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Gelderns Kantor Dieter Lorenz erzählt über das Besondere am Kinderchor.

Kultur für Kinder im Gelderland : Gemeinschaftsprojekt Kinderchor

Einmal im Jahr wird ein großes Musikstück gezeigt. Der Kantor erzählt von den Arbeiten hinter den Kulissen.

Warum fiel die Entscheidung auf das Märchen „Tischlein deck dich“? Wer hat es ausgewählt?

Dieter Lorenz Der Kinderchor wurde im Jahr 1986 gegründet. Seit dieser Zeit haben waren viele Geldern Kinder Mitglied in diesem Chor. Neben den Gottesdiensten in der Kirche steht in jedem Jahr ein Märchenspiel auf dem Programm. Dabei haben wir uns immer auf traditionelle Märchen verständigt. Das Märchen „Tischlein deck dich" haben wir schon einmal vor zehn Jahren aufgeführt. Die Dialogtexte stammen von Birgit Lorenz, die Lieder von mir, Kantor Dieter Lorenz. Das Kinderchorteam bestehend aus Birgit Michels, Steffi Bauer, Ursula Tebartz van Elst und mir, haben sich bei der Auswahl auf dieses Stück verständigt.

Dieter Lorenz ist Kantor an St. Maria Magdalena. Foto: Klatt

Worum geht es in dem Stück?

Lorenz Es handelt von einem armen Schneider, seinen drei Söhnen und der einzigen Ziege, die diese Familie besitzt. Obwohl die Ziege auf der Weide immer zu den Söhnen sagt: „Bin so satt, mag kein Blatt“, behauptet sie abends beim Vater: „Sprang nur über Gräbelein, fraß kein einzig Blättelein“. Erst als dieser seine Söhne fortschickte, merkt er, dass die Ziege log und traurig verjagt er auch sie. In der Fremde haben die drei Söhne aber Erfolg und erhalten von ihren Meistern am Ende ihrer Lehre jeweils einen Lohn: Der Erste bekam das Tischleindeckdich, der Zweite den Goldesel und der Dritte einen Knüppel-aus-dem-Sack. Nacheinander kommen die Brüder auf dem Weg nach Hause in dieselbe Gastwirtschaft. Die ersten beiden Brüder werden dort von dem gerissenen Gastwirt um ihren Lohn betrogen. Jedoch gelingt es dem dritten Sohn den Wirt klug zu überlisten, und so kehrt er mit dem verlorenen Lohn zu dem Vater und den Brüdern zurück.

Welchen tieferen Sinn hat das Stück für Sie?

Lorenz Die Kinder erfahren bei der Vorbereitung des Stückes viel über Gerechtigkeit, dass letztendlich das gute Verhalten beim Menschen siegt. Das ist uns wichtig bei unserer Arbeit.

Seit wann laufen die Proben mit den Kindern? Wie oft proben sie?

Lorenz Mit den Proben haben wir nach den Sommerferien begonnen. Erst lernen die Kinder die Lieder, später dann die Sprechtexte. Nach den Weihnachtsferien sollen alle Texte auswendig beherrscht werden. Wir proben dann an zwei Nachmittagen in der Woche. Dabei achten wir darauf, dass für die Kinder nur kurze Probeneinheiten anfallen. Wir erstellen da einen sehr detaillierten Probenplan, damit jede einzelne Szene auch auf der großen Bühne der Aula geprobt werden kann.

Wie viele Sänger sind in dem Chor bei der Veranstaltung?

Lorenz Im Chor sind derzeit 62 Kinder, die bei unserem großen Märchenprojekt mitwirken.

Wer ist außer dem Kinderchor noch an dem Projekt beteiligt?

Lorenz Im Hintergrund arbeiten sehr viele Menschen, damit unserer Aufführung stattfinden kann. Da ist einmal das oben erwähnte Kinderchorteam, dann viele Eltern der Kinder, die sich bei verschiedenen Arbeiten einbringen, aber auch andere freiwillige Erwachsene, die schon seit vielen Jahren helfen, dass unsere Märchen auf die Bühne kommen können. Da geht es um das Transportieren des Bühnenbildes, der Kostüme und aller technischen Raffinessen und Elektro- und Toninstallationen. Auch der Aufbau der „Waffelstube", wo an beiden Tagen für das leibliche Wohl gesorgt wird gehört dazu. Kurz vor der Aufführung werden alle Dinge mit einem großen LKW zur Aula des Lise-Meitner- Gymnasiums gebracht und dort aufgebaut. Vor und hinter der Bühne sind rund 50 ehrenamtliche Helfer am Aufführungswochenende beschäftigt.

Was ist das besondere an der Aufführung?

Lorenz Das Besondere an dem Märchenspiel des Kinderchores ist, dass alle Rollen von den Kindern des Chores übernommen. Besonders ist auch, dass nahezu alle Kostüme und

auch ein Großteil der Requisiten in Eigenleistung hergestellt wurde. Natürlich verfügen wir inzwischen auch über einen großen Fundus, aus dem wir schöpfen können.

Sind noch andere Projekte für dieses Jahr geplant?

Lorenz Der Kinderchor ist in erster Linie für die musikalische Gestaltung der Familiengottesdienste in der Pfarrkirche zuständig. So werden wir nach der Märchenaufführung auch eine Hochzeit mitgestalten dürfen. Danach gilt es die Erstkommunionfeiern vorzubereiten. Auch da ist der Kinderchor natürlich eingebunden.

Für wen ist die Aufführung interessant?

Lorenz Nun die Aufführung ist für Klein und Groß interessant. Natürlich richtet sich das Stück an Familien mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter, aber auch Erwachsene und Senioren sollten es nicht verpassen. Es ist jedes Mal unglaublich, zu welchen Leistungen Kinder in der Lage sind. Von den ersten Proben bis hin zur Aufführung kann man eine enorme Entwicklung der Kinder sehen. Da gibt es wirklich viele schauspielerische Talente. Das zu erleben ist sicher eine besondere Freude.