Was Macht Eigentlich...? Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern: Gelderner Wirt vom Fernweh gepackt

Was Macht Eigentlich...? Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern: Gelderner Wirt vom Fernweh gepackt

30 Jahre lang kümmerte sich Paul Maes in der Gaststätte "Zum Mühlenturm" um seine Gäste - bei Bedarf auch bis zum Sonnenaufgang. In den 90er Jahren wurde er zudem zum Weltenbummler. Kanada ist dabei sein erklärtes Lieblingsziel.

Die erste Reise führte nachVancouver. Paul Maes und seine Freunde waren schwer beeindruckt von der Stadt, der wundervollen Landschaft und besonders vom "Capilano Suspension Bridge Park" mit der berühmten Lionsgate Bridge. Spätestens da hatte das Fernweh Paul "Päule" Maes gepackt. Der Gelderner Wirt wurde zum Weltenbummler und reiste viele Male nicht nur in sein Lieblingsland Kanada, sondern zu Fernzielen auf der ganzen Welt. Alles immer stets selbst organisiert, mit dem Auto oder mit dem Wohnmobil - und das in Zeiten, wo es bequemes Buchen per Mausklick noch nicht gab.

Foto: Maes

Was ihn so mit Begeisterung in die Ferne treibt, kann er selbst nicht erklären. Und wer ihn eher als geduldigen Gemütsmenschen hinter dem Tresen kennt, hätte ihm diese Abenteuerlust auch nicht unbedingt sofort zugetraut. In die Wiege war es ihm jedenfalls noch nicht gelegt, die Welt zu erobern. Sein Lebensmittelpunkt war immer die Heimat Geldern. 1946 geboren, seine Mutter war eine gebürtige Groterhorst, wurde er nach der Zeit auf der Michaelschule und den 18 Monaten bei der Bundeswehr Maler. Bis er 1970 mit seiner Frau Marlies, die schon in der Gaststätte arbeitete, den Kauf der Kneipe im Haus Gelderstraße 18 stemmte. "Zum Mühlenturm" oder bei Maes wurde zur Kneipe im besten Sinne, ein Treffpunkt zum Feierabendbier, Frühschoppen, Plaudern, Knobeln oder Kegeln. "Das Glas Bier kostet am Anfang 80 Pfennig" , erinnert sich Maes. Und dank seiner großen Geduld wurde das Lokal auch ein Treffpunkt für Nachtschwärmer. Wenn die anderen Kneipen geschlossen hatten, ging im "Mühlenturm" immer noch was. Marlies Maes lag dann schon im Bett, doch Paul Maes schickte niemanden nach Hause - und wenn die Sonne schon aufging. "Das war eine schöne Zeit. Wir haben viel gelacht. Ich war gern Wirt", erinnert er sich. "Die ganze Welt traf sich, darunter viele Originale."

Im Jahr 2000, ein Jahr nach dem überraschenden Tod von Marlies, gab er die Gaststätte ab. In Betrieb ist sie heute noch, und Paul Maes wohnt weiter über dem Lokal.

Wenn er nicht auf Reisen ist. Australien, Java, Bali, Neuseeland, USA, Thailand oder in Europa auch Irland - er war überall. Man lachte über 35 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer ("bei den Preisen"), Bier aus Gurkengläsern, und gemeinsam mit Roland Buschdorf brachte er in Alaska ein altes Geldern-Nummernschild auf einer Tafel an. Auch heute steigt er noch in sein Wohnmobil und fährt los, in diesem Jahr zumindest für ein paar Monate Richtung Portugal oder Spanien. Mit dabei: die beiden Hunde und das Fahrrad, das auch sein Kennzeichen ist, wenn er in Geldern unterwegs ist. Nur mit seinem zweiten Markenzeichen sieht man ihn nicht mehr. Die Pfeife rührt er schon lange nicht mehr an, nachdem er gesundheitliche Probleme hatte, ebenso ist Alkohol tabu.

(RP)