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Straelen: Gelungene Straelener Premiere für Robert Griess

Straelen : Gelungene Straelener Premiere für Robert Griess

Selten sind Kabarettisten mit eigenem Fahrer unterwegs. Robert Griess hat einen. Stapper heißt er und beleuchtet die Zustände aus der Sicht eines Hartz-IV-Empfängers. Während seines Gastspiels in der Mensa der Bofrost-Halle schlüpfte der Kölner Kabarettist in diese Rolle und lieferte damit den stärksten Teil seiner Premiere in der Blumenstadt.

Mit bombastischer Musik und Trump-Maske vor dem Gesicht trat Griess zunächst vor die rund 80 Zuschauer, die sich das Programm "Hauptsache, es knallt" nicht entgehen lassen wollten. In schneller Folge spulte der Gast die wohlbekannte Kritik an dem US-Präsidenten herunter, um sich danach Merkels "Biedermeier-Buddhismus" zu widmen. Die These "Demokratie lebt vom Wechsel" setzte er zu der Daueramtszeit der Kanzlerin in Beziehung, die ihr Kabinett stets gegen Begabung besetze. Er ätzte gegen Politiker, die selber lebenslang von Steuergeldern lebten, doch Menschen an den Pranger stellen, die Staatsleistungen beziehen. Das Anprangern von Doppelmoral bei Wirtschaftsbossen und Abgeordneten war ein Schwerpunkt bei Griess. Er fragte, wo das Soziale bei der SPD bleibe und das Christliche bei der CDU.

Mit dem Überstreifen eines glänzenden Blousons verwandelte sich Griess in sein Alter Ego Stapper. Der bezeichnete sich als "AfD-Zielgruppe", demaskierte die Nazi-Tendenzen in dieser Partei und beschrieb genüsslich, wie er als Unterschicht-Vertreter den Elternabend einer Waldorfschule sprengte, an der er seinen Sohn Kevin Fernando unterbringen wollte.

In orientalischem Gewand eröffnete Griess den zweiten Teil seines insgesamt rund 140-minütigen Programms. Fremdenangst war sein Thema. Gerade dort, wo die wenigsten Flüchtlinge lebten, seien die Fremdenfeindlichkeit und die AfD-Stimmenanteile am höchsten. In einem fiktiven Theaterstück fasste Griess zum Schluss seine Hauptanliegen zusammen: Banker, die auf einer Insel von hinterzogenem Geld das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer wie ein antiker Chor kommentieren. Oft sarkastisch, selten ein befreiendes Lachen zulassend. Mit "My money is over the ocean" brachte Griess das Publikum zum Mitsingen.

Und mit viel Applaus brachten die Zuhörer den Kabarettisten dazu, seinen ersten Auftritt in Straelen noch etwas zu verlängern.

(kla)