob eine Veranstaltung über die Fläche des Veranstaltungsortes oder über die Besucherzahlen abgerechnet würde.

Selbst die Geldener Straßenparty, die in jedem Jahr Tausende Besucher lockt, sieht er vorerst nicht in Gefahr. "Es stehen immer nur jeweils rund 200 Menschen vor den einzelnen Bühnen. Hochgerechnet auf fünf Bühnen am Abend liegen wir bei knapp tausend Besuchern."

Gäbe es doch ein böses Erwachen und die Stadt müsste draufzahlen, so geriete man auch hier ins Schwitzen. "Die Finanzen werden immer knapper — und die Sponsoren auch", räumt Lange ein. KOMMENTAR

(RP)
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