Gelderner Schüler beim Projekt "Pimp Your Town" als Lokalpolitiker aktiv

Planspiel „Pimp Your Town!“ : Das fordern Gelderns Schüler für die Stadt

Drei Tage lang waren Kinder und Jugendliche als Lokalpolitiker aktiv. In einer Ratssitzung wurden ihre Anträge debattiert und beschlossen. Ihre Themen: Klimaschutz, Schul-Modernisierungen und Freizeitangebote.

 Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser hatte extra noch die Amtskette angelegt, bevor er am Mittwochmittag die Ratssitzung eröffnete. Den Ratsmitgliedern wollte er so symbolisieren, dass eine besondere Sitzung bevorstand. Besonders war sie deshalb, weil im Rat nicht die üblichen Mitglieder saßen, sondern mehr als 70 Gelderner Schüler.

Seit Montag waren Schüler vom Friedrich-Spee- (FSG) und Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) sowie von den Realschulen An der Fleuth sowie der Liebfrauenschule für drei Tage im Rahmen des Planspiels „Pimp Your Town!“ in die Rolle der hiesigen Lokalpolitiker geschlüpft. Den Höhepunkt des Projekts bildete die fiktive Ratssitzung, die von Bürgermeister Sven Kaiser geleitet wurde und in der abschließend über die zuvor erarbeiteten Anträge abgestimmt wurde. Jede Schule bildete eine Fraktion und entsandte Mitglieder in die fiktiven Ausschüsse „Bau, Umwelt und Energie“, „Jugend, Soziales und Bildung“ und „Tourismus, Kultur und Sport“. Eine Klasse, die der Liebfrauenschule, begleitete das Planspiel als Presse-Gruppe.

Bürgermeister Sven Kaiser im Interview mit der Presse-Gruppe der Liebfrauenschule. . Foto: Evers, Gottfried (eve)

18 Anträge hatten es auf die Tagesordnung der Ratssitzung geschafft. Die Themenschwerpunkte: Klimaschutzmaßnahmen, Modernisierung der Schulen und Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche. Was auffiel: Viele der beantragten Verbesserungen wiesen einen hohen Realitätsbezug auf, sie reihten sich ein in aktuell geführte Debatten.

So beschloss der fiktive Stadtrat am Ende unter anderem ein Plastiktütenverbot für den Wochenmarkt, eine bessere Aufklärung über die Folgen von Steingärten oder mehr frei nutzbare Fitnessgeräte im öffentlichen Raum, zum Beispiel im Egmondpark. Ganz genau hörte Bürgermeister Kaiser hin, als über die Renovierung und Modernisierung der Schulen diskutiert wurde. Die Fraktion LMG beantragte, dass die Schulen mit renovierten Sanitäranlagen und moderner Technik ausgestattet werden sollen. Die Fraktionen des FSG und der Realschule an der Fleuth berichteten ebenfalls über schlechte Zustände. „Die Sanitäranlagen an unserer Schule sind sehr, sehr schlimm“, sagte ein Schüler der Realschule, der derzeit im Westwall unterrichtet wird. Ein Schüler des FSG beklagte sich über die schlecht funktionierenden Heizungen, was vor allem im Winter ärgerlich sei. Das Abstimmungsergebnis dürfte die „echten“ Lokalpolitiker aufhorchen lassen: Einstimmig wurde der LMG-Antrag angenommen.

Die Ideen und Antragsvorschläge wurden bereits am Montag festgelegt. Am Dienstag wurden die Schüler vor den fiktiven Ausschusssitzungen in den Fraktionsberatungen von neun „echten“ Ratsmitgliedern unterstützt. Unter anderem vom langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Hejo Eicker. „Es hat richtig Spaß gemacht und es war toll zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit die Schüler die Themen diskutiert haben. Das war wirklich basisdemokratisches Arbeiten.“ Zudem hätten ihm die Gespräche mit den Jungpolitikern gezeigt, an welchen Stellen bei Stadtverwaltung und Politik Verbesserungsbedarf bestehe.

„Es gab einige Punkte, zum Beispiel bei den Debatten um öffentliche Fitnessgeräte, um eine öffentliche Toilette oder um mehr Buslinien für die Ortschaften, bei denen man merkte, dass ihnen die bestehenden Angebote gar nicht bekannt waren“, sagte Eicker. Die Stadtverwaltung habe zwar schon sehr viel Informationsarbeit geleistet, „es zeigt aber, dass wir weiterhin aktiv bleiben müssen, um auf die existierenden Angebote aufmerksam zu machen.“

Kaiser zeigte nach dem Ende der Ratssitzung großes Interesse, das Projekt von nun an regelmäßig durchführen zu wollen. „Ob jedes Jahr oder nur alle zwei Jahre“, sagte er. „Das müssen mit den jetzt beteiligt gewesenen Schulen besprechen. Durch das Projekt haben wir jedenfalls den Vorteil, automatisch auf die Themen aufmerksam zu werden, die junge Bürger gerade beschäftigen.“ Er versprach, einige der Anträge mit seinen Mitarbeitern besprechen zu wollen.

„Mir hat besonders gut gefallen, dass das Projekt über ein reines Rollenspiel hinausgeht, weil unsere Ideen auch wirklich umgesetzt werden können“, sagte Alexander Gromeleit, Schüler am FSG. „Das Spannende passiert jetzt, wenn die fiktiven Anträge mit in die reale Politik genommen werden“, sagte Stefan van Wickern, Lehrer am FSG. „Wir werden im Unterricht auf jeden Fall überprüfen, was aus den Vorschlägen geworden ist.“

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