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Gelderner Krankenhaus arbeitet mit Universität Maastricht zusammen

St.-Clemens-Hospital arbeitet mit Uni Maastricht zusammen : Geldern wird Ziel für Jungmediziner

Das St.-Clemens-Hospital ist zum Akademischen Lehrkrankenhaus ernannt worden und arbeitet ab sofort eng mit der Universität Maastricht zusammen. Die ersten Studenten kommen im Herbst, darunter der 21-jährige Anton Fink.

(RP) Da zeichnet sich eine echte „Win-win-Situation“ für alle Beteiligten ab. Das Gelderner St.-Clemens-Hospital ist neuer Partner der Universität Maastricht. Die ersten Medizinstudenten aus den Niederlanden werden im Herbst erwartet, das Gelderner Ärzteteam unterstützen und wertvolle Praxiserfahrungen sammeln. Vorangegangen ist ein intensives Prüfverfahren, in dem die Gelderner Einrichtung ihre besondere Befähigung zur Mediziner-Ausbildung unter Beweis gestellt hatte und schließlich zum Akademischen Lehrkrankenhaus ernannt wurde.

„Wir haben uns intensiv um die Anerkennung seitens der niederländischen Universität beworben. Mit unserem breit aufgestellten Leistungsspektrum, einer modernen Gerätemedizin und flachen Hierarchien haben wir die verantwortlichen Professoren überzeugt. Jetzt freuen wir uns auf die ersten Studierenden, die ihre Praxismodule in unserem Haus absolvieren“, sagt Christoph Weß, Kaufmännischer Direktor des Gelderner Krankenhauses.

Der Gelderner Chefarzt Andreas Fußhöller wird sich um die jungen Kollegen kümmern. Foto: Tilman Kleinelützum

Zu den neuen Mitarbeitern, die am Beginn ihrer medizinischen Laufbahn stehen, gehört Anton Fink. Der 21-Jährige studiert im achten Semester Medizin an der Universität Maastricht. Erste Kontakte zu Patienten hat der junge Mann bereits im Rahmen seines Bachelorstudiums aufgebaut. „Praxistage an der Uniklinik gehören bei uns zum Ausbildungsprogramm. Dabei geht es nicht nur um medizinische Inhalte. Wir lernen beispielsweise auch, schwierige Patientengespräche zu führen“, beschreibt der angehende Mediziner sein Studium, das sich von dem an einer deutschen Universität in vielen wesentlichen Punkten unterscheidet.

Das bestätigt auch Privat-Dozent Dr. med. Andreas Fußhöller, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Nierenheilkunde und Bluthochdruckerkrankungen im Gelderner Krankenhaus. „Schon das Aufnahmeverfahren ist deutlich komplexer. Die Abitur-Note ist nachrangig. Wichtiger sind Fähigkeiten wie Kommunikation, Empathie und Selbstständigkeit, die in einem Assessment-Verfahren nachgewiesen werden müssen. Das sind Eigenschaften, die einen guten Arzt neben seiner fachlichen Kompetenz auszeichnen.“ Im Studium setzt sich der innovative Ansatz fort. Während hierzulande Physik, Chemie oder Anatomie gebüffelt werden, beschäftigen sich die Maastrichter Studenten in problemorientierten Lehrveranstaltungen beispielsweise mit Themen wie Wachstum und Entwicklung oder Diabetes, Übergewicht und Lebensführung.

Anton Fink befindet sich aktuell im zweiten Jahr seines Masterstudiums. Seine ersten Praxisblöcke in einem Lehrkrankenhaus hat der 21-Jährige bereits hinter sich – zwölf Wochen in der Orthopädie und weitere zehn Wochen Gynäkologie.

Der angehende Mediziner ist glücklich über die Erfahrungen, die er in diesem Zeitraum sammeln durfte. „Ich habe mich weitgehend selbstständig um jeweils zwei Patienten gekümmert. Meinen allerersten Patienten übernahm ich bereits im Rettungswagen und begleitete ihn bis zum Arztbrief bei der Entlassung“, erzählt der gebürtige Niederrheiner, der für seine nächsten mehrwöchigen Praxiseinsätze in die Heimat zurückkehrt und ans Gelderner St.-Clemens-Hospital wechselt.

Das Krankenhaus freut sich bereits auf ihn und seine Kommilitonen. „Wir sehen darin eine große Chance für die Entwicklung unseres Standorts“, meint Christoph Weß. Die Mediziner sollen nach Möglichkeit schon während ihres Masterstudiums für das Haus und die Region Gelderland begeistert werden.

Doch auch inhaltlich soll der Nachwuchs Impulse setzen können. „Viele Aspekte einer modernen Medizin sind bei uns schon gelebte Praxis. Zum Beispiel das problemorientierte Arbeiten in unseren interdisziplinären Behandlungszentren und die enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung“, erklärt Andreas Fußhöller.

Der Gelderner Chefarzt und seine Kollegen seien offen für Anregungen, die die Studenten aus den Niederlanden mit nach Geldern bringen. „Die jungen Menschen sind bereits im Austausch mit Patienten und Kollegen geübt. Sie haben gelernt, sich selbst zu reflektieren, Prozesse zu analysieren und zu beurteilen. Davon können wir nur profitieren.“

(RP)